ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/2001BMT 2001: Fortschritte durch Biomedizintechnik

Supplement: Praxis Computer

BMT 2001: Fortschritte durch Biomedizintechnik

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): [24]

Krüger-Brand, Heike E.

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS E lektronik und Informationstechnik prägen die moderne Medizin. Fachübergreifend arbeiten Ärzte, Ingenieure und Naturwissenschaftler zusammen, um medizinische Verfahren zu verbessern.
Auf der 35. Jahrestagung der DGBMT (Deutsche Gesellschaft für Biomedizinische Technik, Frankfurt/Main) in Bochum wurde ein breites Spektrum an Neuerungen bei bildgebenden und telemedizinischen Verfahren sowie in den Bereichen Mikrosystemtechnik, Endoskopie- und Kardiotechnik vorgestellt. Vielzahl und Vielfalt der Projekte und Referate verwiesen darauf, dass die Kombination aus Medizintechnik, Biotechnologie und Informations- und Kommunikationstechnologie in der Medizin große Chancen bietet, Diagnose- und Therapieverfahren zu optimieren.
Beispiel Telemedizin
Im Rahmen eines von der Deutschen Telekom, dem Deutschen Forschungsnetz und dem Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützten Pilotprojektes der Universitäten Erlangen-Nürnberg und der Ludwig-Maximilians-Universität München wurde nachgewiesen, dass eine zuverlässige und qualitätsgesicherte Realtime-Ferndiagnostik im Bereich Endoskopie möglich ist. Damit digital übermittelte Endoskopie-Videosequenzen für eine ärztliche Befundung genutzt werden können, sind qualitativ sehr hochwertige, zeitgleiche Übertragungen von Bewegtbildern und Ton notwendig. Voraussetzung für die Übertragung der medizinischen Videoaufzeichnungen war die im Gigabit-Testbed Süd verwendete
„avetana“-Musterakte – Beispiel für eine elektronische Gesundheitsakte
„avetana“-Musterakte – Beispiel für eine elektronische Gesundheitsakte
Hochgeschwindigkeitsübertragungstechnik ATM, bei der sich durch die Reservierung fester Übertragungsbandbreiten Bildstörungen vermeiden lassen. Bei dem Teleendoskopie-Versuch entsprach die wahrgenommene Bildqualität beim Empfänger – bei einer Kompression nach MPEG 4:2:2 und einer Bandbreite von 40 Mbps – derjenigen des Senders, sodass die Live-Übertragung sämtlicher endoskopischen Untersuchungen zwischen den beteiligten Einrichtungen ohne Qualitätseinbußen möglich war (Abschlussbericht siehe http://webdoc. gwdg.de/ebook/ah/dfn/Gigabit-Sued-TP1.15.pdf).
Vorgestellt wurde auch eine elektronische Gesundheitsakte. Über die internetbasierte Lösung „avetana“ (www.avetana.
de) kann der Anwender seine medizinischen Daten sammeln, verwalten und rund um die Uhr weltweit abrufen. Das System wurde von Wissenschaftlern der Universität Karlsruhe und
dem For-
schungszentrum Karlsruhe entwickelt. Neben Informationen zur gesundheitlichen Vorgeschichte und zu aktuellen Erkrankungen lassen sich in der Akte auch Röntgenbilder, Laborbefunde oder Arztberichte aufnehmen. So können sämtliche für den Arzt wichtigen Informationen dokumentiert werden. Bei einem Notfall kann der Arzt über die avetana-Notfallkarte des Patienten Einblick in die Gesundheitsakte nehmen. Die Akte gliedert sich in die Bereiche Stammdaten, aktuelle gesundheitliche Probleme sowie die medizinische und chirurgische Geschichte. Der Anwender gibt die Daten am eigenen Computer über eine gesicherte Verbindung mit dem avetana-Server ein. Dabei werden die gleichen technischen Sicherheitsstandards wie beim Online-Banking verwendet. Die Akte lässt sich jederzeit verändern und aktualisieren. Für die Richtigkeit der Eintragungen ist der Anwender verantwortlich. Sollen Dritte Einblick in die Akte erhalten, können beschränkte und befristete Zugriffsrechte gewährt werden.
Geplant ist, in Kooperation mit anderen Medizinunternehmen innovative Diagnosegeräte an die Informationsplattform anzubinden. So könnte insbesondere für chronisch Kranke oder Risikopatienten die ärztliche Überwachung des Krankheitsverlaufs verbessert werden, um etwa im Notfall schnell entscheiden zu können. Beispiele hierfür sind die telemetrische Überwachung von Herzpatienten, die auf einen Defibrillator angewiesen sind, das Monitoring von Bluthochdruck-Patienten und die Einbindung von avetana in das deutsche Diabetes-Netz.
Ein Modell für die Televisite zur poststationären Betreuung präsentierte Dr. med. Bernhard Clasbrummel von der Teltra GmbH (Informationen: www-ibt.etec.uni-karlsruhe.de/people/
amg/Forschung/AGBolz/TELTRA/
Poster/page2.html). Das Kompetenzzentrum für telematische Traumatologie, ein gemeinsames Projekt der Universitäten Bochum und Karlsruhe, gehört zu den acht Gewinnern des BMBF-Wettbewerbs „Kompetenzzentren in der Medizintechnik“ (siehe Kasten). Ziel des Projektes ist, die stationären Liegezeiten durch telemetrische Beobachtung der Patienten erheblich zu verkürzen. Der Patient kann früher in sein vertrautes Umfeld zurückkehren und muss nur noch im Bedarfsfall zur Behandlung ins Krankenhaus oder zu seinem weiterbehandelnden Arzt. Dazu werden mobile Übertragungsgeräte konzipiert, die eine intuitive Bedienung durch den Patienten ermöglichen und über die beispielsweise Sprache, Videoaufzeichnungen und biomedizinische Daten übertragen werden können. Das Unternehmen entwickelt die erforderlichen Geräte, führt die klinische Erprobung durch und bietet über seine Servicezentrale einen Vermittlungsdienst an, der die Kommunikation zwischen Arzt und Patient zu beliebigen Zeiten sicherstellen soll.
Miniaturisierte Endoskopiekapsel im Größenvergleich mit einer Geldmünze (MZA Imaging-Kapsel der Firma Given Imaging Ltd, siehe www.givenimaging.com)
Miniaturisierte Endoskopiekapsel im Größenvergleich mit einer Geldmünze (MZA Imaging-Kapsel der Firma Given Imaging Ltd, siehe www.givenimaging.com)
Beispiel Miniendoskopie
Prof. Dr. med. Eckhart G. Hahn, Universität Erlangen-Nürnberg, verwies auf die Fortschritte in der miniaturisierten Endoskopie. Ein Beispiel hierfür sind batteriebetriebene Endoskopiekapseln, die wie eine Tablette geschluckt werden können und bei der Passage des Verdauungstraktes Bilder telemetrisch nach außen senden. Der Patient trägt dazu nur ein drahtloses Empfangsgerät an einem Gürtel um den Bauch, das die Signale der Kapsel über mehrere auf dem Oberkörper des Patienten verteilte Sensoren aufnimmt und speichert. Die Untersuchung kann während der normalen Tätigkeiten des Patienten durchgeführt und unabhängig von seinem Standort ausgewertet werden. So erhält der Arzt auch Einblicke in bislang unzugängliche Teile des Dünndarms. Bei chronischen Blutungen lässt sich auf diese Weise beispielsweise die Blutungsquelle leichter lokalisieren und gezielt behandeln.
Schonende Diagnose- und Therapiemöglichkeiten bieten darüber hinaus neue ultradünne flexible Endoskope mit einem Durchmesser von nur drei Millimetern, die zum Beispiel zur Zertrümmerung von Gallensteinen oder Steinen in der Bauchspeicheldrüse mit Laserenergie eingesetzt werden können. Heike E. Krüger-Brand

Kompetenzzentren für die Medizintechnik
> AKM – Miniaturisierte Komponenten und Systeme für
die Herz-Kreislauf- und Gewebetherapie
(www.akm-aachen.de)
> MR – Kompetenzzentrum Medizintechnik Ruhr (www.kmr-bochum.de)
> Medimplant – Kardiovaskuläre Implantate
(www.kompetenznetze.de)
> OIT – Ophthalmoinnovation
(www.ophthalmoinnovation.de)
> Motiv – Monitoring- und Interventionssysteme (www.motiv-medtech.de)
> Teltra – Traumatologie (www.teltra.de)
> HörTech – Systemtechnik des „intelligenten HiFi-Hörgerätes“ der Zukunft und Optimierung der Versorgung und Rehabilitation mit Hörgeräten (www.hoertech.de)
> MITT – Kompetenzzentrum Minimal-Invasive Medizin
(www.kompetenznetze.de)
Informationen: DLR – Projektträger des BMBF, Gesundheitsforschung, Südstraße 125, 53175 Bonn, Telefon: 02 28/38 21-2 10, Fax: 02 28/38 21-2 57
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema