ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Hirntod: Begründete Seelenqualen

BRIEFE

Hirntod: Begründete Seelenqualen

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2872 / B-2456 / C-2281

Erbguth, Frank

Zu dem Leserbrief „Hirntod ist nicht Anästhesie“ von Dr. Hans-Joachim Ritz in Heft 41/2001:
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LNSLNS Der beste Beleg dafür, dass der vom Kollegen Dr. Ritz oberlehrerhaft kritisierte „Professor und Diplompsychologe“ Lang mit dem Inhalt seines Leserbriefs leider Recht hat und begründete „Seelenqualen“ angesichts der Ignoranz vieler Kollegen beim Thema Hirntod leidet, ist der Inhalt des Ritzschen Leserbriefes selbst, der angesichts seiner abstrusen Behauptungen nicht unkommentiert im DÄ stehen bleiben darf. So kann man es wohl nicht anders als ignorant bezeichnen, wenn hier von Dr. Ritz behauptet wird, dass beim Hirntod ein „kleiner Teil“ des Gehirns ausgefallen sei. Das Gegenteil ist der Fall: Ein in seiner Akribie kaum zu übertreffender diagnostischer Prozess – nämlich der der Hirntodfeststellung – hebt ja gerade darauf ab, die „irreversibel erloschene Gesamtfunktion des Großhirns, des Kleinhirns und des Hirnstamms“ zu belegen (Wissenschaftlicher Beirat der Bundes­ärzte­kammer: Richtlinien zur Feststellung des Hirntodes, DÄ, Heft 30/1998).
Von gleicher Absurdität ist die von Dr. Ritz aufgestellte Behauptung, dass sich Hirntote „bewegen“, dass sie „essen und trinken“ würden und „auf Schmerzen reagieren“ würden. Dies alles sind – wie man ja im DÄ nachlesen kann – von vornherein definitive Ausschlusskriterien des Hirntodes. Die Zuschrift des Kollegen Ritz zeigt allerdings erneut: Nicht das Hirntod-Konzept ist das Problem, sondern die teilweise bizarre Vermischung seiner inhaltlichen Kriterien mit Phänomenen anderer Hirnschädigungen wie beispielsweise dem „apallischen Syndrom“ oder dem „Locked-in-Syndrom“.

Literatur beim Verfasser

Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Frank Erbguth, Klinik für Neurologie, Klinikum Nürnberg, Breslauer Straße 201, 90471 Nürnberg
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