ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Arzthelferinnen: Pflicht zur umfassenden Ausbildung

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Arzthelferinnen: Pflicht zur umfassenden Ausbildung

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): A-2796 / B-2380 / C-2233

Rolirad, Klaus-Dieter

Zu dem Beitrag „Fragebogen: Reformbedarf in der Arzthelferinnen-Ausbildung“ von Thomas Gerst in Heft 20/2001:
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LNSLNS Aufgrund langjähriger Erfahrung (seit 30 Jahren in der Ausbildung und in Prüfungsausschüssen tätig) muss ich konstatieren, dass das Ausbildungsniveau abgenommen hat. Das liegt zum einen daran, dass die Pflichtschulen relativ wenig Allgemeinbildung und konzentriertes Arbeitsverhalten vermittelt haben; zum anderen sind die Lehrbücher teilweise veraltet und mit unnötigem Stoff beladen, es unterrichten zunehmend „Gesundheitslehrer“ und keine praxiserfahrenen Ärzte.
Im dualen System hat die Berufsschule überwiegend das theoretische „Know-how“ zu vermitteln: Rechnungswesen, auch Abrechnung, Schreibmaschine, EDV, Deutsch, Politik. Zusätzlich kann der engagierte ärztliche Fachlehrer (das Honorar, 40,95 DM vor Steuern von der Bezirksregierung, lockt sicher nicht) in der Fachkunde Anatomie, Krankheitslehre etc. praxisnah und mit Beispielen lehren.
Der Ausbilder verpflichtet sich mit seiner Unterschrift, entsprechend dem Ausbildungsrahmenplan zu verfahren. Ausbildungsberater bei der jeweiligen Bezirksstelle stehen als Ansprechpartner für Auszubildende und auch „Chefs“ zur Verfügung. Wenn in beiden Systemen korrekt und engagiert gehandelt würde, wäre alles in Ordnung. Dann muss nur noch der Inhalt den zeitgemäßen Anforderungen angepasst werden.
Für die Zukunft müssen Praxismanagement, Kommunikation (psychosoziale Kompetenz), Prävention, Notfallmanagement, Lebensführung in den Vordergrund rücken, ohne Anatomie, Physiologie, Pathologie, Apparatelehre, Therapie zu vernachlässigen. Das Labor ist sicher zu reduzieren, aber wichtige normale und pathologische Werte müssen interpretiert und gewertet werden können. Zurzeit werden nicht nur hier im Göttinger Raum die ärztlichen Fachlehrer zugunsten der Gesundheitslehrer wegrationalisiert, das heißt, der Bezug zur Praxis geht völlig verloren!
Eine Spezialisierung beziehungsweise Weiterbildung ist für die „fertigen“ Arzthelferinnen sinnvoll, wie ich es seit über zehn Jahren im Einvernehmen mit meinem Berufsverband regelmäßig an verschiedenen Orten durchführe (aus der Praxis für die Praxis).
In der Hoffnung, dass möglichst viele Fragebögen zurückkommen, ist nochmals zu betonen, dass sich alle Kollegen und Kolleginnen selbst klar werden, dass sie ihrer Pflicht zur umfassenden Ausbildung nachkommen. Eine kompetente Arzthelferin ist auch für sie ein Gewinn und schafft Zufriedenheit. Ein freundliches und fachlich geschultes Team kann sicher auftreten und ist das beste Marketing auch unter den Bedingungen des neuen „Jahrtausends“.
Dr. med. Klaus-Dieter Rolirad, Bahnhofstraße 5, 37154 Northeim
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