Supplement: Geldanlage

Aktienanleihen: Verluste anrechenbar

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): [8]

Löwe, Armin

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LNSLNS Das Bundesfinanzministerium stuft Aktienanleihen als Finanzinstrumente ein.


Aktienanleihen sind eine attraktive Form der innovativen Geldanlage“ – so warb eine deutsche Großbank, als an der Börse noch alles im Lot war. Aktienanleihen „Top oder Flop“ fragte der Südwestfunk, als den Banken die Aktienanleihen fast aus den Händen gerissen wurden. Beide Internetseiten wird der Interessent heute vergeblich suchen. Das mag ein Hinweis darauf sein, dass allenthalben Ernüchterung über diese Finanzinnovation eingekehrt ist und dass niemand mehr an die vollmundigen Versprechen erinnert werden will.
Emittiert wurden die Aktienanleihen, als die Aktien noch hoch im Kurs standen. Eine Vielzahl der Papiere, die im Frühjahr und Sommer letzten Jahres ausgegeben wurden, werden in diesen Wochen und Monaten zur Tilgung fällig – für viele Anleger gibt es ein böses Erwachen. Sie ließen sich oft durch die exorbitant hohen Zinsen zur Zeichnung der Anleihen verführen, teilweise boten die Emittenten einen Coupon von bis zu 20 Prozent. Doch sie übersahen dabei den Pferdefuß des innovativen Konstrukts, das vor allem den Banken Vorteile bietet. Denn die Banken haben bei diesen Papieren das Wahlrecht, ob sie die Anleihe in bar oder in Aktien tilgen. Natürlich wählen sie derzeit bei den niedrigen Kursen die Tilgung über Aktien. Die Folge sind hohe Verluste für den Anleger, die auch durch den hohen Coupon nicht kompensiert werden.
Ein Beispiel: Ende September lief die von Sal. Oppenheim begebene 12-prozentige Aktienanleihe aus, die der Emittent in bar oder in Aktien der Deutschen Bank tilgen konnte. Bei der Emission am 8. September 2000 betrug der Kurs der Deutsche-Bank-Aktie 98,04 A (Basispreis). Damals entsprach der Nominalbetrag der Anleihe von 5 000 A einer Stückzahl von 51 Aktien. Nach dem Kursrückgang der Deutsche-Bank-Aktie bis auf 59,85 A war es für den Emittenten Sal. Oppenheim natürlich günstiger, die Anleihe durch die Abtretung von 51 Deutsche-Bank-Aktien im Gesamtwert von 3 052,35 A (51 × 59,85) an den Anleger zu tilgen. Der Anleger hat bei der Tilgung einen Verlust von 1 947,65 A. Dieser wird durch den Coupon von 12 Prozent von 5 000 A (600 A) nur unwesentlich vermindert. Auf diesem Verlust bleibt der Anleger sitzen. Zu allem Überfluss sollte er den Zinsertrag auch noch versteuern. Das war zumindest Rechtpraxis bis Frühjahr 2001. Dann hatte das Finanzministerium ein Einsehen. Mit einem neuen Erlass (Schreiben des BMF vom 2. März 2001, Az.: IV C 1 – S2252-56/01) bestimmte es, dass Aktienanleihen als Finanzinnovationen zu behandeln seien.
Dadurch kann der Anleger den Verlust aus seinem Engagement – das sind im Fall der Aktienanleihe auf die Deutsche Bank 3 052,35 A – mit anderen positiven Einkunftsarten verrechnen. Den Zinsertrag muss er in dem Jahr, in dem er angefallen ist, als Kapitaleinkünfte versteuern, bei der Auszahlung der Zinsen durch die Bank erfolgt ein Zinsabschlag von 30 Prozent, wenn kein Freistellungsauftrag vorliegt.
Durch die neu geschaffene Verrechnungsmöglichkeit der Verluste können Anleger den Fiskus an ihren Einbußen beteiligen. Die Neuregelung hat Vorteile in der heutigen Börsensituation. Denn die umlaufenden Aktienanleihen, die in den nächsten Wochen und Monaten auslaufen, stehen mit Verlusten von 30 und 40 Prozent zu Buche. Bis zum Laufzeitende ist kaum eine so starke Erholung zu erwarten, dass die Kurse der Aktien wieder über den Basiskurs steigen.
Haar in der Suppe?
Nun gibt es Leute, die das berühmte Haar in der Suppe auch bei diesem Erlass entdeckt haben. Weil das Finanzministerium die Aktienanleihen als Finanzinnovation eingestuft hat, sind eventuelle Kursgewinne in jedem Fall steuerpflichtig, selbst wenn die Spekulationssteuerfrist von einem Jahr eingehalten wird. Verkannt wird von den Kritikern aber, dass es aufgrund der Konstruktion dieser Aktienanleihen gar keine Kursgewinne für den Anleger geben kann. Denn wenn der Kurs der Aktien während der Laufzeit gestiegen ist, bedeutet es für den Emittenten einen Nachteil, in Aktien zu tilgen. Das heißt: Er wird die Aktienanleihe zum Nominalwert (in der Regel 5 000 A) zurückzahlen, es entsteht also kein Gewinn für den Anleger. Zu versteuern ist aber in jedem Fall der Zinsertrag.
Die Regelung gilt nicht nur für Aktienanleihen, die nach der Veröffentlichung des Erlasses ausgegeben wurden, sondern für alle Fälle, in denen noch kein bestandskräftiger Steuerbescheid vorliegt.
Armin Löwe
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