ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/2001Lehr- und Lernsysteme in der Medizin - Vision 2003: Intelligent und multimedial

Supplement: Praxis Computer

Lehr- und Lernsysteme in der Medizin - Vision 2003: Intelligent und multimedial

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): [32]

Ogurol, Yildiray

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Die Entwicklung und Anwendung multimedialer Lern- und Lehrmittel für die medizinische Ausbildung stehen im Mittelpunkt des Forschungsprojektes
„Vision 2003“.
Unter Leitung der Universität Bremen beteiligen sich acht Universitäten und verschiedene Kliniken in Deutschland an dem Projekt, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung, Berlin, für drei Jahre mit 4,5 Millionen DM gefördert wird. Ziel des Verbundvorhabens ist die Entwicklung, Erprobung, Einführung und langfristige Sicherung eines internetbasierten, adaptiven, intelligenten und offenen Lehr-/Lernsystems zur Verbesserung der Lehre im Medizinstudium.
Das System soll einerseits konventionelle Lernverfahren ergänzen und unterstützen sowie deren Effizienz und Akzeptanz verbessern, andererseits neue Methoden der Wissensvermittlung erschließen. Der Einsatz neuer Medien bei der Ausbildung von Medizinstudenten ist dabei an das jeweilige Fachgebiet, an den Ausbildungsstand der Studierenden und auch an das Lehrkonzept einer Fakultät anzupassen.
Die Breite möglicher Anwendungen in der Medizin ist groß: Sie reicht von einem einfachen elektronisch verfügbaren Skript über Fallbeispiele bis hin zur komplexen Situationssimulation. Im Rahmen des Verbundvorhabens werden – ausgehend von einer detaillierten Schwachstellenanalyse bestehender Systeme und Konzepte – vor allem zwei Schwerpunkte verfolgt:
M Es soll eine offene und höchstflexible Internet-Plattform zur Bereitstellung multimedialer Lehr- und Lernsysteme („Portal“) entstehen.
M Darüber hinaus werden adaptive und intelligente Autorensysteme entwickelt und erprobt, die motivationserzeugende und -aufrechterhaltende Maßnahmen berücksichtigen sollen.
Intelligente Autorensysteme können dem Lernenden eine vielseitige Umgebung anbieten, die ihm Erklärungen gibt und auch Kritik ermöglicht. Der Vorteil intelligenter Autorensysteme, zum Beispiel beim diagnostischen und therapeutischen Problemlösen ist, dass nicht sämtliche möglichen Aktionen des Lernenden zuvor bedacht und fest verknüpfte Folgeaktionen des Systems bereitgestellt werden müssen. Ergebnisse können mit einem Wissensmodell erklärt und mit den Schlussfolgerungen der Studenten verglichen werden. In der Breite soll hierbei das gesamte Medizinstudium abgedeckt werden, in der Tiefe sollen beispielhaft die Fachgebiete Onkologie, Chirurgie (einschließlich Unfallchirurgie) und Kardiologie behandelt werden (siehe Abbildung 1).
Abbildung 1: Ganzheitliches Konzept
Abbildung 1: Ganzheitliches Konzept
Aus Sicht der Informatik sind hierbei die geforderte Flexibilität, Aktualität und Interoperabilität hervorzuheben, die eine hochflexible und zugleich offene Systemarchitektur voraussetzen.
Für den Einsatz in der Medizin muss das System unter anderem die folgenden Lehr- und Lernprozesse unterstützen:
M  Fallanalyse,
M  Prüfungsvorbereitung,
M  Vermittlung von Faktenwissen,
M  Begriffsklärung,
M  Selbststudium,
M  Ergänzung eines Kurses.
Aus Sicht der Didaktik gibt es zusätzlich zu den motivationserzeugenden Maßnahmen folgende Anforderungen an die Systemumgebung:
M  eine Lernumgebung, die sowohl online- als auch offlinetauglich ist,
M  die Integration beliebiger Medien,
M  die sukzessive Umsetzung der Lerninhalte,
M  die Standardisierung von Oberflächen im Hinblick auf eine einfache und einheitliche Navigation.
Das Konzept
Der integrierte Lösungsansatz von „Vision 2003“ sieht drei Phasen vor, wobei der Internet-Standard XML als Basis dient. Durch die Spezifikation spezieller XML-Sprachen sollen folgende Bereiche teilweise abgedeckt werden:
M  Prüfungsfragen,
M  E-Book (medizinischer Lehrstoff in Form eines Tutorials),
M  fallbasiertes Lernen: Vorgehensmodell „fallbasiertes Lernen“, XMORAL (XML-basierte Medical Oriented Application Language) und Bayesche Netze,
M  medizinische Szenarien mit Zeitkomponente,
M  abschließende Prüfungsevaluierung.
Eigenschaften
Über die durch XML gegebene Flexibilität hinaus ist das Konzept offen für Erweiterungen. Sämtliche XML-Sprachen, die im Rahmen des Projekts spezifiziert werden, lassen sich mithilfe der XML-Standards „Xlink“ beziehungsweise „Xpointer“ verlinken. So ist beispielsweise eine Verlinkung des E-Books mit den Prüfungsfragen denkbar. Das E-Book spielt in diesem Ansatz eine zentrale Rolle: Auf ihm bauen alle anderen Komponenten (Fallbearbeitung, XMoral, Bayes, Simulation) auf, indem sie Verknüpfungen zu entsprechenden Hintergrundinformationen schaffen (Abbildung 2).
Abbildung 2: E-Book als zentrale Komponente im Sinne des Wissensträgers durch eine sternförmigen Topologie
Abbildung 2: E-Book als zentrale Komponente im Sinne des Wissensträgers durch eine sternförmigen Topologie
Der medizinische Lehrstoff – repräsentiert durch das E-Book – soll auch über die Projektlaufzeit hinaus ständig durch die Lehrenden aktualisiert werden. Dies wirkt sich auf die damit verlinkten XML-Dokumente (Fallbearbeitung, Modelle, Simulation) aus und sichert dadurch die Nachhaltigkeit der im Rahmen der Projektlaufzeit entwickelten Lehr- und Lerneinheiten.
Die Struktur der XML-Dokumente beziehungsweise die Grammatik der XML-Sprachen wird mitilfe des XML-Standardschemas formuliert – damit erhalten die Sprachen eine formale Grundlage. Zur Integration der Komponenten, die als einzelne XML-Dokumente vorliegen, in eine Lerneinheit wird ebenfalls eine XML-Sprache spezifiziert, die zusammen mit den anderen XML-Dokumenten über den XML-Standard „XSLT“ in das jeweilige Zielformat transformiert werden. Als Zielformat kommen sowohl Online- (HTML/JavaScript/Java) als auch Offline-Medien (Postscript, PDF) in Frage.
So lässt sich beispielsweise ein E-Book sowohl als Online-Medium in Form von HTML als auch als Offline-Medium in Form eines PDF-Dokumentes transformieren. Hierfür werden lediglich entsprechende Stylesheet-Definitionen in der XSLT-Sprache benötigt, welche die XML-Dokumente in das Zielformat übertragen (Abbildung 3). Yildiray Ogurol
Abbildung 3: Transformation in unterschiedliche Zielformate
Abbildung 3: Transformation in unterschiedliche Zielformate
Anzeige
Kontaktadresse: Yildiray Ogurol, Universität Bremen, ZMML – Zentrum für Multimedia in der Lehre, Bibliothekstraße, 28359 Bremen, E-Mail: ogurol@zmml.uni-bremen.de

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema