ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Präimplantationsdiagnostik: Anfang ohne Ende

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Präimplantationsdiagnostik: Anfang ohne Ende

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): A-2788 / B-2390 / C-2221

Richter, Eva A.

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LNSLNS Ob sich die PID auf einige Indikationen begrenzen lässt, bleibt umstritten.

Dass sich die Präimplantationsdiagnostik (PID) nicht auf wenige Paare beschränken lässt, befürchten PID-Gegner. Dass diesen Paaren endlich die Möglichkeit gegeben werden müsse, ein gesundes Kind zu bekommen, meinen hingegen die Befürworter. Die Debatte um die PID erhält neue Aktualität, denn die FDP-Fraktion stellte dieser Tage einen Gesetzentwurf zur Regelung der Präimplantationsdiagnostik vor. Darin fordert sie, das Embryonenschutzgesetz zu ändern und die PID „nach eingehender Beratung und positivem Votum einer Ethikkommission“ zu gestatten – wenn die Eltern eine Veranlagung für eine schwerwiegende Erbkrankheit in sich tragen.
Doch in diesem Punkt sehen die PID-Gegner die größten Probleme. „Die PID wird sich nicht begrenzen lassen. Das war auch bei der Pränataldiagnostik bereits nicht möglich“, betonte Marion Brüssel, Landesvorsitzende des Berliner Hebammenverbandes, bei der Anhörung des Bundestagsausschusses für Familie, Senioren, Frauen und Jugend am 17. Oktober in Berlin, die parallel zur Vorstellung des FDP-Gesetzentwurfs stattfand. Sachverständige – hauptsächlich Frauen – diskutierten dabei „Pränatal- und Präimplantationsdiagnostik“ weniger aus ethischer oder medizinischer, sondern aus frauenspezifischer Sicht.
Es sei nicht möglich, einem Paar die PID zu gestatten und einem anderen zu verweigern, betonte Dr. med. Astrid Bühren, Präsidentin des Deutschen Ärztinnenbundes. Letztlich werde jede Form von „Belastung“ für die Familie als ausreichender Grund für die PID akzeptiert werden müssen. „Indikationslisten werden bald erweitert und dann ganz abgeschafft werden. Die PID wird zu einem weit verbreiteten Phänomen werden, das sich auf die gesamte Gesellschaft auswirkt“, befürchtet Bühren. „Ihre Anwendung wird zu einer Pflicht der Betroffenen gegenüber der Allgemeinheit werden.“
Frauen wollen Sicherheit
Dr. med. Barbara Dennis vom Arbeitskreis Frauengesundheit in Medizin, Psychotherapie und Gesellschaft e.V. beobachtet als Gynäkologin einen „Perfektionsanspruch“ bei den Schwangeren. Sie würden lieber mehr Untersuchungen als weniger in Anspruch nehmen. Der eigenen Wahrnehmung der Schwangerschaft würden sie dabei fast nicht mehr trauen, berichtete sie. Diese sei verstärkt durch die Angst vor einem behinderten Kind geprägt, bekräftigte auch Claudia Heinkel vom Diakonischen Werk der Evangelischen Kirche. „Frauen erleben den Einsatz der Technik zwar ambivalent, aber erst nach mehreren Untersuchungen mit normalem Befund können sie die Schwangerschaft ruhig fortsetzen.“ Für sie steht fest: „Gibt es erst die PID, wird sie auch angewendet.“
Ein Verbot hält die FDP-Fraktion für verfassungsrechtlich bedenklich. Es stehe im Widerspruch zum Recht der Frau, die Schwangerschaft nach Pränataldiagnostik und bei Vorliegen einer medizinischen Indikation abzubrechen. Um eine rechtliche Grundlage für die betroffenen Paare und Ärzte zu schaffen, müsse das Embryonenschutzgesetz geändert werden, fordern die Liberalen. Bisher ist umstritten, ob dieses die PID zulässt. Ihr Papier schickte die FDP an Bundestagsabgeordnete anderer Fraktionen, die als Befürworter der PID bekannt sind. Bald will sie einen fraktionsübergreifenden Gesetzentwurf in den Bundestag einbringen. ER
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