ArchivDeutsches Ärzteblatt44/200197. Deutscher Bädertag: Tourismus als zweites Standbein

VARIA: Heilbäder und Kurorte

97. Deutscher Bädertag: Tourismus als zweites Standbein

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2899 / B-2463 / C-2307

Bühring, Petra

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Bad Kissingen ist nach einer Bevölkerungs-Umfrage des Emnid-Instituts der bekannteste Kurort Deutschlands. Foto: Bayerisches Staatsbad Bad Kissingen
Bad Kissingen ist nach einer Bevölkerungs-Umfrage des Emnid-Instituts der bekannteste Kurort Deutschlands. Foto: Bayerisches Staatsbad Bad Kissingen
Die Heilbäder und Kurorte bekennen sich zu Gesundheitsurlaub und Wellness-Angeboten.


Der Kurort – Oase des Gesundheitstourismus“ war das Motto des 97. Deutschen Bädertags in Bad Kissingen – schließlich wurde 2001 als das nationale „Jahr des Tourismus“ ausgerufen. „Wer heute Tourismus sagt, muss auch von Wellness sprechen“, betonte Prof. Dr. med. Manfred Steinbach, Präsident des Deutschen Heilbäderverbandes e.V. (DHV), Bonn. Jede dritte touristische Übernachtung in Deutschland erfolgt inzwischen in einem der mehr als 300 Heilbäder und Kurorte. Im Vergleich zum Jahr 1999 stieg die Zahl der Übernachtungen um fünf Prozent auf 103,8 Millionen; die Gästezahl stieg um sechs Prozent auf 16,7 Millionen. Diese positive Entwicklung soll weiter ausgebaut werden, ohne die traditionellen Kurangebote zu vernachlässigen. Gesundheitsurlaub und Wellness-Angebote müssten erkennen lassen, dass „das Fundament des Kurortes in der Kompetenz bei Prävention, Rehabilitation und Gesund­heits­förder­ung liegt“. In die Zukunft blickt der DHV optimistisch.
„Besorgt“ werde allerdings die gesundheitspolitische Diskussion verfolgt, in denen die „Wohnortnähe“ im Präventions- und Rehabilitationsbereich favorisiert wird. Um gegenzusteuern, will Steinbach „die Bedeutung wohnortferner Behandlung und den Vorteil des Milieuwechsels erneut belegen“.
Erstmals nahm mit Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe ein Präsident der Bundes­ärzte­kammer am Deutschen Bädertag teil. Er sprach sich für eine „Aufwertung von Prävention und Reha“ aus und ließ keinen Zweifel daran, dass er die Arbeit der Ärzte in Kur- und Reha-Einrichtungen „genauso ernst nehme und schätze wie die der Ärzte in Krankenhaus und Praxis“.
Den neuen Kurs der Heilbäder hin zum zweiten Standbein Tourismus begrüßte Bayerns Sozialministerin Christa Stewens: „Die Abhängigkeit von Krankenkassen und Rentenversicherung kann sich heute kein Kurort mehr leisten.“ Vorteilhaft für diesen Kurs sei die gestiegene Motivation vieler, „für die Gesundheit selbst etwas zu tun“. Nach einer Untersuchung der Forschungsgemeinschaft „Urlaub und Reisen“ seien mehr als neun Millionen Deutsche an einem Gesundheitsurlaub interessiert. Rund 15 Prozent seien bereit, Geld für ihre Gesundheit auszugeben, von den über 50-Jährigen sogar 20 Prozent. Stewens riet den Heilbädern, ein „besonderes Augenmerk“ auf die demographische Bevölkerungsentwicklung zu legen. Da die über 50-Jährigen gleichzeitig rund 48 Prozent des frei verfügbaren monatlichen Einkommens haben, sei es vorteilhaft, diese Zielgruppe mit speziellen Angeboten verstärkt anzusprechen.
Auch das Ausland stellt einen wichtigen Markt für die deutschen Heilbäder und Kurorte dar. Immerhin lag die Zahl der ausländischen Besucher im Jahr 2000, nach Angaben des DHV, bei rund 1,4 Millionen. Die Zahl der Übernachtungen stieg im Vergleich zu 1999 um neun Prozent auf 3,9 Millionen; in den Binnenkurorten sogar um 12,5 Prozent. Um noch mehr Besucher zu gewinnen, sei es wichtig, sich auch bei Klinik- und Reha-Aufenthalten auf die Bedürfnisse der ausländischen Gäste einzustellen, betonte Margarete Wolf MdB (Bündnis 90/Grüne), Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie. Dazu gehöre, Sprachenservice anzubieten, Sitten und Gebräuche anderer Kulturkreise zu berücksichtigen und mitreisende Familienmitglieder zu betreuen. Gemeinsam mit der Deutschen Zentrale für Tourismus e.V., Frankfurt/Main, unterstützt das Wirtschaftsministerium eine Marketingkampagne auf ausländischen Märkten.
Der nächste Deutsche Bädertag (April 2002) in Schönebeck-Bad Salzelemen, nahe Magdeburg, wird den Badeärzten und der Kurmedizin gewidmet sein. Petra Bühring
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