ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2001Zwischen Müritz und Ostsee: Neubeginn nach der Wende

VARIA: Heilbäder und Kurorte

Zwischen Müritz und Ostsee: Neubeginn nach der Wende

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): A-2980 / B-2424 / C-2207

Gutmann-Heger, Anna-Maria

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Kontrastreiche Seen- und Waldlandschaft. Foto: Klinik am Haussee, Feldberg
Kontrastreiche Seen- und Waldlandschaft. Foto: Klinik am Haussee, Feldberg
Das älteste Seebad Deutschlands ist Heiligendamm in Mecklenburg-Vorpommern. An diese Tradition soll in der Region wieder angeknüpft werden.


Dr. Vogel, Leibarzt von Großherzog Friedrich Franz von Mecklenburg, erkannte bereits 1793 die heilende Wirkung von Luft, Sonne und Wasser und entwickelte eine Kurtherapie. Schon bald suchten Adelige und Reiche Erholung und Genesung nach seinem Rezept in dem ruhigen Ort am Meer mit den klassischen weißen Kurhäusern. Heute hat Mecklenburg-Vorpommern 50 Erholungsorte und Bäder, in denen mit ortstypischen natürlichen Heilmitteln und moderner Medizintechnik therapiert wird. Schwerpunkte sind Prävention sowie Rehabilitation, wobei Wellness – wie Kur heute verstanden wird – ebenfalls eine Rolle spielt. Nach der „Wende“ wurden die traditionsreichen, aber zum größten Teil maroden Therapiezentren saniert oder neu konzipiert. Was die meisten Investoren allerdings nicht voraussahen, waren die Folgen der Gesundheitsreform. Außerdem war zum Zeitpunkt der Fertigstellung einiger Kliniken und Einrichtungen die Belegung der Betten bereits verteilt.
Sie erkannten, dass sie nur durch besondere Leistungen unter den rund 2 000 Rehabilitations-Einrichtungen in Deutschland bestehen würden. Um Patienten aus allen Bundesländern zu gewinnen, wurde zum Beispiel ein kostenfreier Shuttle-Service (auch Liegend-Transporte) in Absprache mit den Kassen von Berlin und Hamburg eingerichtet.
Die Mecklenburgische Seenplatte ist mit fast 2 000 Seen die größte zusammenhängende Seenlandschaft Deutschlands und über Kanäle und Flüsse mit Ost- und Nordsee verbunden. Die Küste ist 354 Kilometer lang und hat 427 überwachte Badestellen. Die klaren Gewässer, deren Ursprung bis in die Eiszeit zurückgeht, beherbergen so selten gewordene Marderarten wie Fischotter. In das Naturschutzgebiet „Feldberger Seenlandschaft“ sind zwei Kliniken integriert.
Prof. Dr. med. Horst Przuntek, Direktor des Gesundheitszentrums „Klinik am Haussee“, setzt auf ganzheitliche Medizin. Das 80 Millionen teure Projekt des Christlichen Sozialwerkes versteht sich als Zentrum für Neurologie, Kardiologie und Psychosomatik und widmet sich vor allem der Rehabilitation von Patienten, die an Parkinson, multipler Sklerose und chronischen Schmerzen leiden. Die Zimmer haben Hotelcharakter und erinnern nicht an Krankenzimmer. Die Klinik besitzt gemäß § 111 SGB V die Zulassung zu allen Krankenkassen und nach § 30
GewO die Beihilfefähigkeit.
In der Luzin-Klinik, der zweiten Klinik in Feldberg, sollen Suchtkranke während einer dreimonatigen Behandlungsdauer den Weg in ein normales Leben finden. Aufgenommen werden alkohol-, medikamenten- und mehrfachabhängige Kranke ab 18 Jahren, die körperlich entgiftet sind und eine Freiwilligkeitserklärung unterschrieben haben. Träger ist die Evangelische Suchtkrankenhilfe Mecklenburg. Der Leiter Dr. med. Reinhard Woratz weist auf den Nachholbedarf in den neuen Bundesländern hin, weil erst nach der „Wende“ Suchtprobleme wahrgenommen werden durften: Nicht weit entfernt, im Ortsteil Carwitz, kann das Haus des Schriftstellers Hans Fallada besichtigt werden, der mit Schilderungen über seine Alkoholexzesse berühmt wurde. Die Müritz-Klinik in Klink ist auf Innere Medizin, Kardiologie, Urologie sowie Transplantationsvorsorge und -nachsorge spezialisiert. Chefarzt Prof. Dr. med. Rüdiger Templin, Facharzt für Urologie und Transplantationsmedizin, ist Mitbegründer der Mikrochirurgie in der damaligen DDR. Betrug die Belegung kurz nach der Eröffnung 1997 lediglich rund acht Prozent, so stieg sie in diesem Jahr auf 60 Prozent. Der Klinik inmitten von 45 Hektar Wald ist ein Gästehaus angegliedert, wo Begleitpersonen wohnen und Gesundheitsbewusste regenerieren können.
Ein Kontrast zu den stillen Orten ist das staatlich anerkannte Seeheilbad Boltenhagen. Markenzeichen des Ostseebadeorts ist die 290 Meter lange Seebrücke. Das mittlere Reizklima und die Nähe zu Ausflugszielen wie Lübeck, Grevesmühlen, Wismar, Schwerin und Hamburg sind Voraussetzungen für die Kombination von Regeneration, Wellness und Urlaub. Badeärzte, Rehabilitationskliniken, ein Kurmittelzentrum, die Ostsee-Therme und die Strandklinik bieten viele Möglichkeiten, etwas für die Gesundheit zu tun und zugleich das Flair eines seit 1803 bestehenden Badeortes zu genießen. Anna-Maria Gutmann-Heger
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