ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1996Fertilität nach Chemotherapie: Schädigung der Ovarien kann minimiert werden

POLITIK: Medizinreport

Fertilität nach Chemotherapie: Schädigung der Ovarien kann minimiert werden

Leinmüller, Renate

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LNSLNSLNSLNS Mit weitreichenden Konsequenzen für junge Krebspatientinnen ist zu rechnen, wenn sich die vorläufigen Ergebnisse einer prospektiven Studie bestätigen lassen: Durch die vorübergehende Stillegung der Ovarialfunktion während der Chemotherapie resultierte bei Lymphom-Patientinnen eine erheblich geringere Schädigung der Gonaden – unter dem Schutz von GnRH-Analoga entwickelten nur zwölf anstelle von 60 Prozent der Patientinnen in der Kontrollgruppe eine vorzeitige Menopause.


Suppression mit Decapeptyl-Depot
Eine aggressive Chemotherapie mit alkylierenden Substanzen wirkt sich bei jungen Frauen negativ auf die Fruchtbarkeit aus. Dr. Zeev Blumenfeld aus Haifa hat deshalb versucht, die Ovarien von LymphomPatientinnen (überwiegend Hodgkin-Lymphome) im Alter von 16 bis 39 Jahren reversibel in den präpubertären Status zu versetzen, also "stillzulegen". Zur Suppression der Hypophysen-Gonaden-Achse wurde DecapeptylDepot eingesetzt, was innerhalb von einer bis zwei Wochen die Ovarialfunktion "lahmlegt". Erst dann wurde die Chemotherapie (MOPP/ABV) gestartet und zum Teil zusätzlich eine Radiatio vorgenommen.
Während die 16 Frauen der Studiengruppe vor Beginn und während der Chemotherapie unter "GnRH-Schutz" standen, blieb die Kontrollgruppe – 18 Patientinnen mit ovulatorischen Zyklen – ohne diesen Schutz. Bei der Nachbeobachtung zeigte sich ein signifikanter Unterschied. In der Kontrollgruppe stellte sich bei mehr als der Hälfte der Frauen ein hypogonadotroperhyperestrogener Zustand ein – eine vorzeitige Menopause. In der Studiengruppe dagegen wurden drei bis vier Monate nach beendeter Therapie bei allen bis auf zwei Patientinnen spontane ovulatorische Zyklen beobachtet. Vier Frauen haben in der Nachbeobachtungsphase spontan konzipiert, zwei Kinder sind bereits geboren, eine Gravidität dauert an, eine mußte unterbrochen werden.


Verkürzung der Wartezeit
Die Schädigung der Ovarien durch eine Chemotherapie läßt sich also vermindern – und möglicherweise erlaubt die Entwicklung der schnell wirksamen GnRH-Antagonisten eine Verkürzung der "Wartezeit" zwischen GnRH-Gabe und Chemotherapie. Wenn sich die vorläufigen Ergebnisse bei einer größeren Zahl von Patientinnen bestätigen, dann könnte der GnRH-Schutz generell vor der Chemotherapie von Malignomen einen festen Platz gewinnen – aber auch bei der Behandlung von nichtmalignen Erkrankungen, die gonadotoxische Substanzen involviert, wie systemischer Lupus erythematodes oder andere Autoimmunerkrankungen. Dr. Renate Leinmüller

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