ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2001Hyperhomocysteinämie: Vitaminsubstitution wird empfohlen

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Hyperhomocysteinämie: Vitaminsubstitution wird empfohlen

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): A-2981

Deris, Ingo

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LNSLNS Erhöhte Homocysteinwerte sind als unabhängiger Risikofaktor für thrombotische und arteriosklerotische Erkrankungen identifiziert. Auch zentralnervöse Erkrankungen wie Depression und Altersdemenz stehen im Zusammenhang mit pathologisch erhöhten tHcy-Werten. Die neuen Erkenntnisse zwingen zu einem Umdenken, wie anlässlich der internationalen Konferenz „Homocystein-Metabolismus“ in Sorrent deutlich wurde.
Die Ergebnisse des „European Concerted Action Projects“, einer Fall-Kontroll-Studie in neun europäischen Ländern, in der Risikofaktoren bei 750 Patienten mit Herzinfarkt, Schlaganfall oder pAVK im Vergleich zu 800 gesunden Kontrollpersonen verglichen wurden, waren nach Prof. Ian Graham (Dublin, Irland) eindeutig: Während das Risiko bei alleiniger Cholesterinerhöhung doppelt so hoch war wie in der gesunden Kontrollgruppe, stieg es um den Faktor fünf bei zusätzlich hohen Homocysteinwerten. „Mit der Homocystein-Bestimmung ergibt sich eine neue Möglichkeit, das individuelle Risiko zu bestimmen“, so Graham.
Eine Hyperhomocysteinämie ist nach Aussage von Prof. Jacob Selhub (Boston) meist die Folge eines Mangels der B-Vitamine Folsäure, B6 und B12. Die Minderversorgung mit diesen Mikronährstoffen nimmt vor allem im fortgeschrittenen Alter zu. Dieses Defizit lässt sich jedoch beheben, wie Prof. Johan Ubbink (Pretoria, Südafrika) anhand einer kürzlich durchgeführten Studie mit 120 Probanden verdeutlichte. Diese erhielten nach einer einmaligen Methioninbelastung (100 mg Methionin kg/KG) über die Dauer von sechs Wochen eine Supplementierung mit den Vitaminen B6, B12 und Folsäure. Die effektivste Senkung der tHcy-Konzentration wurde bei der Verabreichung einer Dreier-Kombination aus Folat (2,5 mg/d), Vitamin B12 (0,5 mg/d) und Vitamin B6 (25 mg/d) auf 8,5 µmol/l erzielt.
Patienten mit hohen Homocysteinwerten brauchen eine Dauermedikation. Dabei kommt es, wie Dr. Reiner Riezler (Münster) sagte, auf die richtige Balance dieser drei Vitamine an: „Durch falsche Vitamingabe kann durchaus ein Vitaminmangel induziert werden!“ Injektionspräparate wie Medivitan® N sind nach Riezler für die Initialtherapie geeignet. Nach Auffüllen der Vitaminspeicher sollte dann jedoch die Sekundärprophylaxe eines Vitaminmangels und einer damit korrelierten Hyperhomocysteinämie mit der oralen Folsäure-, B6- und B12-Kombination – wie Medyn® – täglich fortgesetzt werden
Voraussetzung für eine Vitamin-Substitution ist nach Meinung der Experten das Kennen des Homocysteinwertes. „Bei allen Risikopatienten sollte der Homocysteinwert bestimmt werden“, sagte Prof. Uwe Till (Jena). Er ging mit seiner Forderung sogar noch einen Schritt weiter: „Alle Menschen ab dem mittleren Alter sollten ihren Wert kennen.“ Die American Heart Association hat bereits reagiert und empfiehlt, die Hyperhomocysteinämie (> 10 µmol/l) mit Folsäure bis 10 mg/d, Vitamin B6 bis 100 mg/d) zu behandeln.
Auch seitens der europäischen Atherosklerose-Gesellschaft ist Entsprechendes in Planung. Messmethoden sind nach Till in jedem größeren Labor verfügbar, wobei in der Präanalytik zu beachten sei, dass das Blut gekühlt oder innerhalb der ersten halben Stunde abzentrifugiert werden muss. Dann kann das Serum bis zur Analyse tagelang bei Zimmertemperatur aufbewahrt werden. Ingo Deris
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