ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2001Aut-idem-Regelung: Begrenzter Sachverstand

POLITIK: Kommentar

Aut-idem-Regelung: Begrenzter Sachverstand

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): A-2926 / B-2485 / C-2328

Hopf, Günter

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LNSLNS Der neueste Entwurf eines Gesetzes zur Begrenzung der Arzneimittelkosten in der Gesetzlichen Kran­ken­ver­siche­rung ist ein Beispiel für Gesetzentwürfe, bei denen der hier gewählte Begriff „Begrenzung“ in Teilen des Entwurfes durchaus auch für den medizinischen Sachverstand derjenigen gelten kann, die diesen Text verfasst haben. Aus pharmakokinetischer Sicht kann vor einem generellen Austausch von Handelspräparaten auf der unscharfen Basis „Bioäquivalenz“ nur gewarnt werden. Die bei gesunden (!) Probanden ermittelte Bioäquivalenz gilt zum Beispiel für Präparate, bei denen eine freigesetzte Arzneistoffmenge im Blut zwischen 220 Prozent nach unten und +25 Prozent nach oben vom Originalpräparat oder Vergleichspräparat abweichen kann, zusätzlich zu einer angenommenen Irrtumswahrscheinlichkeit der Werte (in der Regel 65 Prozent).
Problem: Verordnungen für chronisch Kranke
Dies kann in Notfällen oder auch in der Therapie akuter Erkrankungen unter Kontrolle des Therapieerfolges hingenommen werden und auch im Interesse des Patienten liegen. Der Wirkstoffgehalt eines Präparates ist im Allgemeinen so bemessen, dass nicht unerhebliche individuelle Schwankungen – etwa bei der Freisetzung des Wirkstoffes – größtenteils berücksichtigt werden. Für die kostenrelevante Arzneimitteltherapie chronischer Erkrankungen, bei der ein möglichst gleichmäßiger therapeutischer Effekt gefordert werden muss, kann ein Präparatewechsel jedoch nur in Absprache mit dem Verordner durchgeführt werden.
Preisvergleichsliste: „aktuelle“ Auflage von 1992
Fern jeglicher Praxis sind geplante Regelungen für Klinikärztinnen und -ärzte, in ihren Therapieempfehlungen für die Nachbehandlung der Patienten durch Vertragsärztinnen und -ärzte zusätzliche Alternativvorschläge anzugeben („sofern gleichwertige und preiswertere Alternativen verfügbar sind“). Ärztinnen und Ärzte sollen dabei auf die Preisvergleichsliste („aktuelle“ Auflage: 1992!) zurückgreifen. Diese Ausweitung der bereits zunehmend durchgeführten sinnvollen Angabe von Wirkstoffnamen in Arztbriefen von Kliniken ist auf dieser Basis nicht durchführbar. Nur durch die zeitintensive Tätigkeit eines Panels von Sachverständigen mit sorgfältigem Abgleich der Texte und Auflistungen über mehrere Jahre hielt die letzte Ausgabe der Preisvergleichsliste den von der pharmazeutischen Industrie initiierten gerichtlichen Auseinandersetzungen stand. Eine neue Auflage erfordert einen ähnlichen Zeitrahmen, sodass dieser Gesetzesvorschlag keine aktuelle Auswirkungen auf die Arzneimittelausgaben haben kann.
Dr. med. Günter Hopf
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