ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Qualitätssiegel für Krankenhäuser: Chance, sich am Markt zu positionieren

POLITIK

Qualitätssiegel für Krankenhäuser: Chance, sich am Markt zu positionieren

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3002 / B-2560 / C-2371

Flintrop, Jens

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Funktionierende Selbstverwaltung: Jörg Robbers (DKG), Jörg-Dietrich Hoppe (BÄK), Hiltrud Kastenholz (BMG) und Werner Gerdelmann (VdAK) Foto: Georg J. Lopata
Funktionierende Selbstverwaltung: Jörg Robbers (DKG), Jörg-Dietrich Hoppe (BÄK), Hiltrud Kastenholz (BMG) und Werner Gerdelmann (VdAK) Foto: Georg J. Lopata
Die Selbstverwaltung hat ein Zertifizierungsverfahren für Krankenhäuser entwickelt, das die Qualität der Leistungserbringung transparenter machen soll.


Krankenhäuser können ab dem Jahr 2002 ein von der „Kooperation für Transparenz und Qualität im Krankenhaus“ (KTQ) entwickeltes Qualitätssiegel erwerben. Ziel der KTQ-Initiatoren – das sind die Bundes­ärzte­kammer (BÄK), die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), der Deutsche Pflegerat und die Spitzenverbände der Krankenkassen – ist es, die Qualität der Leistungserbringung eines Krankenhauses transparent zu machen und dadurch auch den Patienten neue Informationsmöglichkeiten zu eröffnen. Das freiwillige Zertifizierungsverfahren wurde in 25 Krankenhäusern erprobt und durchweg positiv beurteilt. Rund hundert Krankenhäuser werden im Jahr 2002 die KTQ-Zertifizierung beantragen. Dies erwartet Thomas Beck vom Verband der Angestellten-Krankenkassen (VdAK), der die neue KTQ-Geschäftsstelle in Siegburg ab dem 1. Januar leiten soll (Informationen: www.ktq.de).
Kernelement der KTQ-Zertifizierung ist die Selbst- und Fremdbewertung des Krankenhauses anhand eines Kriterienkatalogs. Bei der Selbstbewertung schätzen die Mitarbeiter ihre eigene Leistung ein; die Fremdbewertung wird durch ein externes Expertenteam vorgenommen. Bewertet werden insbesondere die Patienten- und die Mitarbeiterorientierung, die Krankenhausführung und das berufsgruppenübergreifende Qualitätsmanagement. Nach erfolgreichem „Qualitäts-Check“ erhält das Krankenhaus ein auf drei Jahre befristetes Zertifikat und veröffentlicht einen KTQ-Qualitätsbericht. Dieser soll Patienten, einweisende Ärzte und Krankenkassen über die Leistungen des Krankenhauses, die Personalbereitstellung, die diagnostischen Möglichkeiten sowie die medizinisch-pflegerische und technische Ausstattung informieren.
Die teilnehmenden Krankenhäuser hätten die Chance, sich mit dem Leistungsspektrum am Markt zu positionieren und in einen Leistungs- und Qualitätswettbewerb zu treten, betonen die KTQ-Initiatoren. Durch die Beteiligung aller Krankenhausmitarbeiter bei der Selbstbewertung werde die Kommunikation und das Zusammenwirken aller Berufsgruppen über Abteilungsgrenzen hinweg gefördert. Neu am Ansatz der KTQ sei die Praxisorientierung. Personen, die täglich im Krankenhaus tätig sind, hätten die Inhalte erarbeitet. Damit unterscheide sich KTQ grundsätzlich von allen anderen Zertifizierungsverfahren, wie beispielsweise den ISO-Normen. Beck hofft, dass dies die Akzeptanz bei den Krankenhäusern fördert.
Die KTQ-Zertifizierung sei keine Schablone und beabsichtige keine Vereinheitlichung der Krankenhäuser, betonte Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe letzten Mittwoch vor der Presse in Berlin. Der Präsident der Bundes­ärzte­kammer prognostizierte eine Veränderung der Krankenhaus-Landschaft: Aus geplanten Strukturen entwickelten sich Strukturen, die auf Wettbewerb basierten. Jörg Robbers, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft, geht davon aus, dass die Öko­nomi­sierung des Krankenhauswesens in den nächsten Jahren weiter zunehmen wird. Bei einem intensiver werdenden Wettbewerb zwischen den Krankenhäusern werde die Qualität der Leistungen und ihre Darlegung aber immer wichtiger. KTQ liefere jedem Krankenhaus wertvolle Hinweise zur eigenen Stärken- und Schwächenanalyse und biete zugleich einen Leistungsvergleich zu anderen Krankenhäusern.
Im Mittelpunkt des KTQ-Kriterienkatalogs steht die Patientenorientierung. Nach der vor einem halben Jahr abgeschlossenen Pilotphase (siehe DÄ, Heft 33/2001) wurde der Katalog noch einmal überarbeitet und in Richtung Prozessorientierung umstrukturiert. Von der Erreichbarkeit des Krankenhauses über die Orientierung im Krankenhaus, von der Aufnahme des Patienten bis hin zu den Entlassungsmodalitäten stellen alle Beurteilungskriterien vor allem darauf ab, die Patienteninteressen zu berücksichtigen.
Nicht Inhalt des KTQ-Konzepts ist die Zertifizierung einzelner Abteilungen im Krankenhaus. Die Pilotphase habe gezeigt, dass dies nicht sinnvoll sei, weil es gerade an den Schnittstellen zwischen Abteilungen immer wieder zu Problemen komme, sagte Prof. Dr. med. Friedrich-Wilhelm Kolkmann, KTQ-Projektleiter für die Bundes­ärzte­kammer. Hoppe erwartet eine Entwicklung „weg vom derzeitigen Abteilungsdenken“. Er könne sich vorstellen, dass es bald zum Beispiel Stationen für alle Bauchpatienten gebe, auf denen dann die beteiligten Fachärzte zusammenarbeiten würden. Dies hätte auch den Abbau von Hierarchien zur Folge.
Jens Flintrop
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