ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2001Geburtshilfliche Anästhesie: Schlusswort

MEDIZIN: Diskussion

Geburtshilfliche Anästhesie: Schlusswort

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): A-2970 / B-2532 / C-2351

Bremerich, Dorothee H.

zu dem Beitrag Von den Anfängen zu den heutigen modernen Verfahren: „Ladies, this is no humbug“ von Dr. med. Dorothee H. Bremerich Prof. Dr. med. Manfred Kaufmann Prof. Dr. med. Rafael Dudziak in Heft 13/2001
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wir bedanken uns bei dem Autor für das fachliche Interesse an unserem Übersichtsartikel und nehmen die Gelegenheit zur Diskussion gern wahr.
Über welchen Mechanismus epidural applizierte, gut lipidlösliche Opioide wie Fentanyl oder Sufentanil spinale beziehungsweise supraspinale Opioidrezeptoren erreichen, ist letztlich nicht entschieden und wird kontrovers diskutiert (1, 2). Da ein epidural appliziertes Opioid vor der Bindung an Opioidrezeptoren im Bereich des Hinterhorns durch eine Reihe von Barrieren wie die Dura mater, die Arachnoidea, den Liquor cerebrospinalis, die Oberfläche des Rückenmarks, die weiße und die graue Substanz diffundieren muss, um letztlich einen analgetischen Effekt auf spinaler Ebene im Hinterhornbereich zu vermitteln, wird angenommen, dass zumindest ein Teil des Opioids über den epiduralen Venenplexus resorbiert und systemisch umverteilt wird. Für Sufentanil konnte von Miguel und Barlow (3) gezeigt werden, dass die nach epiduraler Applikation erreichten analgetischen Plasmaspiegel mit denen nach intravenöser Injektion vergleichbar waren. Ähnliche Ergebnisse liegen für Fentanyl (4) vor, sodass die systemische Resorption rückenmarknah applizierter Opioide einen wahrscheinlichen Mechanismus für die supraspinale Analgesie darstellt.
Die Durchführung einer Spinalanästhesie zur Sectio caesarea bei einer Schwangeren mit multipler Sklerose stellt eine relative, primär medicolegale Kontraindikation dar. Es liegen in der Literatur Kasuistiken vor, die schildern, dass nach Durchführung einer Spinalanästhesie bei Patienten mit multipler Sklerose erneute Krankheitsschübe auftraten (5). Als mögliche Erklärung wird eine durch den Demyelinisierungsprozess bedingte erhöhte Empfindlichkeit auf Lokalanästhetika angegeben (6). Wir sind der Meinung, dass nach ausführlicher Aufklärung der Patientin und aktuellem neurologischen Befund im Einzelfall, vor allem bei inapparentem klinischen Erscheinungsbild der multiplen Sklerose, durchaus eine Spinalanästhesie zur Sectio caesarea durchgeführt werden kann. Wir stimmen mit Herrn Heindl überein, dass die Periduralanalgesie zur schmerzarmen vaginalen Geburt und zur Sectio caesarea eine probate Alternative und ein sicheres Anästhesieverfahren darstellt; diese Diskussion ist allerdings nicht Gegenstand des Artikels.

Literatur
1. Ellis DJ, Millar WL, Reisner LS: A randomized double-blind comparison of epidural versus intravenous fentanyl infusion for analgesia after cesarean section. Anesthesiology 1990; 72: 981–986.
2. Grant RP, Dolman JF, Harper JA, White SA, Parsons DG, Evans KG, Merrick CP: Patient-controlled lumbar epidural fentanyl compared with patient-controlled intravenous fentanyl for post-thoracotomy pain. Can J Anaesth 1992; 39; 214–219.
3. Miguel R, Barlow I, Morrell M, Scharf J, Sanusi D, Fu E: A prospective, randomized, double-blind comparison of epidural and intravenous sufentanil infusions. Anesthesiology 1994; 81: 346–352.
4. Thomas H, Asskali F, Vettermann J: Zusatz von Fentanyl zur Bupivacain-Periduralanalgesie bei Sectio caesarea. Anaesthesist 1996; 45: 635–642.
5. Bamford C, Sibley W, Laguna J: Anesthesia and multiple sclerosis. Can J Neurol Sci 1978; 5: 41–44.
6. Warren TM, Datta S, Ostheimer GW: Lumbar epidural anesthesia in a patient with multiple sclerosis. Anesth Analg 1982; 61: 1022–1023.

Anschrift für die Verfasser:
Dr. med. Dorothee H. Bremerich
Klinik für Anästhesiologie,
Intensivmedizin und Schmerztherapie
Klinikum der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität
Theodor-Stern-Kai 7
60590 Frankfurt

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema