ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Arzneimittel-Sparpaket: Kuh-Handel

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Arzneimittel-Sparpaket: Kuh-Handel

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-2989 / B-2549 / C-2361

Korzilius, Heike

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LNSLNS Es lohnt sich zu feilschen. Nach den Plänen von Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­terin Ulla Schmidt sollte die pharmazeutische Industrie in den Jahren 2002 und 2003 mit einem Preisabschlag von vier Prozent bei den nicht festbetragsgebundenen Medikamenten ihren „Solidarbeitrag“ zur Konsolidierung der Finanzen der gesetzlichen Krankenkassen leisten. Für 400 Millionen DM – geboten waren zunächst 300 Millionen – haben jetzt die forschenden Arzneimittelhersteller der Bundesregierung diese ungeliebte Regelung aus dem Arzneimittelausgaben-Begrenzungsgesetz abgekauft. Wie bei jedem guten „Kuh-Handel“ dürften auch hier beide Seiten auf ihre Kosten gekommen sein. Man darf getrost davon ausgehen, dass die Industrie bei ihrem „Freikauf“ nicht draufzahlt. Und Kanzler Gerhard Schröder muss sich ein Jahr vor der Bundestagswahl nicht als Arbeitsplatzvernichter und Innovationsfeind beschimpfen lassen.
Der Handel dürfte Ansporn für die übrigen Sparpaket-Kritiker sein. Noch hält die Regierung fest an der geplanten Aut-idem-Regelung, wonach der Arzt einen Wirkstoff verordnet und der Apotheker ein entsprechendes preisgünstiges Präparat auswählt. Das muss aber nicht so bleiben. Der Deutsche Generikaverband und der Bundesverband der Pharmazeutischen Industrie sind noch nicht so weit wie die forschenden Pharmafirmen, aber auf gutem Wege: Sie warnen vor massivem Arbeitsplatzabbau und einer Gefährdung der mittelständischen Pharmabranche. Überzeugender als das Angebot eines dreiprozentigen Preisabschlages wäre es vielleicht, wenn sie die 900 Millionen DM, die sie für die zwei Jahre zu opfern gedenken, auf den Tisch des Kanzleramtes legten.
Vom Sparpaket übrig bliebe an strukturellen Maßnahmen die Anhebung des Apothekenrabatts zugunsten der Krankenkassen von fünf auf sechs Prozent. Soweit man weiß, liegt vonseiten der Apothekerschaft zurzeit noch kein Millionen-Gebot vor. Heike Korzilius
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