ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Ovarialkarzinom: Therapie hierzulande nur suboptimal

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Ovarialkarzinom: Therapie hierzulande nur suboptimal

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): A-2903

Bischoff, Angelika

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LNSLNS Entscheidend für die Prognose des Ovarialkarzinoms sind das Tumorstadium bei Diagnose und der postoperative Tumorrest. Die Primärtherapie besteht in Operation und Chemotherapie. Der Mindeststandard der Operation umfasst eine Entfernung der Gebärmutter und der Adnexe beidseits sowie einer infracolischen Omentektomie. Der Eingriff erfordert einen Längsschnitt vom Brustbein zum Schambein, da es von Querschnitten aus nicht möglich ist, den Tumor optimal auszuräumen. Nach Studienergebnissen können knapp 50 Prozent der Patientinnen tumorfrei operiert werden. Nur bei 20 Prozent verbleibt ein Tumorrest von mehr als zwei Zentimetern.
Als Standard-Chemotherapie hat sich heute die Kombination Carboplatin/Paclitaxel etabliert. Sie beeinflusst das Überleben ebenso gut wie Cisplatin/Paclitaxel, ist jedoch deutlich verträglicher, hinsichtlich Emesis und Neuropathie. Carboplatin/Paclitaxel kann die Remissionsrate auf bis zu 75 Prozent erhöhen. Fast 50 Prozent aller Patientinnen und 35 Prozent derer mit fortgeschrittenem Tumor überleben fünf Jahre.
Deutschland liegt im internationalen Vergleich im Mittelfeld, was den Erfolg der Therapie des Ovarialkarzinoms betrifft. Ursache dafür könnte sein, dass zu viele Patientinnen nicht nach dem gültigen Standard therapiert werden. Dies legt die erste Zwischenanalyse einer retrospektiven Evaluation von 501 Fällen nahe, die Dr. Andreas du Bois (Wiesbaden) bei der Pressekonferenz der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) in Stuttgart erstmals vorstellte. Der operative Minimalstandard wurde von Universitätskliniken und Schwerpunktkrankenhäusern weitgehend eingehalten. Doch in Krankenhäusern der Grund- und Regelversorgung war das Risiko, dass kein Längsschnitt durchgeführt wurde, um 20 Prozent und das Risiko für eine Resektion unter Standard um 30 Prozent höher. Das Risiko, dass keine komplette Resektion erfolgte, war um mehr als das Doppelte erhöht. Gleiches galt für das Risiko, nach der Operation einen Tumorrest von mehr als zwei Zentimetern zu behalten.
Regressforderung
Noch größere Mängel wurden in der Anwendung der Standard-Chemotherapie aufgedeckt, die nur 66 Prozent der Patientinnen mit fortgeschrittenem Ovarialkarzinom erhielten. Wenngleich die Chance, in einer Uniklinik oder Schwerpunktklinik Carboplatin/Paclitaxel zu erhalten, um 40 Prozent höher lag als in einem Krankenhaus der Regelversorgung, blieb man auch dort hinter dem Optimum deutlich zurück.
Außerdem haben Patientinnen in Krankenhäusern der Grundversorgung eine geringere Chance, innerhalb einer zertifizierten Studie qualitätsgesichert behandelt zu werden. Dies ist für den therapeutischen Fortschritt überaus wichtig. Unklar ist in Deutschland auch die Rechtssituation für Studien mit zugelassenen Arzneimitteln, die der Therapieoptimierung dienen. Regressforderungen der AOK Niedersachsen an Ärzte, die Patientinnen im Rahmen solcher Studien behandelt haben, lösten eine Diskussion aus, die bald zum Wohle des Patienten beendet werden sollte. Dr. med. Angelika Bischoff
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