ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Verletzungen und Beschwerden im Laufsport: Chronische Traumen

MEDIZIN: Diskussion

Verletzungen und Beschwerden im Laufsport: Chronische Traumen

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2894 / B-2473 / C-2298

Vahlensieck, Martin

zu dem Beitrag Prävention und Therapie von Priv.-Doz. Dr. med. Frank Mayer Dr. rer. soc. Stefan Grau Heiner Baur Anja Hirschmüller Priv.-Doz. Dr. med. Thomas Horstmann Prof. Dr. phil. Albert Gollhofer Prof. Dr. med. Hans-Hermann Dickhuth in Heft 19/2001
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LNSLNS Bei den durch Überlastung des gesunden statischen und mobilen Bewegungsapparates entstehenden Schäden kann von chronischen Verletzungen gesprochen werden. Alternativ böte sich heute summarisch der Begriff Überlastungsschäden an. Eine weitere begriffliche Abgrenzung ist heutzutage zwischen Stressfraktur und Stressreaktion des Knochens notwendig, wobei die Stressreaktion (ohne signalfreie bis signalarme Linie innerhalb des Knochenmarködems im MRT) die röntgenologisch nicht sichtbare, MR-tomographisch leicht zu erkennende Vorstufe der Stressfraktur (mit signalfreier bis signalarmer Linie) ist.
Zu den therapeutischen Erwägungen bleibt zu fragen, warum man einem Hobbysportler, der den Sport etwa zur Gewichtsreduktion betreibt, nicht zu einer andersartigen (anders belastenden) Sportart raten sollte. Dies wäre meines Erachtens die einfachste Therapie. Bei Berufssportlern dagegen scheinen alle Register der Sportmedizin wie spezialisiertes Schuhwerk, Wechseln der Laufstrecke et cetera gerechtfertigt.
Zum Entstehungsmechanismus fällt immer wieder auf, dass Schmerzsignale des Körpers missachtet werden und das Pensum mitunter unter Schmerzen sogar gesteigert wird, weil die irrige Meinung weit verbreitet ist, dass man den Körper nur daran gewöhnen muss. In der Bevölkerung sollte die Beachtung eines Schmerzsignals beim Sportausüben geschärft werden.
Ein häufig zu beobachtendes Syndrom bei Läufern stellt die Insertionstendopathie des Pes anserinus am medialen Tibiaplateau dar. Besonders bei Laufstrecken mit Gefälle kommt es dort zu einer mechanisch entzündlichen Reizung der fächerartigen Insertion der Sehnen der M. semitendinosus, semimembranosus, sartorius und gracilis anfangs ohne, später mit begleitender entzündlicher Reizung und Schwellung des hier lokalisierten Schleimbeutels (Bursa anserina). Dieser Überlastungsschaden wird klinisch oft als Innenmeniskusschaden fehlinterpretiert, obwohl der Schmerzpunkt tiefer liegt und die Anamnese typisch ist.
Bei Läufern beobachtet man zwei unterschiedliche Stressfrakturtypen am Unterschenkel. Die longitudinal verlaufende Stressfraktur als Endzustand des erwähnten Shin-Splin-Syndroms (wohl durch Faszienzug an der Tibiavorderkante entstehend) und die horizontal verlaufenden Stressfrakturen durch axiale Überlastung der Tibia.
Der Magnetresonanztomographie (MRT) kommt der höchste Stellenwert in der Diagnostik von Überlastungsschäden zu. In der Beurteilung des Ausmaßes einer Schädigung in der differenzialdiagnostischen Abgrenzung gibt es aufgrund des hohen Weichteilkontrasts keine Alternative. Insbesondere durch die Verwendung von fettunterdrückten Sequenzen lassen sich alle im Artikel genannten Überlastungsschäden zuverlässig sichtbar machen.

Literatur beim Verfasser

Priv.-Doz. Dr. med. Martin Vahlensieck
Wesselheideweg 15, 53123 Bonn

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