ArchivDeutsches Ärzteblatt43/2001Argentinienbonds: Stürmische See – kein sicherer Hafen

VARIA: Schlusspunkt

Argentinienbonds: Stürmische See – kein sicherer Hafen

Dtsch Arztebl 2001; 98(43): [84]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Es gibt immer wieder Anleger, die sich schlauer fühlen als andere. Dagegen ist im Prinzip nichts zu sagen, so sie die nötigen Eigenschaften Fachwissen und Bescheidenheit mit im Portemonnaie haben.
Die Käufer von DM-Auslandsanleihen sind dagegen eher mehr der Spezies Wagemut zuzuordnen. Ist ja auch klar, denn eine Investition in Ungarn, Venezuela, Brasilien oder Argentinien bringt deutlich höhere Zinsen als vergleichbare Inlandspapiere. Aber oft nur in der Theorie.
Wenn aber bei einem auf DM lautenden Papier mehr Rendite geboten wird als anderswo, dann muss einfach mehr Risiko sein, sonst wären ja alle Institutionen blöde, die sichere Staatsobligationen kaufen. Gerade große Kapitalsammelstellen wie Assekuranzkonzerne kämen niemals auf die Idee, das Geld der Versicherten in marode Volkswirtschaften zu stecken. Oft genug höre ich im Rahmen der Börsebius-Telefonberatung selber auch von Anlegern, die mir mit stolzgeschwellter Brust von ihren Latino-Auslandsanleihen erzählen und sich dann wundern, wenn sie auf das immense Risiko hingewiesen werden. Ob sie es mir überhaupt glauben, bezweifle ich am Ende der Gespräche oft genug.
Mit Argentinien steht eine der größten Volkswirtschaften Lateinamerikas vor dem Zusammenbruch. Die Anzeichen für einen drohenden Zahlungsausfall bei Anleihen, die auf DM oder Euro lauten, mehren sich zusehends. Das lässt sich ganz gut an den sich rapide verschlechternden Bonitätseinstufungen ablesen.
Die beiden größten Ratingagenturen Moody’s sowie Standard & Poor’s stufen die Schuldnergüte seit Jahren kontinuierlich weiter nach unten ein. Bei Moody’s lautete beispielsweise die Einschätzung im Jahr 1986 noch „Ba3“, das steht in etwa für die Schulnote Zwei minus. Mit Stand diese Woche wird Argentinien zehn Stufen niedriger bewertet, und zwar mit „Caa3“. Experten subsumieren unter diese Kennziffer all das, was mit dem unansehlichen Namen „Schrottanleihen“ versehen wird, weil das Papier fast nichts mehr wert ist oder gar ein Totalausfall bevorsteht.
Das alles sieht gar nicht gut aus. Es steht zu befürchten, dass sich die Anleger speziell von argentinischen Eurobonds weiter in stürmischer See befinden und kein sicherer Hafen weit und breit anzulaufen ist.
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