ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2001Schenkelhalsfrakturen in Deutschland: Kosten werden nicht erstattet

MEDIZIN: Diskussion

Schenkelhalsfrakturen in Deutschland: Kosten werden nicht erstattet

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): A-2972 / B-2518 / C-2353

Guhl, Christian

zu dem Beitrag Prävention, Therapie, Inzidenz und sozioökonomische Bedeutung von Dr. med. Michael Pfeifer Prof. Dr. med. Ralf Wittenberg Ralf Würtz Prof. Dr. med. Helmut W. Minne in Heft 26/2001
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LNSLNS Der Artikel macht in überzeugender Weise zwei Dinge klar: Für das Einzelschicksal eines Osteoporosepatienten ist die frühzeitige prognostische Einschätzung und die konsequente Therapie entsprechend der evidenzbasierten Medizin von entscheidender Bedeutung. Beides wäre heutzutage möglich. Ferner wäre der Gewinn für die deutsche Volkswirtschaft, der sich aus konsequent angewandter Prognostik und Prophylaxe einerseits sowie konsequenter Therapie andererseits ergeben könnte, immens.
Die kassenärztliche Realität sieht anders aus: Die meisten – allerdings immer noch viel zu wenig – Osteoporosen werden in orthopädischen Praxen diagnostiziert und behandelt. Würde ein orthopädischer Kassenarzt seine Patienten konsequent hinsichtlich Osteoporose untersuchen, würde ihn dies aber in den sicheren Bankrott führen, denn: Kassenärztlich konsequent durchführbar ist nur noch die anamnestische Zuordnung des Patienten zu Risikogruppen. Bereits das „kleine Osteolabor“ übersteigt das Laborbudget um ein Vielfaches. Die Bestimmung von „bone markern“ ist völlig illusorisch. Jährlich, wie gefordert, aber auch nur alle zwei Jahre durchgeführte Röntgenkontrollen der BWS, LWS übersteigen das Röntgenbudget ebenfalls. Die Osteodensitometrie ist als Kassenleistung faktisch gestrichen. Konsequenz: Die Früherkennung der Osteoporose ist nur durch Zufall möglich. Wer Osteoporosetherapie nach den Regeln der evidenzbasierten Medizin betreibt, übersteigt die Therapiekosten der Fachgruppe um mindestens 250 Prozent und wird – da sind wir konsequent – in jedem Quartal mit einem Regressverfahren belegt. Fazit: Zeitgemäße Diagnostik und Therapie der Osteoporose sind in Deutschland kassenärztlich nicht machbar.

Dr. med. Christian Guhl
Hauptstraße 17, 51503 Rösrath

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