ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/2001Arzneimittelinformation: Risikocheck mit dem System AMIS-ZI

Supplement: Praxis Computer

Arzneimittelinformation: Risikocheck mit dem System AMIS-ZI

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): [20]

Brenner, Gerhard; Wermter, Ursula

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LNSLNS Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Köln, bietet Vertragsärzten
mit AMIS-ZI ein umfassendes, herstellerneutrales Arzneimittelinformationssystem für die sichere und wirtschaftliche Verordnung an.
Arzneimittelinformationssysteme spielen für die Arzneimittelsicherheit eine bedeutende Rolle. Schon vor Jahren hat das ZI im Bestreben, den Arzneimittelmarkt für den niedergelassenen Arzt durchsichtiger zu machen, das Arzneimittelinformationssystem AMIS-ZI als Service für den Arzt entwickelt. Die herstellerneutralen Arzneimitteldaten geben dem niedergelassenen Arzt einen verlässlichen Überblick über nahezu den gesamten deutschen Pharmamarkt. Sie informieren unter anderem über Anwendung, Dosierung, Kontraindikationen, Neben- und Wechselwirkungen und helfen so, das Risiko von Arzneimittel-Interaktionen und schweren Nebenwirkungen zu vermeiden.
Bezieher der AMIS-ZI-Daten sind die Softwarehäuser, die diese Daten in ihre Praxisprogramme einbinden und dem niedergelassenen Arzt als voll integrierten Bestandteil der jeweiligen Software anbieten, sowie die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen). Das Arzneimittelinformationssystem des ZI ist ein dynamisches, permanent weiterentwickeltes Datensystem. Die Informationen werden durch Aufnahme neuer Dateninhalte laufend erweitert.
Inhalte
AMIS-ZI beinhaltet umfassende pharmazeutische und pharmazeutisch-ökonomische Daten zu deutschen Fertigarzneimitteln – einschließlich Phytotherapeutika und Homöopathika. Es handelt sich um Rohdatenbestände,
die in zwei Versionen angeboten werden. Die zweite Version berücksichtigt zusätzlich zu den in der ersten Version enthaltenen, „im Handel“ befindlichen Präparaten noch die „Außer Vertrieb“- und „Rückruf/Widerruf“-Präparate.
Es sind hier Daten zu circa 45 000 Fertigarzneimitteln auf Darreichungsebene mit rund 112 000 Packungsgrößen und 10 500 Inhaltsstoffen hinterlegt.
Ausführliche medizinisch-wissenschaftliche und pharmazeutisch-wirtschaftliche Informationen sind in AMIS-ZI enthalten (Kasten unten).
Recherchen
Die im Arzneimittelinformationssystem vorhandenen Daten sind alle EDV-technisch miteinander verknüpfbar. Dies ermöglicht es, über mehrere Wege nach verfügbaren Fertigarzneimittel zu suchen:
M über den Handelsnamen,
M über einen Inhaltsstoff (Wirk- oder Hilfsstoff),
M über die Indikation,
M über den ATC-Code und
M über den Hersteller.
Der Anwender kann sich, ausge-hend vom gewählten Arzneimittel oder der Arzneimittelpackung, schnell per Mausklick über Anwendung und Stoffzusammensetzung, Dosierung und Hinweise für den Verordner, Kontraindikationen und Nebenwirkungen – auch zu ausgewählten Stoffen – informieren. Durch Verzweigung in den Datenbestand, der die Informationen auf Packungsebene enthält, können sämtliche Medikamentenpackungen zu einem gewünschten Arzneimittel recherchiert und nach Auswahl einer Medikamentenpackung die pharmazeutisch-ökonomischen Daten abgerufen werden.
Für eine kostenorientierte Verordnung bietet der Datenbestand die Möglichkeit eines Preisvergleiches, insbesondere bei Festbetragspräparaten. So lässt sich zum Beispiel bei Fest-betragspräparaten der Stufe 1 (gleicher Wirkstoff) eine Liste, sortiert nach dem Apothekenverkaufspreis, erstellen, die Packungen mit dem gleichen Wirkstoff, der gleichen Wirkstärke, vergleichbarer Darreichungsform und gleicher Packungsgröße aufführt.
Den Risikocheck auf Arzneimittelwechselwirkungen ermöglichen die in AMIS-ZI enthaltenen, komplexen medizinisch-pharmakologischen Daten zu Interaktionen. Diese Daten stellen ein wichtiges Instrument bei der Abwehr von Arzneimittelrisiken und der Vermeidung von schweren Nebenwirkungen dar. Die interagierenden Stoffe sind hier in so genannten Interaktionsgruppen zusammengefasst. In rund
730 interagierenden Stoffgruppen sind etwa 19 000 Fertigarzneimittel und 1 500 interaktionsrelevante Stoffe berücksichtigt. Zu den Interaktionen sind nachfolgende Zusatzinformationen hinterlegt:
M die Einschätzung der Schwere der einzelnen Interaktion;
M Kommentare, die klinische Beobachtungen, erläuternde Beschreibungen, Angaben zu Häufigkeit und Ausmaß der Interaktion beinhalten;
M mögliche Maßnahmen, wie die Interaktion gehandhabt werden kann (zum Beispiel Kontrollparameter oder alternative Stoffe);
M der Mechanismus, der zur Interaktion führt;
M eine Beschreibung des pharmakologischen Effekts;
M Literaturangaben.
Die Daten sind geeignet, eine Interaktionsrecherche zwischen Fertigarzneimitteln und Stoffen zu realisieren, sodass auch Wechselwirkungen zwischen Fertigarzneimitteln und Nahrungs- und Genussmitteln aufgedeckt werden können. Als aktuelles Beispiel (siehe Kasten, Seite 22) wird die bestehende Wechselwirkung zwischen dem Wirkstoff „Cerivastatin“ (zum Beispiel Inhaltsstoff des inzwischen vom Markt genommenen Produktes „Lipobay“) und dem Wirkstoff „Gemfibrozil“ gezeigt, auf die im Interaktionsdatenbestand von AMIS-ZI schon immer hingewiesen wurde.
Erweiterung
Zusätzlich kann optional noch der Datenbestand der Roten Liste und ein Datenbestand zu Verband- und Hilfsmitteln (so genannter Artikelstamm Plus V) bezogen werden. Über die im AMIS-ZI-Datenbestand zum Arzneimittel hinterlegten „Rote Liste EDV-Schlüssel“ kann der Nutzer direkt in den Datenbestand der Roten Liste verzweigen und die dort hinterlegten Präparateinformationen – falls vorhanden – abrufen.
Der zusätzliche Datenbestand „Artikelstamm plus V“ enthält Artikel, die nicht der Arzneimittelpreisverordnung unterliegen, beispielsweise Verband- und Hilfsmittel, Blutzubereitungen und Impfstoffe. Berücksichtigt sind circa 110 000 Artikel.
Herkunft und Weitergabe der Daten
Die Basis der AMIS-ZI-Daten sind Datenbestände des ABDATA Pharma-Daten-Service, ein Tochterunternehmen der Werbe- und Vertriebsgesellschaft Deutscher Apotheker mbH. Das ZI hat hierüber einen Vertrag abgeschlossen, der die Weitergabe und Nutzung der Daten regelt und der unter anderem die quartalsweise Aktualisierung für den Endnutzer vorsieht.
Die vom ZI überarbeiteten Rohdaten können von Softwarehäusern, deren Software von der Prüfstelle der Kassenärztlichen Bundesvereinigung abgenommen worden ist, zur Weitergabe an den niedergelassenen Vertragsarzt bezogen werden. Auch KVen können die Daten beziehen. Der Bezug der Daten ist gebührenpflichtig: Pro Endnutzer sind an den Datenlieferanten des ZI Lizenzgebühren zu entrichten.
Voraussetzung für den Bezug der Daten ist, dass das Softwarehaus beziehungsweise die KV mit dem Zentralinstitut einen Vertrag abschließt. Dieser Vertrag regelt darüber hinaus, dass einige vom ZI vorgegebene Standards im Praxisprogramm, in das die Arzneimitteldaten des ZI eingebunden werden sollen, verwirklicht werden.
Als Minimalanforderung an ein Arzneimittelinformationssystem ist zum Beispiel definiert, dass die Suche eines Arzneimittels über den Wirkstoff, den Handelsnamen oder die Indikation möglich sein muss. Die selektierten Arzneimittel müssen nach Auswahl der Packungsgröße direkt zur Rezeptschreibung gebracht werden können und in eine Arzneimittelstatistik einfließen. Es wird eine halbjährige Testphase eingeräumt, die dazu dient, die Dateninhalte kennen zu lernen und das AMIS-ZI-Arzneimittelmodul zu programmieren. Am Ende dieser Testphase entscheidet das Softwarehaus beziehungsweise die KV, ob die Daten weiterhin genutzt werden sollen. Erst dann ist ein Nutzungsentgelt an den Datenlieferanten des Zentralinstituts zu entrichten. Das ZI selbst stellt seine eigenen Aufwendungen nicht in Rechnung. Ursula Wermter, Gerhard Brenner
Informationen: Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI), Höninger Weg 115, 50969 Köln, Telefon: 02 21/40 05-1 09, www.zi-koeln.de, zi@kbv.de
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