ArchivDeutsches Ärzteblatt45/2001Die glückliche Ehe als „schwierige Gefangenschaft“: Was Standesbeamte rund um den Erdball Jungvermählten mit auf den Weg geben

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Die glückliche Ehe als „schwierige Gefangenschaft“: Was Standesbeamte rund um den Erdball Jungvermählten mit auf den Weg geben

Dtsch Arztebl 2001; 98(45): [68]

Goddemeier, Christof

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Zeichnung: Reinhold Löffler
Zeichnung: Reinhold Löffler
Wenn zwei Menschen heiraten, redet der Standesbeamte ein Wörtchen mit. Doch können die Ansprachen unterschiedlicher kaum sein.
Am kürzesten fasst man sich im Bezirksamt Bangkok. Hier wünscht der Beamte den Eheleuten lediglich „ein glückliches Leben bis ins hohe Alter“.
In Kasachstan legt man Wert auf die Feststellung, dass „dieser bedeutende Tag bei guten und anständigen Leuten nur einmal im Leben vorkommt“. Und zum Schluss der Zeremonie nennt der Vollzugsbeamte die „glückliche Ehe“ eine „schwierige Gefangenschaft“.
Reichlich nüchtern geht es in den Ämtern von Helsinki und Port-au-Prince zu. Lapidar werden die Paarungswilligen in Finnland belehrt, dass „der Zweck der Ehe die Gründung einer Familie zum gemeinsamen Wohl der zu ihr Gehörenden sowie zur Erhaltung der Gesellschaft ist“.
In Reykjavik hat der Amtsbüttel „die Pflicht, Ihnen einzuschärfen, wie wichtig der Bund ist, den Sie nun schließen wollen“. Und „die Behörde erlegt Ihnen . . . all die Pflichten auf, die Eheleute einander und anderen gegenüber haben, und schärft Ihnen ernstlich ein, diese Pflichten zu erfüllen“.
Vollends überzeugen müssen jeden Ehemuffel dagegen die Geleitworte in Vaduz und Honolulu. Während im Fürstentum Liechtenstein Ricarda Huch und Clemens von Brentano mit aphoristischen Sentenzen zu Wort kommen, wird auf Hawaii die Ansprache selbst zum Gedicht vom Wesen der Liebe: „Liebt einander, aber macht aus eurer Liebe keine Fessel: Lasst sie ein Meer zwischen den Küsten eurer beiden Seelen sein. (. . .) Singt und tanzt miteinander und seid froh, aber lasst einander allein sein, so wie die Saiten einer Laute allein sind und doch gemeinsam schwingend Musik erklingen lassen.“
„O süßes Lied“, möcht’ man da mit Rilke jauchzen und mag sich gar nicht vorstellen, dass zwei Menschen, die so getraut wurden, sich eines Tages wieder scheiden lassen. Dr. med. Christof Goddemeier
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