ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Epilepsie: Rettungssanitäter behandeln Status

AKTUELL: Akut

Epilepsie: Rettungssanitäter behandeln Status

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): A-2765 / B-2373 / C-2205

Meyer, Rüdiger

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LNSLNS Die Diagnose eines Status epilepticus ist im Prinzip nicht schwer und die Therapie einheitlich. Man muss nicht unbedingt Medizin studiert haben, um einen über mehrere Minuten anhaltenden Krampfanfall, bei dem der Patient das Bewusstsein nicht wiedererlangt, richtig einzuschätzen. Die intravenöse Injektion eines Benzodiazepins erfordert zwar etwas Geschicklichkeit, über die aber die meisten Rettungssanitäter verfügen dürften. Was spricht also dagegen, die Initialbehandlung in die Hand von medizinischen Hilfskräften zu verlegen, wenn kein Arzt in der Nähe ist. Man mag einwenden, dass die versehentliche Injektion zu hoher Dosierungen mit der Gefahr einer respiratorischen Depression und kardiovaskulären Problemen verbunden ist.

Nach dem Ergebnis einer prospektiven placebokontrollierten Studie des San Francisco General Hospital ist diese Gefahr nicht hoch. In dem Studienast, in dem die Sanitäter dem Patienten in der Prähospitalphase 2 mg Lorazepam oder 5 mg Diazepam intravenös verabreichten, traten nur bei zehn Prozent der Patienten Komplikationen auf. Im Placeboast hatten (wahrscheinlich infolge des Krampfanfalls) doppelt so viele Patienten Probleme mit Atmung oder Kreislauf (NEJM 2001; 345: 631–637). Die Sanitäter verfügten über kein spezielles Training. Sie hatten aber klare Anweisungen über die Kontraindikationen der Benzodiazepine erhalten. Sie standen per Funkkontakt mit einem Arzt der nächsten Klinik in Verbindung, die sie nach etwa einer Viertelstunde erreichten. Zu diesem Zeitpunkt war der Status epilepticus bei 59,1 Prozent der Lorazepam-behandelten Patienten und bei 42,6 Prozent der Diazepam-behandelten Patienten beendet. In der Placebogruppe hatte sich der Krampfanfall dagegen nur bei 21,1 Prozent der Patienten gelöst.

Der Unterschied ist hoch signifikant und rechtfertigt nach Ansicht von Autor Brian Alldredge die Initialbehandlung durch die Sanitäter. Lorazepam durchbrach den Status epilepticus tendenziell besser als Diazepam. Das Medikament ist aber bei Zimmertemperatur nur begrenzt haltbar. Idealerweise sollte es in einem Kühlschrank gelagert werden. Alternativ müssen die Vorräte im Rettungswagen regelmäßig erneuert werden. Rüdiger Meyer
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