ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Antiemetische Behandlung bei zytostatischer Chemotherapie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Antiemetische Behandlung bei zytostatischer Chemotherapie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2893 / B-2461 / C-2305

Späth-Schwalbe, Ernst

zu dem Beitrag von Priv.-Doz. Dr. med. Ernst Späth-Schwalbe Dipl.-Chem. Dr. med. Rolf Kaiser Prof. Dr. med. Kurt Possinger in Heft 14/2001
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LNSLNS Ich danke Frau Junker für die sorgfältige Durchsicht unserer Arbeit und die kritischen Kommentare, die mir die Möglichkeit geben, einige Punkte zu diskutieren.
In unserer Tabelle zum emetogenen Potenzial von verschiedenen Zytostatika muss es für die Stufe 3 in der Tat 5-Fluorouracil (> 1 000 mg/m2) heißen. Eine Unterscheidung des emetogenen Potenzials von Ifosfamid in weniger und mehr 1 000 mg/m2 halte ich nicht für sinnvoll, da die übliche Dosierung von Ifosfamid bei 1 000 mg/m2 und darüber liegt. Aus dem gleichen Grund halte ich es auch nicht für sinnvoll, eine Dosierung von weniger als 45 mg/m2 für Oxaliplatin gesondert aufzuführen. Für die neueren Zytostatika ist eine exakte Angabe ihrer emetogenen Potenz für verschiedene Dosierungen ohnehin schwierig, da sie mit einer antiemetischen Prophylaxe getestet wurden und so ihr tatsächliches emetogenes Potenzial nur orientierend angegeben werden kann. Entgegen einzelnen anderslautenden Publikationen scheint auch bei Oxaliplatin das Problem von verzögertem Erbrechen bei einem erheblichen Anteil (bis zu 30 Prozent) der Patienten aufzutreten (4). Dies trifft zumindest dann zu, wenn die gängigen Empfehlungen nicht befolgt werden und kein Corticosteroid zum 5-HT3-Rezeptorantagonisten gegeben wird.
In der zitierten Arbeit von Junker et al. (3) wurde, abhängig vom patientenbezogenen Risiko einer Emesis bei geringem (das heißt 10- bis 30-prozentigem) emetogenen Potenzial des verwendeten Zytostatikums, „keine Prophylaxe“ beziehungsweise „Metoclopramid oral“ empfohlen (nur bei Versagen eine intensivere Prophylaxe). Deshalb stimmt der Einwand von Frau Junker nicht. Ich greife trotzdem noch einmal den Hinweis von Frau Junker dankbar auf, dass Dexamethason, ebenso wie in Kombination mit 5-HT3-Rezeptorantagonisten, auch die Wirksamkeit von Metoclopramid verstärkt. Auf diese Kombination haben auch wir im Abschnitt über Prophylaxe bei verzögertem Auftreten von Übelkeit und Erbrechen hingewiesen. Ich halte die richtlinienartige Einarbeitung von patientenbezogenen Risikofaktoren in einen Gesamtvorschlag für die antiemetische Therapie für sehr problematisch, da es bisher keine evidenzbasierten Daten gibt. Patientenbezogene Risikofaktoren wurden in der von Junker et al. (3) vorgeschlagenen Weise auch nicht in die evidenzbasierten ASCO-Empfehlungen und die Publikation der Perugia Konsensuskonferenz zur antiemetischen Behandlung aufgenommen (1, 2).
Unsere Arbeit war aus Platzgründen nur der „antiemetischen Behandlung bei zytostatischer Chemotherapie“ gewidmet. Dass die (prophylaktische) Behandlung von Übelkeit und Erbrechen im Rahmen der Strahlentherapie die gleiche Beachtung verdient, ist selbstverständlich und bedarf hier keines weiteren Kommentars.


Literatur
1. Antiemetic Subcommittee of the Multinational Association of Supportive Care in Cancer: Prevention of chemotherapy- and radiotherapy-induced emesis: Results of the Perugia Consensus Conference. Ann Oncol 1998; 9: 811–819.
2. Gralla RJ, Osoba D, Kris MG, Kirkbridge P, Hesketh PJ, Chinnery LW, Clark-Snow R, Gill DP, Groshen S, Grunberg S, Koeller JM, Morrow GR, Perez EA, Silber JH, Pfister DG for the American Society of Clinical Oncology: Recommendations for the use of antiemetics: evidence-based, clinical practise guidelines. J Clin Oncol 1999; 17: 2971– 2994.
3. Junker A, Feyerabend T, Wiedemann GJ, Illiger HJ: Zytostatika- oder Strahlentherapie-induzierte Übelkeit und Erbrechen. Onkologe 2000; 6: 244–253.
4. Valgus JM, Lindley C, Harvey R, Poole ME, Shord SS, Bernard SA: Incidence and duration of oxaliplatin-induced nausea and vomiting. Proc Am Soc Clin Oncol 2001; 20: 407a.

Priv.-Doz. Dr. med. Ernst Späth-Schwalbe
2. Abteilung für Innere Medizin mit Schwerpunkt
Hämatologie/Onkologie und Gastroenterologie
Krankenhaus Spandau, 13578 Berlin

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