ArchivDeutsches Ärzteblatt44/2001Bayer und Telekom: Nur Geduld . . .

VARIA: Schlusspunkt

Bayer und Telekom: Nur Geduld . . .

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): [80]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Was ist bloß mit Bayer los?“ Das fragen sich viele Börsianer in diesen Tagen verwundert. Während die meisten im DAX vertretenen Aktien einen einigermaßen goldenen Oktober erlebten, blieb der Kurs des Leverkusener Chemie- und Pharma-Konzerns auf einem Niveau um 35 bis 36 Euro hängen.
Dabei hatte so mancher Experte fast sein letztes Hemd verwettet und den Ausbruch der Aktie nach oben vorhergesehen, weil Bayer als einziges Unternehmen weltweit über ein wirksames Anthrax-Me-
dikament verfügte. Nachdem aber durchsickerte, dass einige Staaten, Kanada vor allem, den Patentschutz für das Bayer gehörende Milzbrand-Antibiotikum Cipro vorzeitig außer Kraft setzen wollten, war auch dieses positive Kursargument erst einmal dahin. Die Ängste, dass auch die USA dem Beispiel des Nachbarn folgen könnten, belastete den Kurs offensichtlich in größerem Ausmaße.
Nun hat aber Kanada ziemlich zurückgerudert. Der Staat musste, wohl aufgrund von massiven Schadensersatzandrohungen, doch einlenken. Der Cipro-Patentschutz des deutschen Pharma- und Chemiekonzerns Bayer bleibt nach wie vor unangetastet. Ob diese Maßnahme als Anstoß gut genug sein kann, dem Aktienkurs nachhaltig auf die Beine zu helfen, ist freilich noch nicht ausgemacht. Das aktuelle Geschäftsjahr läuft miserabel, und ob die Umsatzschwäche im kommenden Jahr ausgebügelt werden kann, ist längst nicht sicher.
Impulse könnte der Aktienkurs indes vom anstehenden Börsengang (Januar 2002) in den USA bekommen, an dem Bayer-Vorstands-
chef Manfred Schneider auch unbedingt festhalten will.
Für die Zukunft des Konzerns ist ein Listing an der New York Stock Exchange auch von großer Bedeutung, da der Bayer-Konzern in der Region ein Drittel seines Umsatzes erwirtschaftet. Auf der Minusseite ungeklärt sind allerdings noch die Belastungen aus der Rücknahme des Cholesterinsenkers Lipobay/Baycol, eines der ehemals umsatzstärksten Medikamente der Leverkusener. Alles in allem ein Grund, die Bayer-Aktie noch nicht gesundzuschreiben.
Auf der anderen Seite sehe ich bei der Deutschen Telekom deutliche Zeichen der Besserung. Sie staunen? Viele von Ihnen wissen, dass ich seit dem Börsengang ein erklärter Gegner des Aktienkurses gewesen bin, genauer, der Art und Weise, wie die Telekom-Führung die Anleger behandelte.
Fundamental scheint mir aber einiges sich zum Positiven zu wenden. Das Management des Bonner Telekommunikationskonzerns hat offensichtlich ein intensives Kostensenkungsprogramm eingeleitet und profitiert darüber hinaus von günstigeren Krediten durch niedrigere Zinsen.
Einen Kurs von 30 Euro kann ich mir inzwischen gut vorstellen. Aber wie das bei Ex-Kranken so ist, Rückschläge sind immer drin. Dann ist Geduld wieder erste Anlegerpflicht.
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