ArchivDeutsches Ärzteblatt40/1996Umweltthema im September – Luftbelastungsindex: Komplexere Aussagen über die Luftqualität

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Umweltthema im September – Luftbelastungsindex: Komplexere Aussagen über die Luftqualität

Eckel, Heyo; Hüttemann, Ulrich; Rink, Claus

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LNSLNS Die Umweltkarte wird in diesem Monat ergänzt, indem nicht die Luftbelastung durch einen einzigen Schadstoff dargestellt wird, sondern durch mehrere. Die vorangegangene Erstellung eines "Luftgüte-Index" ermöglicht einen schnellen Überblick zur Gesamtbelastungssituation. Bei dem Luftgüte-Index handelt es sich nicht um eine bundeseinheitliche, verbindliche Regelung, sondern um eine sinnvolle Ergänzung bisheriger, auf einen Schadstoff bezogener Auswertungen. Der Grundgedanke kommt aus den angelsächsischen Ländern. Dort wurde bereits 1972 vom Maryland Department of Transport ein Index zur Bewertung der Ozonsituation herausgegeben.
1975 wurde ein "air pollution index" in New Jersey/USA entwickelt. Die Begründung hierfür ist amerikanisch einfach: Man wollte Laien einen schnell und einfach zu erfassenden Überblick über die Luftqualitätssituation geben, ohne daß sie Kenntnisse über Grenzwerte haben mußten. Dieser Index wurde 1977 durch eine "Federal Interagency Task Force on Air Quality" für die gesamte USA angepaßt und für die tägliche Arbeit freigegeben.
In diesen Index wurden die Stoffe Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Ozon und Schwebstaub zur Feststellung der aktuellen Luftqualität einbezogen. Um zu einer leicht verständlichen Interpretation der Luftqualität zu kommen, wurden verschiedene Bewertungsklassen von "gut" bis "gefährlich" gebildet, die täglich in den Medien veröffentlicht wurden. Dieser Index wurde dann in verschiedenen Staaten weiterbearbeitet und zum Beispiel den metereologischen Verhältnissen angepaßt.
Im Prinzip funktionieren aber alle diese Indizes gleich, da immer eine Beziehung zwischen dem täglichen Meßwert je Schadstoff und dem dazugehörenden Grenzwert hergestellt wird. Je näher die beiden Werte zusammenliegen, um so ungünstiger die Luftqualität. Dieses Verfahren wird bei der Indexberechnung für alle ausgewählten Luftschadstoffe gemeinsam durchgeführt. Am Ende steht ein Wert, der sich aus den Verhältnissen von tatsächlicher Luftverschmutzung und jeweiligen Grenzwerten zusammensetzt und den man qualitativ-statistisch klassifizieren kann – nach Klassen von "gut" bis "gefährlich".
Der Luftbelastungsindex (LBI) berechnet sich aus den jeweils vier höchsten Schadstoffkomponenten von fünf Luftschadstoffen: Ozon, Kohlenmonoxid, Stickstoffdioxid, Schwefeldioxid und Schwebstaub (siehe Kasten). Zu jeder Indexberechnung gehört auch eine Bewertungsskala. Diese wurde der im Kasten angeführten Literatur entnommen:
l LBI (Luftbelastungsindex) 0 – 0,4 = kaum belastet,
l LBI 0,5 – 0,9 = schwach belastet,
l LBI 1,0 – 1,4 = mäßig belastet,
l LBI 1,5 – 1,9 = deutlich belastet,
l LBI > 2 = erheblich belastet.
Zur Zeit ist eine Arbeitsgruppe der "VDI-Kommission Reinhaltung der Luft" dabei, in Absprache mit Umweltmedizinern und Ingenieuren eine Verbesserung und Vereinheitlichung eines Luftqualitätsindex zu erreichen, da es in manchen Bundesländern "Eigenentwicklungen" solcher Indizes gibt, die die direkte Vergleichbarkeit untereinander nicht zulassen.
Sicherlich geben Bewertungskriterien für einen Index immer Anlaß zur Diskussion. Eine Vielzahl von Schadstoffen zur Beurteilung der Luftqualität heranzuziehen erscheint aber sinnvoll, da man nicht mit jedem "Atemzug" einen einzelnen Schadstoff aufnimmt, sondern alle in der Luft vorhandenen. Dennoch läßt sich über das Wirkungsgefüge der einzelnen Schadstoffe im Körper vielfältig diskutieren, ebenso wie über die Bewertung der Indizes mit Hilfe von einfachen qualitativen Klassen.
Ein häufiger Kritikpunkt sollte noch genannt werden: Die Beziehungssetzung zum jeweiligen TA- Luft-Wert erscheint nicht sinnvoll, da die Technische Anleitung Luft eine rein anlagenbezogene Verordnung ist und somit kaum auf die "Hintergrundbelastung" eingehen kann.Trotz allem ist die Bewertungsskala aber eine Basis, von der aus man arbeiten kann. Diskussionen in Fachzeitungen über den veröffentlichten "Luftbelastungsindex" haben zudem die Bemühungen verstärkt, den Index zu vereinheitlichen und zu verbessern.


Prof. Dr. med. Heyo Eckel
Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann
Dr. rer. nat. Claus Rink


Rückfragen zur Karte: Georisk GmbH, Schloß Türnich, 50169 Kerpen, Tel 0 22 37/6 12 22
Rückfragen zum Text: Dr. Claus Rink, Fax 0 22 71/9 17 25, e-mail 100526.2351@compuserve.com, e-mail: Rink. UDS.enviroreport-@t-online.de

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