ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Apothekertag: Gemeinsames Motto - Lerne zu klagen, ohne zu leiden

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Apothekertag: Gemeinsames Motto - Lerne zu klagen, ohne zu leiden

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): A-2794 / B-2396 / C-2226

Lorentzen, Eva

Zu der Berichterstattung über den Deutschen Apothekertag „Verschiebungen auf der Prioritätenliste“ von Jens Flintrop in Heft 38/2001:
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LNSLNS Sie fragen „warum die Apotheker seit Jahren darüber klagen, dass ihr Berufsstand aussterbe beziehungsweise nicht genügend gewürdigt werde“. Das beantworte ich Ihnen als zurzeit hospitierende, das heißt zum Zweck des beruflichen Wiedereinstiegs nach der Kinderpause gratis in einer Apotheke arbeitende Apothekerin gerne. Ad eins wird ein Berufsanfänger nach acht Semestern Hochschulstudium und einem noch unter AiP-Niveau vergüteten praktischen Jahr nach Tarif in der öffentlichen Apotheke mit einem Bruttogehalt von unter 5 000 DM entlohnt. Für dieses Luxuseinkommen wird bei Volkswagen kein Auto montiert, dafür lässt sich nicht einmal ein Assistenzarzt an einem Universitätsklinikum beschäftigen, letztlich auch keine Familie unterhalten. Infolgedessen sinkt seit Jahren nicht nur die Zahl der Pharmaziestudierenden, sondern vor allem der Anteil der Männer unter ihnen. Der Anstieg der Beschäftigtenzahl in den Apotheken stellt keinen Maßstab dar: Viele Frauen arbeiten nur wenige Stunden in der Woche, teilweise als geringfügig Beschäftigte, da dann der Stundenlohn von 30 DM brutto gleich netto ausgezahlt wird und damit deutlich über dem zu versteuernden Tarifgehalt liegt.
Zum zweiten Punkt: Auch die Ärzteschaft tut sich im Allgemeinen schwer damit, die positiven Aspekte der pharmazeutischen Betreuung anzuerkennen, die als sinnvolle Ergänzung der klassischen 5-Minuten-Medizin entscheidend zur Verbesserung der nicht selten mangelhaften Compliance der Patienten beitragen und eine effektive Therapie unterstützen kann (siehe die Meldung „Gebündelte Betreuung“ im gleichen Heft). Für eine eingehende Beratung scheint in vielen Praxen zumindest bei Kassenpatienten keine Zeit zur Verfügung zu stehen, die offenen Fragen stellt man dann beim Apotheker, der sich Zeit nimmt. Langfristig werden sich die Angehörigen beider Berufsgruppen mit einer ablehnenden Haltung zur Zusammenarbeit keinen Gefallen erweisen. Was sie eint, dies noch zum Thema „klagen“, scheint dagegen das Motto „Lerne zu klagen, ohne zu leiden!“, wie die langjährige Leserin des DÄ und Deutscher Apothekerzeitung weiß.
Dr. rer. nat. Eva Lorentzen, Wittninkheide 11, 48157 Münster
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