ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Arbeitsgemeinschaft Influenza: Impflücken beim medizinischen Personal

POLITIK: Medizinreport

Arbeitsgemeinschaft Influenza: Impflücken beim medizinischen Personal

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2862 / B-2448 / C-2274

Wiehl, Martin

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Ein Influenza-Virus Foto: Boehringer Ingelheim
Ein Influenza-Virus Foto: Boehringer Ingelheim
Besonders bei Krankenhausmitarbeitern und älteren Personen muss die Vakzinierungsrate noch deutlich gesteigert werden.


Die Impfbeteiligung zur Prophylaxe der Influenza hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert. Einen entscheidenden Anteil hieran habe die Arbeitsgemeinschaft Influenza (AGI), so Dr. Brunhilde Schweiger vom Nationalen Referenzzentrum für Influenza am Robert Koch-Institut (RKI). Seit ihrem Bestehen konnte die Anzahl der geimpften Personen von 3,5 Millionen im Jahre 1992 auf 15 Millionen im vergangenen Jahr angehoben werden. Trotz dieser positiven Entwicklung weist eine Altersklasse, die Senioren, deutliche Impflücken auf.
Obwohl die Ständige Impfkommission am RKI die Influenza-Impfung für alle Personen über 60 Jahre empfohlen hat, waren in Deutschland 1999 nach Angaben des Statistischen Bundesamtes nur 28,5 Prozent der über 60-jährigen Personen geimpft. Die 60- bis 65-Jährigen waren zu 21,9 Prozent, die 65- bis 70-Jährigen zu 28,1 Prozent, die 70- bis 75-Jährigen zu 31,3 Prozent und die über 75-Jährigen zu 33,5 Prozent durchgeimpft.
Mit stringentem Handeln der Gesundheitspolitik und der Beteiligten im Gesundheitswesen ließen sich laut Dr. Johannes F. Hallauer (Charité, Berlin) weit bessere Ergebnisse erzielen, wie die Durchimpfungsraten in den USA 1999 zeigten: Bei den 65- bis 74-Jährigen lagen sie bei 63,4 Prozent und bei den über 75-Jährigen bei 72,5 Prozent. Ähnliches gelte übrigens für die Pneumokokkenimpfung, mit der in den USA bereits 50 Prozent der 65- bis 74-Jährigen und 60,9 Prozent der über 75-Jährigen erreicht worden seien.
Obwohl in den letzten Jahren auch verstärkt auf die Influenza-Impfempfehlung der STIKO für „Personen mit erhöhter Gefährdung, zum Beispiel medizinisches Personal“ hingewiesen wurde, hat sich die Lage laut Hallauer auch hier nicht wesentlich gebessert. Er berichtete von einer eigenen Studie, durch welche die Impfsituation des Personals in 25 Krankenhäusern in Deutschland erfasst wurde. In dieser Stichprobe waren 42 000 Mitarbeiter zusammengefasst, entsprechend fünf Prozent des in deutschen Krankenhäusern tätigen Personals. Untersucht wurde unter anderem die Zahl der durchgeführten Impfungen durch den Arbeitsmedizinischen Dienst, dessen Aufgabe dies ist.
Seit der Influenza-Saison 1997/98 konnte die Zahl der durchgeführten Impfungen zwar verdoppelt werden, so Hallauer, sie blieb aber insgesamt hinter den Erfordernissen weit zurück. Denn bezogen auf alle 42 000 Krankenhaus-Mitarbeiter, wurden 1999/2000 durch die Arbeitsmedizinischen Dienste nur 7,2 Prozent geimpft. Von keiner teilnehmenden Klinik wurden mehr als 21,2 Prozent erreicht, und in einer Reihe von Krankenhäusern sei die Influenza-Impfung den Mitarbeitern gar nicht angeboten worden, kritisierte Hallauer. „Hier ist dringend ein Umdenken in den Kliniken notwendig und eine Einhaltung der Vorschriften und Empfehlungen zu fordern.“
Dass sich eine Befolgung der Impfempfehlungen lohnt, zeige eine Studie in 20 Krankenhäusern der Geriatrie in Schottland mit 1 437 Patienten, aus der Hallauer zitierte. Während in der Kontrollgruppe die Impfraten der Patienten bei 33 Prozent und des Personals bei 4,8 Prozent lagen, konnte die Impfbeteiligung in den Krankenhäusern, in denen die Impfung forciert wurde, bei den Pa-tienten auf 48 Prozent und beim Personal auf 50,9 Prozent gesteigert werden. Die Mortalität ging dadurch im Beobachtungszeitraum von Ende November 1996 bis Ende März 1997 gegenüber der Kontrolle drastisch von 22,4 auf 13,6 Prozent zurück.
Da im vergangenen Winter laut Dr. Dr. Rolf Heckler (Nationales Referenzzentrum für Influenza, Hannover) zu 95 Prozent Influenza A (H1N1) für die Virusgrippewelle verantwortlich war und Influenza A (H3N2) sowie Influenza B kaum eine Rolle gespielt haben, sei in der kommenden Saison eher mit einem verstärkten Auftreten von Influenza B und Influenza A (H3N2) zu rechnen. Die A-Komponenten des neuen Influenza-Impfstoffes blieben gemäß der WHO-Empfehlung unverändert, lediglich die B-Komponente werde ausgetauscht. Die Zusammensetzung des aktuellen Impfstoffes laute somit
- A/Moskau/10/99 (H3N2) – like
- A/New Caledonia/20/99
(H1N1) – like
- B/Sichuan/379/99 – like
Mit In-Kraft-Treten des neuen Infektionsschutzgesetzes (IfSG) Anfang dieses Jahres wurden die Aktivitäten der AGI unter dem Dach des RKI gebündelt, um eine einheitliche Struktur, Verknüpfung und Rückmeldung zu gewährleisten. Das bedeutet konkret, dass die seit Januar beim RKI eingehenden Meldungen mit in den Datenpool der AGI eingehen. Um die zeitnahe Analyse der epidemiologischen Situation noch weiter zu verbessern, soll außerdem die Polymerasekettenreaktion generell für die virologische Schnelldiagnostik eingesetzt werden. Martin Wiehl

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