ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Krankenhäuser: Korrekturbedarf

POLITIK

Krankenhäuser: Korrekturbedarf

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2843 / B-2435 / C-2263

Clade, Harald

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LNSLNS Entwurf eines Fallpauschalengesetzes stößt auf Kritik der Verbände.

Bei aller Kritik über den zu engen Zeitrahmen für die Vorbereitung und Umsetzung des neuen Krankenhausfinanzierungssystems auf der Basis diagnoseorientierter Fallpauschalen gehen Krankenhausträger und die Ärzteschaft davon aus, dass das Prinzip der leistungsgerechten Vergütung über einheitliche Festpreise konsequent umgesetzt wird. Der freiwillige, optionale Einstieg in das neue Entgeltsystem ab dem 1. Januar 2003 bedeutet für viele Krankenhausträger und die in den Kliniken Beschäftigten eine Chance, aber auch ein zum Teil noch nicht überblickbares existenzielles Risiko. Noch ringt die Selbstverwaltung um Details des ordnungspolitischen Rahmens in der Konvergenzphase bis Ende 2006. Bis dahin gelten noch weitgehend die alten Rahmenbedingungen.
Beim Hearing vor dem Bundestagsausschuss für Gesundheit in Berlin prognostizierte die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. (DKG), dass bis Ende 2005 rund 80 Prozent aller Krankenhausleistungen durch ein diagnoseorientiertes Fallpauschalsystem abgebildet werden können. Nach dem Finanzierungsmischsystem, das seit 1995 nach Aufhebung des Selbstkostendeckungsprinzips gilt, werden lediglich rund 20 bis 30 Prozent aller Krankenhausleistungen über Fallpauschalen und Sonderentgelte abgerechnet. Die Umstellung auf eine flächendeckende Anwendung des pauschalierenden Entgeltsystems ist ein Wagnis und zeugt von ehrgeizigem Perfektionismus. In keinem anderen Land, das das DRG-Codierungs- und Abrechnungssystem bereits anwendet, wird das DRG-System flächendeckend in allen Krankenhäusern angewendet. Lediglich der Bereich Psychiatrie soll im deutschen Entgeltsystem ausgeklammert bleiben. Erfahrungen zeigen, dass bestimmte Leistungen, wie beispielsweise im Bereich der Neurologie und in der Intensivmedizin oder bei sehr seltenen Erkrankungen, nur schwer oder gar nicht abbildbar und zu kalkulieren sind. Die Krankenhausträger-Spitzenorganisation DKG fordert deshalb zu Recht für diese speziellen Leistungen unbefristete und sachgerechte Öffnungsklauseln. Der Bundesverband Deutscher Privatkrankenanstalten e.V., Berlin, drängt darauf, dass das Festpreissystem und die Vergütungen auf die Ist-Mengen abstellen (Summe der Relativgewichte), die vom Krankenhaus erbracht werden. Die Klinikärztegewerkschaft Marburger Bund favorisiert eine Sollkosten-Kalkulation, bei der auch die tatsächlich erbrachten klinikärztlichen Leistungen, die bisher nicht bezahlt oder durch nicht äquivalente Freizeit ausgeglichen werden, zu Vollkosten kalkuliert und in die Entgelte einfließen
Korrekturbedarf sehen die Klinikträger vor allem bei der Ausgestaltung der beabsichtigten Regelungen zum Basisfallwert, der die Höhe der Vergütungen bestimmt. Hier gibt es Änderungsbedarf insoweit, als der Entwurf für ein Fallpauschalengesetz vorsieht, bei der Vereinbarung des Basisfallwerts ab 2006 fiktiv unterstellte Möglichkeiten zur Ausschöpfung von Wirtschaftlichkeitsreserven zu berücksichtigen. Solche Rechnungen bewegen sich auf schwankendem Boden so lange, als nicht aufgrund validierter Daten nachgewiesen wird, ob es tatsächlich noch Rationalisierungsreserven gibt. Die Klinikträger fordern deshalb, dass der Basisfallwert bei einer Mengenausweitung nur so weit gesenkt werden darf, als die variablen Kosten abgedeckt werden, die durch zusätzlich stationär versorgte Fälle entstehen.
Im Übrigen darf den Krankenkassen nicht eingeräumt werden, dass sie das Morbiditätsrisiko immer mehr auf die Klinikträger und das Fachpersonal verlagern und diese für die Fallzahlsteigerun-
gen, insbesondere wegen der verschlechterten Demographiekomponente, haftbar machen. Sinnvoll wäre, in der Konvergenzphase indikationsbezogene Kriterien für die Übernahme und Notwendigkeit von Krankenhausbehandlungen und die Mengensteuerung festzulegen. Dies wäre jedenfalls sinnvoller, als schematische Erlösausgleiche vorzugeben. Dr. rer. pol. Harald Clade
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