ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Rehabilitation: Plädoyer für modifiziertes Klassifikationssystem

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Rehabilitation: Plädoyer für modifiziertes Klassifikationssystem

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): A-2778 / B-2366 / C-2220

Clade, Harald

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LNSLNS International erprobte Systeme für Rehabilitation, Geriatrie und Pflege

Die im Bundesverband Deutscher Privatkrankenanstalten e.V. (BDPK), Berlin, zusammengeschlossenen Rehabilitationseinrichtungen und Einrichtungen für die Anschlussrehabilitation halten es für notwendig, im Zuge der Umstellung der Finanzierung im Akutkrankenhausbereich auf diagnoseorientierte Fallpauschalen (DRGs) auch im Bereich der Rehabilitation, Geriatrie, Pflege und der Vor- und Nachsorge dieses neue Fallklassifikations- und Vergütungssystem einzuführen – allerdings nach speziellen Vorgaben und unter Einbeziehung ausländischer Erfahrungen. Die in der akutklinischen Versorgung auf deutsche Verhältnisse angepassten AR-Diagnosis Related Groups könnten im Bereich der Rehabilitation und Pflege nicht übernommen werden. Es müsse vielmehr auf die spezifische Versorgungs- und Bedarfssituation von Rehabilitanden, chronisch Kranken, Behinderten und Pflegebedürftigen Rücksicht genommen werden und deren Versorgungsbedarf kostenmäßig in den DRGs abgebildet werden. Dies bedürfe einer Modifikation und einer teilweisen Implementation alternativer Systeme, die sich im Ausland (vor allem in den USA) bewährt hätten.
Konzept wird entwickelt
Inzwischen hat der BDPK einen interdisziplinär besetzten Expertenstab unter Leitung der Professoren Dr. phil. Vjenka Garms-Homolová, Prof. Dr. phil. Ernst von Kardorff, Berlin, und Prof. Dr. med. Dr. sc. Karl Lauterbach, Universität zu Köln, berufen, die im nächsten Schritt die Methodik und Umsetzungschancen ausloten und ein detailliertes Implementationskonzept entwickeln wollen.
Die derzeitige Ausgangslage: Die Einführung der pauschalierenden Entgelte auf der Basis der G-Diagnosis Related Groups ab 2003/2005 wird im akutstationären Bereich einen starken Strukturwandel und einen Paradigmenwechsel in der Klinikfinanzierung mit sich bringen, der auch Rückwirkungen auf die Finanzierung der Rehabilitationseinrichtungen und im Pflegebereich haben wird. Die diagnosebezogenen Fallpauschalen führen tendenziell zu einer Verweildauerverkürzung im akutstationären Sektor mit der Folge, dass bisher vollstationär versorgte Fälle entweder in den ambulanten ärztlichen Sektor oder schneller in den Bereich der Anschlussrehabilitation und der Pflege verlegt werden. Prognostizierbar ist bereits heute, dass die Patientenkollektive im ambulanten Sektor ebenso wie im Bereich der Rehabilitation und in der nachgelagerten Versorgung stark wachsen werden. Die Experten gehen davon aus, dass zugleich die Fallzahlen im Bereich der Rehabilitation zunehmen werden. Dadurch wird der technische Aufwand steigen, die Ausstattung und die Personalqualifikation angehoben und die Organisation verändert werden müssen. Insgesamt dürften die Fallkosten im Bereich der Rehabilitation und der Pflege überdurchschnittlich steigen.
Eine Einführung von pauschalierenden Vergütungen auch im Rehabilitationsbereich und im Bereich der Pflege hätte den Vorteil, dass auch hier Effizienzanreize gesetzt würden. Bisher kostengünstige Anbieter und Einrichtungen, die ihre Kostenstrukturen geordnet haben, würden Vorteile erzielen. Zudem ist es in einem gleichartigen und aufeinander abgestimmten Vergütungssystem leichter, integrierte Versorgungsangebote vorzuhalten, die sowohl akut-stationäre als auch Rehabilitationsleistungen umfassen.
Um ein spezielles, internationales Klassifikations- und Abrechnungssystem für die Rehabilitation, Geriatrie und Pflege praxisgerecht zu entwickeln, schlagen die Experten alternative Modelle vor. Diese orientieren sich an dem individuellen Versorgungsbedarf der Rehabilitanden und Pflegebedürftigen, nach der Dauer, Intensität und Fachbezogenheit des Hilfeaufwandes und einer Reihe weiterer Faktoren, die den komplizierten und speziellen Bedarf in der Rehabilitationsphase erfassen.
Zwei Instrumente haben sich bisher im Ausland bewährt, und zwar die Function Related Groups (FRG) auf der Grundlage des Functional Independence Measure (FIM) und das System der Resource Utilization Groups (RUG III-System), das auf dem System Minimum Data Set des Resident Assessment Instrument (RAI) basiert. Beide Instrumente genügen höchsten methodischen Standards; sie sind bereits in deutscher Sprache verfügbar. In verschiedenen deutschen Spezialeinrichtungen werden sie getestet.
Gruppentypische Module
Die Expertengruppe wird ein Konzept entwickeln, das die vorhandenen Klassifikationssysteme anpasst und teilweise neu entwickelt und auf rehabilitationsspezifische Klassifikationen abstellt. Es sollen gruppentypische Rehabilitationsversorgungspakete geschnürt und nach Durchschnittskosten kalkuliert und Preise gebildet werden. Diese sollen Basis für ein Disease-Management im wohnortnahen Bereich bilden. Dabei müsse auch die Tatsache berücksichtigt werden, dass in der Rehabilitation und Pflege neben Fachtherapeuten auch zahlreiche nichtmedizinische Fachberufe eingeschaltet werden und zumeist eine zentrale Steuerungsfunktion übernehmen. Dies gilt für den Großteil der Leistungen im Bereich der medizinischen Rehabilitation. Besondere Aufmerksamkeit soll der Schnittstellenproblematik zwischen Akutsektor und rehabilitativem Versorgungsbereich eingeräumt werden.
Dr. rer. pol. Harald Clade
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