ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Südtirol: Zum Blauburgunder

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Südtirol: Zum Blauburgunder

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2900 / B-2464 / C-2308

Berg, Detlef

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LNSLNS Die Sonne hat es mit Südtirol schon immer gut gemeint, weiß Martin Foradori vom Weingut J. Hofstätter in Tramin. Sein besonderer Stolz sind die Weinberge, die an den Hängen von Mazzon gelegen sind und zum Ansitz Bar-thenau gehören. Der größte Teil der 22 Hektar großen Rebfläche ist mit Blauburgunder bestockt. „Für Italien ist Mazzon die beste Lage für diese Rebsorte“, erklärt Foradori. In der Tat zählen seine Pinot nero „S. Urbano“ immer wieder zu den besten Blauburgundern. Nach dem 90er, 91er und 93er errang jetzt auch der Sant Nero 95 das begehrte Gläsertrio des Gambero Rosso.
Dabei gilt die Blauburgunderrebe als schwierigste aller Sorten, und zwar sowohl im Anbau als auch in der Verarbeitung. Dicke Trauben mit dünnen Schalen hängen dieses Jahr am Rebstock und versprechen einen weiteren ausgezeichneten Jahrgang. Rund 40 Prozent der Trauben hat man der Qualität zuliebe herausgeschnitten. Die zum Teil bis zu 70 Jahre alten Rebstöcke gedeihen zumeist auf den typischen Südtiroler Pergel-Anlagen. Bei Neuanpflanzungen ist man auf die Drahtrahmenerziehung, auch Guyot-System genannt, übergegangen. Dadurch können mehr Rebstöcke pro Hektar gepflanzt werden. Dies ermöglicht eine größere Reduzierung der Produktionsmenge pro Rebstock und führt zur weiteren Qualitätsverbesserung.
Im Keller lagern die Weine zunächst 12 Monate im kleinen Eichenfass und in einer zweiten Phase nach der Assemblage nochmals ein Jahr im großen Eichenfass. Nach einer zwölfmonatigen Lagerung in der Flasche in den Kellern des Ansitzes Barthenau liegt es in der Hand des Käufers, ob er dem bereits genügend ausgeglichenen Wein weitere Jahre zur Ausreifung schenkt. Foradori geht es nicht vordergründig um den Holzgeschmack. Im Gegenteil, man müsse sehr genau auf den Zusammenklang der Vanilletöne mit den Holzaromen achten. Um die bestmögliche Entfaltung der Aromen zu erreichen, hat er eigens in Georg Riedels Glashütte einen Burgunderkelch entwickeln lassen – in limitierter Auflage und für besondere Verkostungen.
Auch die Erste & Neue Kellereigenossenschaft in Kaltern verfügt über einige Hektar Rebfläche in Mazzon, erzählt Thomas Augschöll von der Handelskammer Bozen. Die geeigneten Lagen für den Blauburgunder sind begrenzt, fügt Kellermeister Walter Schullian von der E&N hinzu. 5 000 Flaschen können im Durchschnitt pro Jahr erzeugt werden, und die sind in der Regel bereits vor der Abfüllung reserviert. Auch die Genossenschaft baut den Blauburgunder behutsam im Barriquefass aus. Der Südtiroler Blauburgunder DOC „Mezzan“ 1997 überzeugt durch ein feines Burgunderbouquet, das harmonisch von leichten Vanilletönen abgerundet wird.
Hervorragende Blauburgunder kommen aber auch vom jungen Weinmacher Ignaz Niedrist, der erst 1991 das Weingut Rungghof in Girlan von seinem Onkel übernommen hat. Obwohl der Pinot Nero 96 einem Jahrgang entstammt, der im Gegensatz zum 97er kühl und verregnet war, zählte er nach Meinung des Gambero Rosso zu den schönsten Pinot nero. Mit der Stiftskellerei Neustift, die mit dem Marklhof am Schreckbichl bei Girlan auch außerhalb des Eisacktales über Rebflächen verfügt, gibt es einen weiteren Erzeuger, der einen eleganten Blauburgunder hervorbringt.
„Zwar hat Südtirol keine große Blauburgunder-Tradition“, sagt Thomas Augschöll. „Trotzdem haben sich einige Südtiroler Blauburgunder international profiliert und können mit ihren guten Jahrgängen bei Vergleichsverkostungen durchaus mithalten.“ Deshalb waren die ersten Südtiroler Blauburgundertage in Neumarkt mit Vergleichsverko-
stungen und fachspezifischen Rahmenprogrammen auch ein großer Erfolg, und man hat beschlossen, sie nunmehr jedes Jahr durchzuführen. Detlef Berg
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