Supplement: Geldanlage

Dividenden-Stripping: Das Timing zählt

Dtsch Arztebl 2001; 98(44): [14]

PJ

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LNSLNS Die Dividendenrendite spielt bei der Aktienanlage wieder eine wichtigere Rolle. Nicht wenige Papiere können bereits mit Rentenwerten konkurrieren, manche Beteiligungspapiere bringen mehr als sieben Prozent Dividendenertrag jährlich. Mit geschicktem Timing lässt sich die Rendite nochmals erhöhen.


Anleger, die ihre Aktien dauerhaft halten, können eine einfache Rechnung aufmachen: Einmal jährlich – meist am Tag nach der Haupt­ver­samm­lung – erhalten sie die Dividende auf dem Girokonto. Nach dem neuen Halbeinkünfteverfahren unterliegt nur noch die Hälfte der Zahlung dem Zinsabschlag beziehungsweise der Einkommensteuerbelastung. Werden 1 000 A ausgeschüttet, versteuert der Anleger 500 A. Bei einem Spitzensteuersatz von beispielsweise 40 Prozent errechnet sich eine Steuer von 200 A. Der Nachteil: Am Tag der Dividendenzahlung reduziert sich auch der Kurs der erworbenen Aktien in der Regel um den vollen Ausschüttungsbetrag. Kostete ein Papier vor dem Ausschüttungstermin 100 A und werden fünf A Dividende gezahlt, wird das Papier – zumindest theoretisch – am Tag nach der Dividendenzahlung bei 95 A notieren.
Damit ergeben sich interessante Gestaltungsspielräume: Besitzt ein Anleger seine Aktien bereits seit mindestens einem Jahr und verkauft er sie kurz vor dem Ausschüttungstermin, bleibt der im Kurs enthaltene Dividendenanteil steuerfrei. Auch steuerpflichtige Spekulationsgewinne fallen aufgrund der langen Behaltedauer nicht an. Kauft er die Aktien nach der Ausschüttung zu dem dann niedrigeren Kurs zurück, bleibt er weiterhin in dem Papier engagiert – allerdings beginnt auch die Spekulationsfrist von neuem.
Aber auch dann, wenn die Aktie weniger als 12 Monate gehalten wurde und sogar im Minus ist, kann sich ein Verkauf vor dem Ausschüttungstermin lohnen. Denn dann realisiert der Anleger steuerlich relevante Kursverluste, die er mit Kursgewinnen aus dem gleichen Kalenderjahr verrechnen oder auch auf andere Kalenderjahre übertragen lassen kann. Kauft er die Papiere nach dem Ausschüttungstermin zurück, hat er also einerseits die Besteuerung der Dividendenzahlung elegant vermieden, andererseits einen steuerlich beachtlichen Verlust dargestellt. Auch hier beginnt allerdings die 12-Monats-Frist von neuem.
Eine strategische Vorgehensweise lohnt sich auch in Fällen, in denen der Anleger zwar hohe – steuerpflichtige – Kursgewinne hat, jedoch nur geringe Kapitaleinkünfte aus Zinsen oder Dividenden erzielt. Kauft er eine Aktie mit hoher Dividende vor dem Ausschüttungstermin, erzielt er mit der Ausschüttung Kapitaleinkünfte, die aufgrund des noch nicht ausgeschöpften Sparerfreibetrags steuerfrei bleiben. Verkauft er die Aktien nach der Dividendenzahlung mit Kursverlust, kann er diesen Minusbetrag mit seinen Spekulationsgewinnen verrechnen. So werden aus steuerpflichtigen Kursgewinnen steuerfreie Kapitaleinkünfte.
Solche Strategien sind allerdings an mehrere Voraussetzungen geknüpft. Wichtig: Die Vermeidung beziehungsweise Erzielung der Dividende darf nicht das einzige Motiv für die Transaktion sein. Sonst besteht die Gefahr, dass die Finanzbehörden einen Gestaltungsmissbrauch erkennen. Neben steuerlichen Gründen sollten daher stets auch wirtschaftliche Gründe eine Rolle spielen. Das Geschäft „funktioniert“ zudem nur dann, wenn auch die Kursentwicklung berechenbar bleibt, die Notierung der Aktie also am Tag der Dividendenzahlung entsprechend zurückgeht. Gerade in freundlichen Phasen ist dies jedoch nicht immer der Fall, während der Kursrückgang in Baisseperioden jedoch oftmals sogar noch größer ausfällt als in der Theorie. Zu beachten sind die Spesen, die einen Teil der Dividenden- und Steuervorteile aufzehren können. PJ
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