ArchivDÄ-TitelSupplement: PRAXiSPraxis Computer 6/2001Das Handy als Gesundheitsmanager: Medizinische Betreuung für unterwegs

Supplement: Praxis Computer

Das Handy als Gesundheitsmanager: Medizinische Betreuung für unterwegs

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): [37]

Zimmermann, Petra

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Per WAP-Handy zur nächstgelegenen Apotheke – ein Service künftiger mobiler Gesundheitsmanagementsysteme. Siemens Business Service
Per WAP-Handy zur nächstgelegenen Apotheke – ein Service künftiger mobiler Gesundheitsmanagementsysteme. Siemens Business Service
Versicherungen, Ärzte und Krankenhäuser suchen mit Partnern aus der Industrie nach Wegen, Patienten gut zu informieren, im Notfall und bei Krankheit schnell und zuverlässig zu versorgen, ihre Behandlung zu optimieren und damit auch die Kosten zu senken. Die DKV (Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung AG),
Köln, hat mit Siemens Business Services ein Konzept für ein umfassendes mobiles Gesundheitsmanagement entwickelt.
Karl Meyer, 53, Vertriebsmanager, verlässt das Hotel, um vor seinem Kundenbesuch noch zu joggen. Sein ständiger Begleiter: ein elektronischer Pulsmesser in Verbindung mit einem Mobiltelefon. Denn Meyer ist Herzinfarkt-gefährdet. Nach zwei Kilometern piept das Handy: „Pulsschlag 175“ zeigt das Display an und die Empfehlung „langsamer laufen!“ Im Notfall hätte er mit nur einem Klick vom medizinischen Call Center Ratschläge per SMS anfordern oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst alarmieren können.
Die Überwachungsfunktion „Pulsmessung“ ist die erste Anwendung eines mobilen Gesundheitsmanagement-Systems, das Siemens Business Services (SBS) für die DKV konzipiert hat und derzeit von der Entwicklung über die Implementierung bis hin zum Betrieb umsetzt. Per Knopfdruck wird das mobile Telefon Schnittstelle zu medizinischen Diensten und Informationen.
Basis für den mobilen Gesundheitsmanager ist das seit Februar 2001 betriebene integrierte Gesundheits- und Versorgungsportal
der DKV im Internet. Ergänzend betreibt das Versicherungsunternehmen ein Call Center mit medizinischen Fachkräften zur Online-Beratung. In Notsituationen kann der Patient direkt mit seinem Arzt oder den Mitarbeitern des DKV-Gesundheitsmanagements Kontakt aufnehmen. Sein mobiles Endgerät übermittelt dabei aktuelle medizinische Daten. Über eine Notfalltaste kann der Patient selbst Hilfe anfordern. Seinen Aufenthalts-ort übermittelt das Mobiltelefon automatisch an den Rettungsdienst. Rund 30 Prozent der DKV-Versicherten haben ein Mobiltelefon und sind
an gesundheitsorientierten Diensten interessiert. Erste Rückmeldungen zeigen, dass vor allem chronisch Kranke und Sportler das mobile Angebot positiv aufnehmen.
Die Information „zur richtigen Zeit und am richtigen Ort“ bewirkt eine Optimierung der Kostenstrukturen – sowohl bei den Leistungserbringern, die weniger Verwaltungsaufwand betreiben müssen, als auch beim Versicherer. Durch bessere Vorsorge, schnelles Eingreifen und telefonische Vorabklärung lassen sich ärztliche Behandlungen und Kranken­haus­auf­enthalte verringern. Finanziert wird der mobile Service über Nutzungsgebühren: Die Anwender bezahlen eine geringe jährliche Grundgebühr. Die Beitragshöhe für einzelne Dienste richtet sich dabei nach der Komplexität des Angebots. Nach einer Umfrage wären die Nutzer bereit, sieben Euro für die einmalige Anmeldung zu bezahlen und den Service dann gebührenfrei zu nutzen.
Um das Portal auch mobil nutzbar zu machen, haben die IT-Spezialisten eine Web- und WAP-fähige Mobile Business-Systemarchitektur entwickelt. Darüber können die unterschiedlichsten Endgeräte, wie PC, Mobiltelefon, PDA (Personal Digital Assistant) oder Notebook, das Datenmaterial verarbeiten und anzeigen. Die bei der DKV eingesetzte Multi-Channel-Architektur für die Kommunikation über unterschiedliche Kanäle ermöglicht den Zugriff auf Alt-Systeme. So können Versicherte über WAP die Verfügbarkeit eines Untersuchungstermins im Krankenhaus abfragen, auch wenn dort die Informationen auf sehr alten Datenbanksystemen hinterlegt sind.
Die Schnittstelle zu mobilen Netzwerken und Endgeräten wird von Transformatoren bedient. Mit Hilfe von Templates wandeln sie ein- oder ausgehende Nachrichten in die Standardformate um: In den Templates sind die Eigenschaften verschiedener Endgeräte, wie zum Beispiel Größe des Displays, Grad der Auflösung, Ein- oder Mehrfarbigkeit sowie Speicherkapazität, definiert. Die Templates erkennen die Geräteanforderungen und lösen den Umwandlungsprozess in das passende Format aus. Der Reisende erhält beispielsweise die vom Backend gelieferte Nachricht „Am 25. 11. 2001 kein Termin mehr frei“ im WML-(Wireless Markup Language-)Format, wenn er per Handy unterwegs ist, oder im HTML-(Hyper Text Markup Language-)Format, wenn er von einem stationären PC aus über Internet angefragt hat. Herzstück dieser mobilen Systemarchitektur ist das Enterprise Portal in der Middleware. Es entscheidet darüber, auf welchen Endgeräten und Netzen welche Informationen und Services bereitgestellt werden.
Das Portal wird von SBS als Application Services Provider (ASP) betrieben; die Inhalte steuern die DKV und externe Partner bei: Die Firma Polar zum Beispiel liefert den Content für das Herzfrequenz-Monitoring, das Institut für Ernährungsberatung in Köln stellt Ernährungshinweise zur Verfügung, die Nutrion AG in München unterstützt das Diabetes-Monitoring.
Datensicherheit
Bei der Übermittlung persönlicher Informationen ist die Datensicherheit ein sensibles Thema. Dies gilt insbesondere für die Übertragung durch mobile Endgeräte. Mit WAP ist bereits eine Sicherheitsplattform gegeben: Im Portal sind Benutzernamen und Codes hinterlegt, die den Zugang regeln. Um die Daten auch während des Transfers vor fremdem Zugriff zu schützen, wer-
den die im E- und M-Commerce üb-
lichen Sicherheitsmechanismen Secure Socket Layer (SSL) beziehungsweise Wireless Transport Layer Security (WTLS) im WAP-Protokoll eingesetzt.
Das Gesamtpaket der DKV soll sowohl Patienten als auch alle am Gesundheitswesen beteiligte Akteure unterstützen. Geplant ist ein großes Netzwerk, das Versicherte, Ärzte, Krankenhäuser, Pflegedienste, Apotheken und Krankenkassen miteinander verbindet. Denkbar ist in Zukunft, dass der Arzt bei Hausbesuchen oder im Notfall von einem Notebook oder PDA aus ein elektronisches Rezept auf das Handy des Patienten sendet. Während der Verordnung wird das Rezept durch Zugriff auf die virtuelle Krankenakte automatisch auf mögliche Kreuzallergien hin überprüft. Mithilfe des „Location Finder“ seines Handys erfährt der Patient, welche nächstgelegene Apotheke das Medikament auch vorrätig hat. Bezahlt wird bei der Einlösung des Rezepts in der Apotheke ebenfalls mit dem mobilen Endgerät.
Das mobile Gesundheitsmanagement-System soll inhaltlich und technisch kontinuierlich weiterentwickelt und um neue Anwendungen ergänzt werden. Die DKV und SBS wollen deshalb eine langfristige Kooperation abschließen. Die DKV verantwortet dabei die medizinischen Inhalte und stellt das Personal für das Call Center zur Verfügung; der Kooperationspartner entwickelt Softwarelösungen und übernimmt die Betreuung der Technik.
Petra Zimmermann

Das mobile Gesundheitsportal der DKV
stellt Patienten und Ärzten Gesundheitsmanagement-Dienstleistun-gen zur Nutzung über das Internet wie auch über mobile Endgeräte
zur Verfügung. Die wichtigsten denkbaren Anwendungen:
M Die virtuelle Gesundheitsakte ermöglicht weltweit Zugriff auf wichtige Gesundheitsdaten des Patienten.
M Der Location Finder lokalisiert den Patienten und schlägt geeig-
nete Ärzte, Apotheken, Krankenhäuser oder andere Dienstleister in seiner Nähe vor.
M Die Überwachungsfunktion übernimmt das automatisierte Mes-sen, Auswerten und Weiterleiten von Pulsfrequenz, Herzströmen
oder Blutzucker und leitet Handlungsvorschläge ab.
M Über die Notfallfunktion kann auf Tastendruck schnell Hilfe angefordert werden. Sie ermittelt automatisch den nächstgelegenen, freien Rettungsdienst und übermittelt ihm den Standort des Patienten.
M Die Terminfunktion dient zur Abfrage und Buchung von Terminen bei Fachärzten und Krankenhäusern und erinnert auf Wunsch an die Medikamenteneinnahme.
M Nachschlagewerke geben Auskunft über Leistungsangebote von Ärzten, Vorsorgeprogramme und anderes.
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