ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinGeldanlage 2/2001Frauen und Geldanlage: Planung schützt vor Überraschungen

Supplement: Geldanlage

Frauen und Geldanlage: Planung schützt vor Überraschungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): [6]

PJ

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Börsenerfahrene Frauen sind einer Studie zufolge disziplinierter bei der Geldanlage als Männer. Foto: BilderBox
Börsenerfahrene Frauen sind einer Studie zufolge disziplinierter bei der Geldanlage als Männer. Foto: BilderBox
Bis zum Mittelalter durften Frauen weder Gut noch Grundeigentum ohne Zustimmung ihres Ehegatten veräußern. Auch heute – im emanzipierten dritten Jahrtausend – wird die Frau als Geldanlegerin oft noch mit Skepsis betrachtet.

Die Frau gilt in der Mentalität vieler Europäer immer noch als „Hausmütterchen“, die die Aufgaben „Kinder, Küche, Haushalt“ zu erfüllen hat. Das Thema „Geld“ passt nicht in dieses Konzept, selbst wenn Millionen Frauen längst bewiesen haben, dass auch „Karriere plus Kind“ zu managen ist. Die Schwierigkeiten liegen nicht unbedingt nur bei den Männern, die Frauen in Hinblick auf die Geldanlage wenig zutrauen. Auch viele Frauen machen den Fehler, sich nicht oder nur wenig für die eigenen oder die Familienfinanzen zu interessieren und sich mit den gebotenen Anlagemöglichkeiten nicht auseinander zu setzen – ein Verhalten, das bei plötzlichem Ausfall des Ehemannes fatale Folgen haben kann.
Probleme sind jedoch nicht nur in Notsituationen programmiert: Auch im Fall der Scheidung wird oftmals eine bedeutende Versorgungslücke entdeckt, die kaum noch geschlossen werden kann. Entsprechend unterscheiden sich die Strategien der Vermögensbildung eines Mannes und einer Frau. So kann ein Mann davon ausgehen, dass er zumindest während weiter Teile seines Lebens im aktiven Berufsleben steht und im Anschluss daran vergleichsweise hohe – wenn auch meist nicht ausreichende – Leistungen aus der Rentenversicherung oder der betrieblichen Altersvorsorge erwarten kann. Für ihn besteht also in jungen Jahren keine Eile zu einem schnellen Vermögensaufbau, vielmehr genügt es, im Alter zwischen 35 und 45 Jahren die eigene Altersvorsorge zu sichern, zum Beispiel durch langfristige Sparpläne oder eine Kapital-Lebensversicherung. Angesichts des teilweise hohen Einkommens spielen zudem steuersparende Kapitalanlagen eine bedeutende Rolle.
Einkommenslücke durch Babypause
Wesentlich differenzierter müssen Frauen vorsorgen, wenn sie Kinderwünsche hegen: In jungen Jahren steht zwar nur wenig Geld zur Anlage zur Verfügung, dennoch lohnt sich bereits die gezielte Vorsorge. Es ist damit zu rechnen, dass durch Baby- und Familienpause wertvolle Jahre der Einkommenserziehung verloren gehen können. Gefragt sind Anlagemöglichkeiten, die sich auch für kleinere Beträge eignen, beispielsweise Investmentfondsanteile. Mit fortgeschrittenem Alter entscheidet die Lebenssituation über die Anlagemöglichkeiten: Die Rückkehr in das aktive Berufsleben ermöglicht den Aufbau eines eigenen Kapitalvermögens zur Altersvorsorge.
Aber auch nichtberufstätige Frauen sollten sich keineswegs auf das Anlagegeschick ihres Ehepartners verlassen, sondern zumindest gemeinsam planen oder sich sogar einen eigenen Vermögensstock aufbauen. Der „Herzinfarkt mit 50“ ist bei Männern heute keine Seltenheit – dann ist es für die Ehefrau vorteilhaft, wenn sie die Grundzüge der eigenen Finanzplanung beherrscht.
Bei einer Familie steht – zumindest in jungen Jahren – der Aufbau einer eigenen Existenz und die finanzielle Absicherung im Mittelpunkt der Anlagebedürfnisse. Erforderlich ist ein hinreichender Schutz für den Fall der Berufsunfähigkeit. Auch für den Fall des Todes des Hauptverdieners muss im Interesse der Kinder vorgesorgt werden. Hinzu kommt der planmäßige Aufbau eines Vermögens für die persönliche Altersvorsorge, die nicht allein auf den Ehemann abgestimmt sein sollte, sondern beide Ehepartner berücksichtigt.
Dabei stellt sich auch die Frage nach gemeinsamer oder getrennter Kasse: Insbesondere bei geringem finanziellen Spielraum wird das Zusammenlegen der Einkommen unverzichtbar sein, um einen angemessenen Lebensstandard zu erreichen. Wird diese Schwelle jedoch überschritten, kann eine finanzielle Trennung sowohl aus praktischen als auch aus rechtlichen Gründen Vorteile bringen, jeder Ehepartner kann sich so einen eigenen Vermögensstock aufbauen.
Vorsicht ist vor gegenseitigen Bürgschaften geboten: Bei einer intakten Ehe spricht zwar grundsätzlich nichts dagegen, dass ein Partner gegebenenfalls für den anderen bürgt, um zum Beispiel die Gründung einer selbstständigen Existenz zu ermöglichen. Sollte es jedoch zu einer Trennung kommen, kann die gegebene Bürgschaft für den bürgenden Part zu einem Desaster werden, unter dem er sein Leben lang zu leiden hat.
Nicht jede Frau ist jedoch dazu bereit, selbstbewusst mit Geld umzugehen. „Trainieren Sie, Geld zu lieben“, rät Carola Ferstl, Moderatorin der n-tv-Telebörse und Autorin, allen Frauen, die bisher noch von Berührungsängsten im Umgang mit Geld geplagt werden. Ihr Tipp: Ein 1 000-DM-Schein, immer in der Handtasche mitgeführt, soll das Gefühl des persönlichen Reichtums prägen. Nachteil: Die 1 000 DM bringen keine Zinsen oder gar Kursgewinne. Nur die Erträge sind es, die den finanziellen Wohlstand begründen.
Studie: Frauen setzen auf Ertrag und Sicherheit
Derart „vorbelastet“ steht einem eigenen Finanzkonzept nicht mehr viel im Weg. Denn Statistiken belegen, dass Frauen im Umgang mit Geld keineswegs ungeschickt sind: Die University of California hat in einer Studie, die sechs Jahre lief, 35 000 Depots untersucht. Aufgrund des wesentlich disziplinierteren Anlageverhaltens erreichten Frauen eine um 1,4 Prozent höhere Jahresrendite als Männer. Grund: Frauen neigen zu einem wesentlich disziplinierteren Vorgehen: Das Wertpapierdepot wird nicht gleich wegen eines neuen Autos geplündert, auch waghalsige Kreditfinanzierungen findet man bei Frauen eher selten. Entscheidender sind hingegen die Komponenten Ertrag und Sicherheit – ohne dabei auch den gewissen Pep etwa eines Aktienengagements zu vernachlässigen.
Während die Depots mancher Männer mit ihren oftmals hoch spekulativen Titeln mit einem Lottoschein vergleichbar sind, setzen börsenerfahrene Frauen in erster Linie auf bekannte Wachstumsunternehmen, die auch die interessantesten Renditen erwarten lassen. Kurzfristige Spekulationen werden indes nur dann eingegangen, wenn Gewinne programmiert erscheinen, zum Beispiel beim Zeichnen bekannter Neuemissionen. Im Übrigen informieren sich Frauen genauer und gehen erst dann ein größeres Risiko ein, wenn auch die Chancen vollständig überblickt werden können. PJ
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