ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Sekundärprävention: Östrogene schützen nicht vor Schlaganfall

AKTUELL: Akut

Sekundärprävention: Östrogene schützen nicht vor Schlaganfall

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2837 / B-2433 / C-2261

Koch, Klaus

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LNSLNS Eine Therapie mit Östrogenen schützt Frauen, die bereits einen Schlaganfall überlebt haben, nicht vor einem erneuten Hirninfarkt. Diese Schlussfolgerung zieht eine Gruppe um Dr. Catherine Viscoli und Dr. Ralph Horwitz von der Yale-Universität in New Haven aus dem Schicksal von 664 Frauen, die drei Monate nach einem Schlaganfall oder einer transienten ischämischen Attacke in eine randomisierte Studie einwilligten: 337 der durchschnittlich 72 Jahre alten Amerikanerinnen nahmen täglich ein Milligramm des Hormons 17ß-Östradiol, weitere 327 ein Placebo ein (NEJM 2001; 345: 1243). Nach durchschnittlich drei Jahren Behandlung war jedoch keine positive Wirkung des Hormons feststellbar: 99 der mit Ersatztherapie behandelten Frauen waren gestorben oder hatten einen weiteren Schlaganfall erlitten, unter Placebo waren es 93. Möglich ist sogar, dass sich die Hormonersatztherapie nachteilig auf das Schlaganfallrisiko auswirkt. Unter der 17ß-Östradiol-Therapie starben zwölf Frauen an Schlaganfall, unter Placebo waren es nur vier. Der Unterschied war zwar nicht signifikant, dennoch empfehlen die Forscher: „Diese Therapie sollte nicht zur Vorbeugung eines zweiten Hirninfarktes verschrieben werden.“

Eine ähnliche Empfehlung hatte die Amerikanische Herzgesellschaft zur Vorbeugung von Myokardinfarkten bei herzkranken Frauen gegeben. Auch Prof. Martina Dören (Klinisches Forschungszentrum Frauengesundheit FU Berlin) stimmt zu: „Es gibt jetzt mehrere randomisierte, prospektive Studien, die keine positiven Effekte in der Sekundärprophylaxe sowohl von Herzerkrankungen als auch von Schlaganfällen durch Östrogene gezeigt haben.“ Die neue Studie beantwortet allerdings nicht die Frage, ob Östrogene in der Lage sind, bei jüngeren und noch gesunden Frauen einem Schlaganfall vorzubeugen. Bisherige Analysen waren in diesem Punkt widersprüchlich. Heute würde die 1992 begonnene Studie wohl nicht mehr von einer Ethikkommission genehmigt: Die Ärzte haben auch Frauen mit Östrogenen behandelt, die nicht hysterektomiert waren.

Die Folge: In der Östrogen-Gruppe klagten 115 von 189 Frauen mit Gebärmutter über Blutungen (33 von 180 unter Placebo); auch Endometriumhyperplasien waren häufiger. Zwei Frauen aus der Östrogengruppe erkrankten an einem Endometriumkarzinom, das ebenfalls zu den bekannten Risiken der Hormonersatztherapie gehört, wenn die Frauen nicht zusätzlich Gestagene nehmen. „Ich habe große Schwierigkeiten zu verstehen, dass diese Risiken akzeptiert wurden“, sagt Dören. Hintergrund war der Glaube, dass Gestagene den angenommenen Nutzen des Östrogens schwächen könnten.
Klaus Koch
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