ArchivDÄ-TitelSupplement: Geldanlage-MagazinGeldanlage 2/2001Parkplätze fürs Geld: Das Festgeld ist aus der Mode gekommen

Supplement: Geldanlage

Parkplätze fürs Geld: Das Festgeld ist aus der Mode gekommen

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): [12]

Jobst, Peter

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Tägliche Verfügbarkeit und dennoch hohe Zinsen – zwei Ziele, die bis vor kurzem als unvereinbar galten. Dies hat sich geändert. Banken und Sparkassen bieten eine Palette unterschiedlicher „Geldparkplätze“ an.


Jeder kennt die Situation: Ein größerer Kapitalbetrag wird fällig, jedoch besteht – zumindest kurzzeitig – kein Bedarf. Gefragt sind „Parkplätze“, um die Summen kurzzeitig, aber dennoch rentabel zwischenparken zu können. In den letzten Monaten ist in der Finanzbranche ein Kampf um kurzfristige Einlagen entbrannt, versuchen doch insbesondere kleinere Kreditinstitute, über Tagesgeldanlagen Marktanteile zu gewinnen. Der Kunde kann davon profitieren, werden ihm doch relativ hohe Zinsen für seine Geldanlage bezahlt.
Keine Flexibilität beim Festgeld
Standardanlage in diesem Bereich ist das Festgeld, angeboten von jedem Kreditinstitut ab einer Mindestanlage von 5 000 DM bis 10 000 DM. Die Laufzeit einer Festgeldanlage beträgt 30, 60 oder 90 Tage, einige Institute bieten auch längere Befristungen oder „ungerade“ Fälligkeiten – beispielsweise 45 Tage – an. Die Verzinsung richtet sich nach der Höhe des Anlagebetrags und nach der Laufzeit. Allerdings bedeutet eine lange Laufzeit nicht immer einen höheren Zins. Entscheidend ist die Lage am Kapitalmarkt und der Finanzbedarf des Instituts. Besonders zum Jahreswechsel kommt es häufig zu Schwankungen. Da die meisten Institute daran interessiert sind, zum Stichtag der Jahresbilanz einen hohen Einlagenbestand auszuweisen, bewilligen sie im November und Dezember für kurzfristige Festgelder oft einen Mehrzins, bieten für Festgeldanlagen mit sechs und mehr Monaten Laufzeit aber nur marktübliche Konditionen.
Das Festgeld ist tatsächlich „fest“ angelegt. Es kann in der Regel nicht vorzeitig gekündigt werden. Ebenso wenig sind Aufstockungen während der Laufzeit möglich. Allerdings sind dafür auch die Zinsen über die gesamte vereinbarte Laufzeit festgeschrieben – unabhängig davon, wie sich die Kapitalmarktkonditionen entwickeln. Wird über die Anlage zum Fälligkeitstermin nicht verfügt, erfolgt meist eine Verlängerung um die bisher gewählte Laufzeit. Dabei gelten die aktuellen Konditionen. Wichtig: Fälligkeitstermine sollte sich jeder Kontoinhaber vormerken, um rechtzeitig über die neuen Zinssätze verhandeln zu können.
Festgelder eignen sich dann, wenn ein Betrag zu einem bestimmten Termin benötigt wird und der Zinsertrag gesichert werden soll. Nachteilig ist die fehlende Flexibilität: Einerseits sind keine vorzeitigen Verfügungen möglich, andererseits kann die Laufzeit am Fälligkeitstermin nur um mindestens 30 Tage verlängert werden. Wird das Geld also zum Beispiel 14 Tage nach dem Fälligkeitstermin des Festgelds benötigt, muss diese Zeitspanne anders überbrückt werden.
Immer mehr Institute bieten eine weitere, attraktive Kontoanlage an: Tagesgeld- oder Geldmarktkonten. Im Gegensatz zu Festgeldanlagen kann der Anleger jederzeit ganz oder teilweise über sein Kapital verfügen oder auch Einzahlungen leisten. Bewährt hat sich diese Kontoform in Verbindung mit dem geschäftlich genutzten Girokonto: Freie Gelder – etwa aus den Zahlungen der Abrechnungsstelle – werden kurzzeitig zwischengeparkt und bringen einen attraktiven Zins. Bei Bedarf – etwa für die Gehaltszahlungen – werden sie wieder auf das Girokonto umgebucht. Da zahlreiche Institute auch eine rückwirkende Wertstellung akzeptieren, ermöglichen Tagesgeldkonten ein vollwertiges Finanzmanagement.
Auch bei Tagesgeldkonten orientiert sich die Verzinsung an den aktuellen Geldmarktsätzen; Veränderungen sind aber jederzeit möglich. In den meisten Fällen liegt die Rendite geringfügig niedriger als im Festgeldbereich; allerdings ist oftmals eine Staffelung vorgesehen. In jedem Fall lohnt sich die Frage nach der Berechnungsmethode für die Zinsen. Üblicherweise wird der gesamte Betrag mit dem hierfür geltenden Zinssatz verzinst. Einige Institute sind jedoch dazu übergegangen, stets nur den Betragsteil mit den hierfür geltenden Sätzen zu verzinsen. Negatives Beispiel ist die American Express Bank, die in der Werbung zwar „bis zu sechs Prozent Zins“ versprach, die Zinsen dann jedoch staffelte: Für die ersten 25 000 DM bekam der Kunde drei Prozent, zwischen 25 000 und 50 000 DM wurden vier Prozent vergütet, zwischen 50 000 und 200 000 DM gab es fünf Prozent und erst ab 200 001 DM wurde der Maximalzinssatz erreicht. Per saldo zahlten die Amerikaner also höchstens 5,3 Prozent für den Gesamtbetrag.
Es gibt auch positive Beispiele: Viele Kreditinstitute schreiben die Zinsen ihren Kunden ähnlich wie beim Festgeld monatlich gut. Dadurch erhöht sich der Effektivzins deutlich: Bringt eine Einlage nominal 4,25 Prozent, so werden daraus bei monatlicher Zinsgutschrift 4,32 Prozent.
Nachteilig ist bei allen nicht vor Ort ansässigen Instituten die oftmals lange Laufzeit, bis die Einlage dem Tagesgeldkonto gutgeschrieben wird. Überweist ein Anleger Geld auf ein solches Konto, können bis zur Gutschrift bis zu vier Tage vergehen. Aber auch bei einem Lastschriftauftrag dauert es oft drei Arbeitstage, bis das Geld verzinst wird. Muss das Geld ins Ausland transferiert werden, können bis zu zehn Wertstellungstage daraus werden. Hinzu kommen Transaktionskosten. Es lohnt daher selten, Tagesgeldkonten bei Fremdbanken für kurzzeitiges Zwischenparken zu wählen. Immer mehr Geldinstitute, darunter die Direktbanken, scheuen den Aufwand, der mit häufigen Umbuchungen zwischen Girokonto und Tagesgeldkonto verbunden ist, und bieten daher gleich eine angemessene Verzinsung des Girokontos. Damit wird die Verwaltung für den Kunden einfacher, muss er sein Konto doch nicht mehr laufend überwachen. Zudem wird auch der so genannte Bodensatz verzinst, der bei Umbuchungen auf Geldmarktkonten auf dem Girokonto belassen wird.
Ebenfalls in diese Kategorie fallen die Kreditkartenkonten einiger Visa- und Eurocard-Anbieter, auf denen Guthabenbeträge mit marktkonformen Zinssätzen honoriert werden. Gegenüber der unmittelbaren Verzinsung des Girokontos müssen jedoch zwei Nachteile beachtet werden: Einerseits dauert es einige Tage, bis eingezahlte Beträge auch gutgeschrieben werden. Andererseits mindert jede Zahlung mittels Kreditkarte unmittelbar den Guthabenbetrag und damit die Verzinsung. Einer der Hauptvorteile der Kreditkarte – die monatlich gesammelte Abrechnung – entfällt damit. Als Ausgleich bieten die meisten Kartenemittenten jedoch einen Gebührennachlass für Verfügungen an Geldausgabeautomaten mittels Kreditkarte: Wird das Kartenkonto auf Guthabenbasis geführt, liegt die Barauszahlungsgebühr statt bei drei bis vier Prozent nur noch bei pauschal rund fünf DM pro Transaktion und damit auf eurocheque-Karten-Niveau.
Eine weitere Möglichkeit der eher kurz- bis mittelfristigen Geldanlage stellen auch Sparkonten dar – sofern sie optimal gesteuert werden. Standard sind die Zinsen mit durchschnittlich nur 1,25 Prozent zwar extrem niedrig, mit etwas Verhandlungsgeschick lassen sich jedoch Sonderkonditionen erreichen, die bis in die Festgeld-Regionen reichen. Achten sollten Anleger hier auch auf die Kündigungsfrist: Die meisten Sparkonten sehen eine Drei-Monats-Frist vor – sonst drohen Zinsnachteile. Nur kleinere Beträge – meist bis 3 000 DM – können abgehoben werden, ohne die sonst geltende Frist einhalten zu müssen. Umgehen lässt sich diese Beschränkung durch die regelmäßige Kündigung der angesparten Beträge, wobei allerdings die genauen Verfügungszeitpunkte im Terminkalender notiert werden sollten.
Mit Geldmarktfonds bietet die Kreditwirtschaft eine weitere, wenn auch mittlerweile nur noch wenig beachtete Form der Kurzzeit-Anlage an. Es handelt sich um klassische Investmentfonds ohne Ausgabeaufschlag, die jedoch ausschließlich in Wertpapieren und Anlagen mit kurzen Restlaufzeiten investieren. Damit unterliegen sie einem nur geringen Risiko. Allerdings zeigen die Ergebnisse der vergangenen Jahre, dass der Anleger gegenüber zum Beispiel Tagesgeldkonten kaum einen Vorteil hat, hingegen einen wesentlich höheren Aufwand betreiben muss. Geldmarktfonds eignen sich damit nur für Anleger, die den „Kick“ der Kapitalmärkte suchen, sich aber auch jederzeitige Ausstiegsmöglichkeiten sichern wollen. Peter Jobst
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