ArchivDeutsches Ärzteblatt5/1996Panikattacken: Serotonin gilt als Hauptverursacher

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Panikattacken: Serotonin gilt als Hauptverursacher

Dtsch Arztebl 1996; 93(5): A-264 / B-208 / C-196

Blaeser-Kiel, Gabriele

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LNSLNS Auf der Suche nach dem biologischen Substrat, das für pathologische Angst- und Panikattacken verantwortlich ist, konzentriert sich das Interesse der Grundlagenforscher immer mehr auf das Serotonin. Eine Überaktivität in diesem Neurotransmittersystem wirkt anxiogen. Diese an Tiermodellen gewonnenen Beobachtungen werden auch durch Erkenntnisse aus Therapiestudien bestätigt, erklärte Dr. H. G. M. Westenberg (Utrecht) beim 8. Kongreß des European College of Neuropsychopharmacology in Venedig. Noch wisse man allerdings nicht, welche 5HT-Rezeptor-Subtypen involviert seien.


Erfolge mit Antidepressiva
Als Therapie der Wahl wird heute die Gabe von Antidepressiva angesehen. Dabei ist deutlich erkennbar, daß der Erfolg wesentlich von der serotonergen Potenz abhängt. Selektive Serotonin-Wiederaufnahme-Inhibitoren (SSRI) scheinen wirksamer zu sein – besonders dann, wenn nicht gleichzeitig eine Depression besteht – als Trizyklika und MAO-Hemmer, während der Einsatz von Substanzen ohne serotonerge Eigenschaften wie beispielsweise Maprotelin oder Bupropion keine Effektivität zeigt. Diese Erfahrungen werden unterstützt durch experimentelle Untersuchungen. Waren Probanden mit einem SSRI vorbehandelt, ließen sich durch die Gabe von Cholecystokinin, einem panikauslösenden Peptid, seltener Attacken provozieren als in der Kontrollgruppe.
In Venedig wurden die Ergebnisse einiger kürzlich abgeschlossener Doppelblind-Studien mit dem SSRI Paroxetin (Tagonis®, Janssen, Seroxat®, SmithKline Beecham Pharma) vorgestellt. Über zehn Wochen hatten 278 Patienten, die nach den DSM-IIIR-Kriterien an einer schweren Panikstörung litten, entweder Paroxetin in Dosen von 10 mg, 20 mg oder 40 mg täglich oder Plazebo erhalten.
Die Daten zeigten deutlich, daß die Wirksamkeit dieses SSRI dosisabhängig ist: Nur mit der Gabe von 40 mg täglich wurde ein im Vergleich zur Kontrollgruppe signifikanter Rückgang der Panikattacken beobachtet. Ebenfalls signifikante Unterschiede im Vergleich zu Plazebo gab es bei den sekundären Endpunkten wie Phobie (Marks-Sheehan Phobia Scale), generalisierte Angst (Hamilton Anxiety Scale), Depression (Montgomery-Asberg Depression Rating Scale) und allgemeine Befindlichkeit (Clinical Global Impression Scale).
In einer Studie, versus Clomipramin und Plazebo über zwölf Wochen durchgeführt, an der 367 Patienten teilgenommen hatten, wurden weitere Vorteile von Paroxetin deutlich – der rasche Wirkeintritt und die hohe Verträglichkeit.
In der dritten Woche hatte die Häufigkeit der Panikattacken signifikant stärker abgenommen als unter Clomipramin, während nach zwölf Wochen die Unterschiede nicht mehr so stark ausgeprägt waren. Ebenfalls signifikant niedriger – und vergleichbar mit Plazebo – waren die unerwünschten Wirkungen. Gabriele Blaeser-Kiel

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