POLITIK

Nachgefragt

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2845 / B-2420 / C-2266

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Dr. med. Leonhard Hansen ist Zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und im Vorstand der KBV für Arzneimittelfragen zuständig. Foto: Till Erdmenger, ÄkNo
Dr. med. Leonhard Hansen ist Zweiter Vorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung und im Vorstand der KBV für Arzneimittelfragen zuständig. Foto: Till Erdmenger, ÄkNo
DÄ: Sind die Ausgaben für Arzneimittel seit Jahresbeginn so stark gestiegen, weil Ulla Schmidt die Ablösung des Budgets schon frühzeitig angekündigt hat?
Dr. Hansen: Die Anhänger der Budgets behaupten das jetzt, aber der Zusammenhang ist unbewiesen. Alle uns bekannten Analysen zeigen eine ähnliche Ausgabenentwicklung über Jahre hinweg. Im zweiten Halbjahr 2000, als von der Budgetablösung noch nicht die Rede war, lag die Ausgabensteigerung bei etwa neun Prozent. Im ersten Halbjahr 2001 sind es rund elf Prozent. Das sind keine signifikanten Unterschiede. Nein, wir glauben, dass die Mehrausgaben Folge des Ausstiegs aus der stillen Rationierung sind.
DÄ: Die Budgets sind zwar weg, aber die Verantwortung der Ärzte für die Arzneimittelausgaben bleibt.
Dr. Hansen: Diese Verantwortung nehmen wir an. Fast alle KVen haben inzwischen mit den Krankenkassen Zielvereinbarungen getroffen, um die Ausgaben für Arzneimittel sinnvoll steuern zu können. Wir wollen und werden Einsparungen realisieren. Aber um auch dies klar zu sagen: Die Versorgung der Patienten darf darunter nicht leiden. Sinnvolle Arzneimittelinnovationen und notwendige Spezialpräparate müssen weiterhin verordnet werden können. Genau dieses Gleichgewicht zwischen Sparsamkeit und angemessener Versorgung müssen wir herstellen.
DÄ: Die Regierung plant aber schon wieder ein Gesetz zur Ausgabenbegrenzung bei Arzneimitteln.
Dr. Hansen: Mir scheinen diese Überlegungen ein wenig aus der Hüfte geschossen zu sein. Wie wollen Sie beispielsweise die Aut-idem-Regelung mit der Richtgrößen-Verantwortung des Arztes vereinbaren, wenn der Apotheker über Präparat und Preis bestimmt? Bei einer Aut-idem-Umsetzung darf niemals für den Patienten der Eindruck entstehen: Der Arzt macht die Diagnose, der Apotheker die Therapie. Die Politik sollte ernsthaft den jüngsten Vorschlag des Deutschen Generikaverbandes prüfen. Die Hersteller bieten anstelle von aut idem einen durchgängigen Preisabschlag von drei Prozent und damit Einsparungen von rund 450 Millionen DM an. Da weiß man, was man hat.
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