ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2001Biologische Waffen: Spezifische Informationen

POLITIK: Medizinreport

Biologische Waffen: Spezifische Informationen

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): A-2925 / B-2500 / C-2323

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Das Robert Koch-Institut hat auf seinen Internetseiten die Informationen zum Thema Bioterrorismus erweitert.

Mit den Rubriken „Vorgehensweise bei Verdacht auf Kontamination mit gefährlichen Erregern bei Verdacht auf bioterroristischen Anschlag“ und „Maßnahmen zum Schutz vor gefährlichen Erregern in Poststellen und beim Umgang mit Poststücken . . .“ hat das Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin auf seinen Internetseiten die Informationen zum Thema Bioterrorismus (www.rki.de) erweitert und spezifiziert.
Zum Ausschluss von Kontamination und Infektion mit Milzbranderregern sowie zur Chemoprophylaxe im Verdachtsfall einer Exposition empfiehlt die Infektionsbehörde unter anderem:
- die genaue Anamnese über mögliche Gegenstände und Kleidungsstükke, die eventuell bei einer Asservierung oder Dekontamination nicht berücksichtigt wurden, und Einschätzung des Risikos für Dritte,
- die Inspektion der Haut auf Verletzungen und Infektionen,
- eine ärztlich-klinische Untersuchung (Auskultation) auf pulmonale Symptome,
- Fieber messen,
- eventuell Nasen-Rachen-Abstrich und Untersuchung desselben auf Milzbrandbakterien oder -sporen.
Falls die Untersuchung des Nasen-Rachen-Raumes einen Nachweis von Bacillus species ergibt, muss sofort das Gesundheitsamt informiert werden. Die betroffene Person ist, so das RKI, umgehend ärztlich zu untersuchen und zu überwachen; außerdem muss eine antibiotische Prophylaxe eingeleitet werden. Sollte sich herausstellen, dass eine apathogene Bacillus species nachgewiesen wurde, kann die antibiotische Prophylaxe beendet werden.
Alle exponierten Personen mit labordiagnostischem Hinweis auf eine Exposition mit Milzbrandbakterien oder Milzbrandsporen sollten eine orale Chemoprophylaxe für einen Zeitraum von acht Wochen erhalten. Zum Beispiel:
- Ciprofloxacin 2 × 500 mg pro Tag per os oder
- Doxycyclin 2 × 100 mg pro Tag per os (Kinder ab dem 9. Lebensjahr: 5 mg pro kg KG pro Tag in zwei Dosen) oder
- Amoxicillin 3 × 1 000 mg/pro Tag per os (Kinder bis acht Jahre: 40 mg pro kg KG pro Tag auf drei Tagesdosen verteilt).
Eine exponierte Person muss informiert werden, dass sie für die Dauer der Prophylaxe selbstständig zweimal täglich Fieber misst. Bei folgenden Symptomen oder Beschwerden ist sofort ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, zum Beispiel die internistische Notaufnahme eines Krankenhauses:
- Temperatur höher als 38,0 °Celsius,
- Husten, Atemnot und sonstige Atembeschwerden,
- juckender, sich vergrößernder Hautfleck, insbesondere an den Händen.
Ärzte, die die Diagnose „Verdacht einer Milzbranderkrankung“ stellen, müssen nach den Empfehlungen des RKI sofort eine entsprechende Behandlung einleiten, die beim Verdacht auf Lungenmilzbrand die intravenöse Antibiotikatherapie und entsprechende supportive Maßnahmen einschließen.
Zusätzlich muss umgehend das zuständige Gesundheitsamt verständigt werden. Hierbei sind auch zuständige Polizeidienststellen behilflich. Für Beratungen im Notfall steht auch das Robert Koch-Institut über die ständig besetzte zentrale Rufnummer 0 30/45 47-4 oder 0 18 88/7 54-0 zur Verfügung. zyl

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