ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinGeldanlage 2/2001Darlehen: Sorgfältige Auswahl minimiert das Risiko

Supplement: Geldanlage

Darlehen: Sorgfältige Auswahl minimiert das Risiko

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): [10]

Jobst, Peter

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LNSLNS Ob privat oder betrieblich – die Auswahl der optimalen Darlehensvariante ist nicht einfach. Jeder Finanzdienstleister schwärmt für „sein“ Finanzierungsmodell, unterschiedlichste Zinskombinationen sind zu bedenken. Eine sorgfältige Prüfung der verschiedenen Möglichkeiten ist erforderlich.
Die wichtigste Frage bei der Auswahl der optimalen Finanzierung gilt dem Verwendungszweck. Wird ein Darlehen zu privaten Zwecken – etwa zur Finanzierung der selbst genutzten Immobilie – aufgenommen, können die Zinsen steuerlich nicht geltend gemacht werden. Dies bedeutet: Das Darlehen sollte schnellstmöglich zurückgezahlt werden, denn die Darlehenszinsen werden stets höher sein als die Rendite, die bei geringem Risiko für die eigene Geldanlage erzielt werden kann. Handelt es sich hingegen um ein Darlehen zu betrieblichen Zwecken – etwa für die Praxisfinanzierung oder auch die Anschaffung einer vermieteten Immobilie –, sind Varianten mit einer späten Tilgung attraktiv. Denn hier kann der Anleger die Darlehenszinsen steuerlich absetzen.
Interessant sind bei der privaten Finanzierung alle Darlehensformen, die eine vergleichsweise schnelle, den persönlichen Verhältnissen angepasste Tilgung vorsehen. Wichtigste Finanzierungsform ist dabei das Annuitätendarlehen von Bank oder Sparkasse, aber auch von einer Lebensversicherungsgesellschaft. Die monatliche oder vierteljährliche, gleich bleibende Rückzahlungsrate setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: den Zinsen und der Tilgungsrate, die anfangs meist ein bis 1,5 Prozent der Darlehenssumme pro Jahr beträgt.
Sondertilgung vereinbaren
Da die Zinsaufwendungen mit fortgeschrittener Darlehensrückführung immer niedriger werden, erhöht sich der Tilgungsanteil entsprechend. Je nach Höhe der Zinsen und der vereinbarten Annuität läuft ein Annuitätendarlehen meist zwischen 25 und 35 Jahren, wobei die Zinsen meist zwischen fünf und 15 Jahre lang festgeschrieben werden können. Sinnvoll kann auch die Vereinbarung einer Sondertilgung sein, die dem Darlehensnehmer die Möglichkeit bietet, einmalige Kapitalzahlungen, zum Beispiel aus einer Erbschaft, zur zusätzlichen Darlehensrückführung einzusetzen.
Eine schnelle Rückzahlung bietet daneben die Finanzierung über einen Bausparvertrag. Hier ist allerdings zu bedenken, dass der Investor – um in den Genuss aller Bausparvorteile zu kommen – zunächst Kapital ansparen muss, das vergleichsweise niedrig verzinst wird. Kann oder will er dies nicht, muss er eine Vorfinanzierung in Anspruch nehmen. Dabei nimmt er mehr Geld auf als eigentlich benötigt. Ein Teilbetrag wird als Ansparleistung auf einen neuen Bausparvertrag eingezahlt. Sobald dieser nach einigen Jahren zuteilungsreif wird, wird das Vorfinanzierungsdarlehen zurückgezahlt, und der Investor tilgt nur noch den Bausparvertrag. Lohnend sind solche Finanzierungen bei der derzeitigen Zinssituation allerdings kaum – selbst wenn manche Bausparkassenvertreter anderes behaupten. Ein Bankdarlehen kostet selten mehr als ein Bausparkassendarlehen, bei dem auch alle Nebenkosten – etwa die Darlehensgebühr – zu berücksichtigen sind. Bei Vergleichsrechnungen sollte man sehr genau darauf achten, dass stets nur Vergleichbares einander gegenübergestellt wird. Wird also ein Annuitätendarlehen mit einem Bauspardarlehen verglichen, muss auch die gleiche Rückzahlungsdauer angesetzt werden – sonst ist der Bausparvertrag mit seiner oftmals nur zwölfjährigen Tilgungsdauer der Annuitätenfinanzierung weit überlegen.
Genaue Prognose wichtig
Solange es sich um eine private Darlehensaufnahme handelt, ist die Finanzierung über eine Lebensversicherung kaum lohnend. Manche Versicherungsvermittler wollen ihren Kunden jedoch nachweisen, dass die Lebensversicherungspolice einen höheren Ertrag bringt, als das Darlehen kostet, sodass sich daraus ein Überschuss errechnet. Als – vermeintlicher – Versicherungszinssatz wird hierzu die Rendite genannt, die die Gesellschaft mit ihren Kapitalanlagen erzielt – die aber nichts mit der Rendite zu tun hat, die der Kunde nach Abzug aller Verwaltungskosten und der Risikoprämie erhält. Per saldo ergibt sich für den Anleger jedoch in fast allen Fällen ein Minus, für das der abgeschlossene Versicherungsschutz nur einen schwachen Trost darstellt. Vor dem Vertragsabschluss sollten sich Darlehensinteressenten daher genaue Prognoserechnungen geben lassen.
In einem einzigen Fall ist eine langsame Tilgung, verbunden mit einer separaten Ansparung, allerdings auch bei einer privaten Finanzierung interessant: Kann das Geld zu einem Zinssatz angelegt werden, der tatsächlich höher ist als die verlangten Darlehenszinsen, lohnt sich das Modell. Die Praxis zeigt jedoch, dass ein solcher Zinsgewinn nur dann erzielt werden kann, wenn dafür ein höheres Risiko eingegangen wird. Legt der Anleger sein Geld zum Beispiel in Investmentfonds an, kann er hier zwar möglicherweise eine hohe Rendite erreichen, die weit über den Kosten seines Darlehens liegen. Im Fall einer Börsenbaisse entsteht jedoch schnell eine Finanzierungslücke, die gerade angesichts der im Immobilienbereich üblichen, hohen Darlehenssumme existenzgefährdend werden kann. Zudem gilt es gerade hier, steuerliche Gesichtspunkte zu berücksichtigen. Denn schließlich sind die Darlehenszinsen steuerlich ohne Auswirkungen, hingegen müssen die Guthabenerträge möglicherweise versteuert werden.
Anders zu kalkulieren ist bei Darlehen, die für betriebliche Investitionen oder die Finanzierung einer vermieteten Immobilie aufgenommen werden. In diesem Fall können die Zinsaufwendungen – nicht jedoch die Tilgungsleistungen – bei Einhalten bestimmter Regeln steuerlich geltend gemacht werden. Legt man einen Spitzensteuersatz von 50 Prozent zugrunde, werden aus einem Darlehenszins von zum Beispiel sechs Prozent netto nur noch drei Prozent Aufwand. Dieser Zinssatz lässt sich mit anderen Kapitalanlagen oftmals erzielen, ohne dass ein wesentlich größeres Risiko eingegangen werden muss.
Sinnvoll ist es daher hier, die Darlehenstilgung möglichst weit hinauszuschieben und das Geld parallel anzusparen. Neben der Vereinbarung eines besonders niedrigen Tilgungssatzes bei einem Annuitätendarlehen kommt insbesondere das Festdarlehen in Betracht, bei dem die Tilgung erst zum vereinbarten Zeitpunkt in einer Summe aus dem vollständig angesammelten Sparkapital erfolgt. Zur Anlage eignen sich grundsätzlich alle risikoarmen Formen des Kapitalmarkts. Voraussetzung ist eine Verzinsung nach Steuern, die über den Nettokosten des Darlehens liegen. Überlegenswert ist also zum Beispiel die Koppelung mit einer Versicherungspolice. Interessant ist insbesondere die private Rentenversicherung, die mit fünf bis sieben Prozent eine höhere Rendite erwarten lässt als die mit hohen Risikoprämien belastete Kapital-Lebensversicherung. Dennoch sind auch die Erträge aus der Rentenversicherung bei Einhalten vorgegebener Regeln steuerfrei. Gerade Versicherungsgesellschaften bieten für derartige Modelle oftmals interessante Konditionen.
Vorsicht ist allerdings auch vor risikobehafteten Koppelungsmodellen geboten. Wird das Geld statt in einer Rentenversicherung mit Einmalzahlung in einer fondsgebundenen Versicherung angelegt, droht im Fall einer Börsenbaisse zum Laufzeitende ebenso eine Unterdeckung wie bei der direkten Geldanlage in Aktienfonds. Auch der Umweg über ausländische Anlagemöglichkeiten ist meist wenig attraktiv, muss hier doch auch noch das Währungsrisiko beachtet werden.
Die steuerlichen Gegebenheiten sollten auch bei der Frage nach dem einzusetzenden Eigenkapital berücksichtigt werden: Im Fall einer privaten Finanzierung ist es sinnvoll, möglichst viel Eigenkapital zu investieren, das sonst meist nur zu ungünstigeren Konditionen angelegt werden kann. Bei betrieblichen Investitionen sollte der Eigenkapitaleinsatz hingegen zurückhaltend kalkuliert werden.
Überraschungen einkalkulieren
In jedem Fall sollten Darlehensnehmer aber auch an Lösungswege denken, falls die Finanzierung nicht in der geplanten Form abgewickelt werden kann, zum Beispiel im Fall einer Scheidung. Die geringsten Verluste drohen bei einem Bauspardarlehen, das in der Regel jederzeit zurückgezahlt werden kann. Hingegen muss bei einem Annuitätendarlehen in der Regel die Zinsbindungsdauer abgewartet werden. Ein vorzeitiger Ausstieg ist meist nur nach Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung möglich, mit der das finanzierende Institut für seinen eingetretenen Schaden entschädigt wird.
Besonders teuer kann der Ausstieg im Fall von Koppelungsmodellen mit einer Lebens- oder Rentenversicherung werden: Einerseits wird auch hier die Vorfälligkeitsentschädigung anfallen, andererseits ist damit zu rechnen, dass das angesparte Guthaben durch die anfallenden Kosten insbesondere in den ersten Vertragsjahren weit unter der Summe der Einzahlungen liegt. Verluste von mehr als 100 000 DM sind bei einer 500 000-DM-Finanzierung keineswegs selten. Peter Jobst
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