ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Neues Modell zur Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft

MEDIZIN: Referiert

Neues Modell zur Vorsorgeuntersuchung in der Schwangerschaft

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): A-2820 / B-2402 / C-2248

goa

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LNSLNS Ein neues Modell der Schwangerenvorsorge mit einer verringerten Anzahl an standardisierten Untersuchungsterminen könnte die übliche Praxis ersetzen.
Gerade in den weniger gut entwickelten Ländern wird versucht, die in den westlichen Industrienationen übliche ärztliche Betreuung Schwangerer, die auf relativ häufigen und noch immer nicht überall standardisierten Kontrollen beruht, zu kopieren.
Forscher der WHO untersuchten aus diesem Grund an Kliniken in Kuba, Argentinien, Saudi-Arabien und Thailand in einer randomisierten Kontrollstudie, ob sich durch eine verminderte Anzahl an Routineuntersuchungen ein klinisch relevanter Nachteil für die Frau und ihre Babys ergibt. Die Basis des neuen Modells ist, nach einer Klassifizierung der Schwangeren (Risikoschwangerschaften bedürfen intensiverer Betreuung) die ärztlichen Kontrollen auf vier festgelegte Untersuchungstermine zu verringern, in deren Rahmen es möglich sein sollte, wissenschaftlich gesicherte, aussagekräftige Vorsorgeuntersuchungen durchzuführen. Gemessen an dem Auftreten einer schweren postpartalen Anämie, behandlungsbedürftigen Harnwegsinfekten oder einem niedrigen Geburtsgewicht des entbundenen Kindes, entsprach das neue Modell mit im Schnitt fünf Untersuchungsterminen den bekannten Werten aus der bisherigen Praxis (hier durchschnittlich acht Termine). Die Prä-Eklampsie-/Eklampsierate war in der Studiengruppe, die nach dem neuen Modell untersucht wurde, geringfügig höher, das neue Modell wurde aber sowohl von den Frauen als auch von medizinischer Seite gut akzeptiert, und an zwei Studienorten konnten sogar die Kosten gesenkt werden.
Langfristig sollte man sich, so die Autoren, auch in den weniger gut entwickelten Ländern darauf konzentrieren, möglichst viele Schwangere mit einer Basisroutine versorgen zu können. Aber auch in unseren Breiten sollte angeregt werden, sich auf die wesentlichen und erwiesenermaßen wichtigen Untersuchungen zu konzentrieren und neue Tests erst nach wissenschaftlicher Validierung in den Untersuchungskatalog aufzunehmen. goa

Villar J et al.: WHO antenatal care randomised trial for the evaluation of a new model of routine antenatal care. Lancet 2001; 357: 1551–1564.

José Villar, UNDP/UNFPA/WHO/World Bank Special Programme of Research Development, and Research Training in Human Reproduction, Department of Reproductive Health and Research, World Health Organisation, Genf, Schweiz.

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