szmtag „Wir empfehlen Rückverschickung, da sich der Arbeitseinsatz nicht lohnt“
ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001„Wir empfehlen Rückverschickung, da sich der Arbeitseinsatz nicht lohnt“

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„Wir empfehlen Rückverschickung, da sich der Arbeitseinsatz nicht lohnt“

Gerst, Thomas

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LNSLNS Zum Thema „Zwangsarbeit und Krankheit in Schleswig-Holstein“ ist soeben eine umfassende Darstellung in der Schriftenreihe des Instituts für schleswig-holsteinische Zeit- und Regionalgeschichte an der Universität Flensburg (IZRG) erschienen. Grundlage für die Publikation war ein von der AOK Schleswig-Holstein finanziertes Forschungsprojekt unter der Leitung von Prof. Dr. med. Annette Grewe, Fachbereich Pflege und Gesundheit an der Fachhochschule Fulda, und Prof. Dr. phil. Uwe Danker, IZRG.
Verschiedene Aspekte der gesundheitlichen Versorgung von Zwangsarbeitern werden hier von einem Autorenteam untersucht, wobei besonders hervorzuheben ist, dass in diesem Zusammenhang bisher noch nicht ausgewertete historische Quellenbestände für die Untersuchung ausgewertet wurden. Ein Fazit der Untersuchung lautet: Die gesundheitliche Versorgung der Zwangsarbeitenden blieb stets dem Kernziel der totalen Ausbeutung der Arbeitskraft untergeordnet. Solange ein ausreichendes Arbeitskräftereservoir im Osten zur Verfügung stand, wurden russische Zwangsarbeitende bereits nach kurzer Arbeitsunfähigkeit infolge Krankheit ohne hinreichende medizinische Betreuung in die Heimat zurücktransportiert. Erst als nach der Niederlage in Stalingrad die Ware „menschliche Arbeitskraft“ knapp wurde, erfuhren die erkrankten „Ostarbeiter“ eine etwas bessere medizinische Versorgung.
Untersucht wird auch der Einsatz von Fremdarbeitern in der Krankenversorgung. Während für die Betreuung deutscher Patienten aus rassenideologischen Gründen nur als „artverwandt“ betrachtete holländische oder tschechische Ärzte infrage kamen, wurden Polen oder „Ostarbeiter“ in der Hauswirtschaft der Krankenhäuser eingesetzt. Patienten in den Ausländerbaracken der Krankenhäuser wurden allerdings – so weit wie möglich – durch Pflegekräfte und Ärzte gleicher Herkunft betreut. TG

Uwe Danker, Annette Grewe, Nils Köhler, Sebastian Lehmann (Hrsg.): „Wir empfehlen Rückverschickung, da sich der Arbeitseinsatz nicht lohnt“. Zwangsarbeit und Krankheit in Schleswig-Holstein, Verlag für Regionalgeschichte,
Gütersloh, 2001, 344 Seiten, 21 Abbildungen, gebunden, 58 DM
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