ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Operative Resektion und Ganzhirnbestrahlung versus Gamma-Knife: Stereotaktische Bestrahlung

MEDIZIN: Diskussion

Operative Resektion und Ganzhirnbestrahlung versus Gamma-Knife: Stereotaktische Bestrahlung

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): A-2819 / B-2401 / C-2247

Herrmann, Thomas

zu dem Beitrag Multicenterstudie zur Therapie von kleinen singulären zerebralen Metastasen von Dr. med. Alexander Muacevic Dr. med. Friedrich Wilhelm Kreth Prof. Dr. med. Hans Jakob Steiger in Heft 12/2001
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LNSLNS Die Autoren weisen dankenswerterweise auf ein onkologisches Problem hin, das Kliniken, in denen eine enge Kooperation zwischen Radioonkologen und Neurochirurgen besteht, bereits seit Jahren beschäftigt.
Es lautet: Muss eine neurochirurgisch erfolgte Resektion einer Hirnmetastase durch eine Ganzhirnbestrahlung mit einem Linearbeschleuniger ergänzt werden, um das Auftreten weiterer Metastasen zu verhindern, und bei welchen Primärtumorarten ist dies erforderlich? Die zitierte Studie von Patchell et al., 1998, gibt hierzu nur eine lückenhafte Auskunft. So waren mehr als 50 Prozent der in diese Untersuchung einbezogenen 95 Patienten an einem Bronchialtumor als Primärtumor erkrankt, und es wurden Ganzhirndosen von 50 Gy (!) verwendet, die in Deutschland aus Gründen der dabei zu erwartenden Spätfolgen nicht angewendet werden und sicher auch bei Metastasen prognostisch günstigerer Tumoren nicht angewendet werden sollten. Es ist deshalb auf die Ergebnisse der im Artikel angesprochenen RTOG-98-8- und EORTC-22952-Studien zu warten, bevor in dieser Frage eine sicher primärtumorbezogene definitive Antwort gegeben werden kann.
Stereotaktische Hochpräzisionsbestrahlung stellt für einige Tumorentitäten eine gesicherte Indikation dar. Diese Methode der Einzeitbestrahlung – auch Radio-Chirurgie genannt – kann prinzipiell mit zwei unterschiedlichen Gerätetypen erfolgen. Zum einen kann hierzu ein speziell ausgerüsteter Linearbeschleuniger verwendet werden, der in größeren radioonkologischen Abteilungen verfügbar ist und auch in 22 Zentren Deutschlands für die stereotaktische Bestrahlung bei Hirnmetastasen und weiteren Indikationen auch im Körperstammbereich (so genannte Body-Stereotaxie) durch die verantwortlichen Strahlentherapeuten eingesetzt wird. Zum anderen kann das im Beitrag von Muacevic angesprochene Gamma-Knife angewendet werden. Dieses Gerät stellt die Entwicklung einer Firma unter Verwendung einer Vielzahl von Kobalt-60-Quellen dar und ist zur stereotaktischen Einzeitbestrahlung im Kopfbereich geeignet.
Die im Titel und im Text mehrfach angesprochene „Gamma-Knife-Radiochirurgie“ ist als eine unglückliche Wortwahl zu bezeichnen, da sie den Eindruck erwecken könnte, dass die stereotaktische Einzeitbestrahlung nur mit diesem Gerät – dem Gamma-Knife – und durch seine meist neurochirurgischen Betreiber möglich wäre. Die Qualität der stereotaktischen Einzeitbestrahlung (Radiochirurgie) ist jedoch nach übereinstimmender internationaler Meinung nicht abhängig vom verwendeten Gerätetyp.

Literatur:
1. Colombo F, Francescon P, Cora S et al.: A simple method to verify in vivo the accuracy of target coordinates in linear accelerator radiosurgery. Int J Radiat Oncol Biol Phys 1998; 41: 951.
2. Muacevic A, Kreth FW, Steiger HJ: Operative Resektion und Ganzhirnbestrahlung versus Gamma-Knife. Dt Ärztebl 2001; 98: A-768–769 [Heft 12]
3. Patchell RA, Tibbs PA, Regine WF et al.: Postoperative radiotherapy in the treatment of single metastases to the brain. JAMA 1998; 280: 1485–1489.

Prof. Dr. med. Thomas Herrmann
Klinik und Poliklinik für Strahlentherapie
und Radioonkologie
Universitätsklinikum Carl Gustav Carus
Fetscherstraße 74
01307 Dresden

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