ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Robert-Koch-Preis: Wanderer zwischen Welten

POLITIK: Medizinreport

Robert-Koch-Preis: Wanderer zwischen Welten

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3015 / B-2568 / C-2378

Koch, Klaus

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LNSLNS Axel Ullrich hat den Spagat zwischen Grundlagenforschung

Zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein: Als Prof. Axel Ullrich 1975 als frisch promovierter Biochemiker an die Universität von Kalifornien nach San Francisco ging, sollte seine Wahl beide Bedingungen perfekt erfüllen. Ullrich landete im Zentrum der gerade entstehenden Gentechnik. 26 Jahre später schlägt sich Ullrichs Entscheidung in mehr als 400 Publikationen und einer Reihe von Ehrungen und Preisen nieder. Letzte Woche ist der mit 120 000 DM dotierte Robert-Koch-Preis hinzugekommen, eine der angesehensten deutschen Forscher-Ehrungen. Zusammen mit Ullrich, der seit 1988 Direktor am Max-Planck-Institut für Biochemie in Martinsried bei München ist, hat die Robert-Koch-Stiftung den britischen Immunologen Prof. Nicholas A. Mitchison mit der Robert-Koch-Medaille in Gold für sein Lebenswerk geehrt. Mitchison habe über Jahrzehnte „fundamentale Beiträge zur Rolle von T-Lymphozyten beim Aufbau der Immunantwort und der Entwicklung von Autoimmun-Krankheiten“ geliefert, schilderte Prof. Bernhard Fleckenstein, Vorsitzender des wissenschaftliche Beirats der Robert-Koch-Stiftung.
Signalaustausch
Auch bei dem 57-jährigen Ullrich gäbe es mehrere gute Gründe für die Verleihung des Preises. Sein Hauptarbeitsgebiet ist der Signalaustausch zwischen Zellen des Körpers und die Verarbeitung von Signalen im Inneren der Zellen. Mit einer Idee, die ebenfalls in seiner Zeit in den USA entstanden ist, hat der „Schatzsucher der Moderne“ (Die Woche) ein Stück Medizingeschichte geschrieben. Ullrichs Forschung steht hinter einem neuartigen Medikament gegen Brustkrebs: Trastuzumab heißt der Antikörper (Herceptin®), der seit zwei Jahren in Deutschland zur Behandlung von Frauen mit bestimmten Varianten fortgeschrittenen Brustkrebses zugelassen ist. Der Antikörper bindet an den HER2-Rezeptor, ein Protein auf der Oberfläche der Tumorzellen, das sie zum Wachstum anregen kann. Sorgfältig ausgewählten Frauen verschafft Herceptin zumindest einige Monate Zeitgewinn.
Was Ullrich kennzeichnet, ist, dass er auf die Verwirklichung dieser Therapie-Idee ebenso stolz ist wie auf eine lange Liste von fundamentalen Arbeiten der Grundlagenforschung. Der 57-Jährige ist ein Wanderer zwischen den Welten, einer der wenigen deutschen Forscher, die es schaffen, Grundlagenforschung und kommerzielle Anwendung miteinander zu verknüpfen. Derzeit konzentriert sich seine Arbeit auf Krebs und Typ-2-Diabetes.
Ullrich hält mehr als 50 Patente und hat drei Biotechnologie-Unternehmen mit gegründet. Die Scheu vor der kommerziellen Verwertung seiner Forschung hat er ebenfalls in den USA verloren. 1979 wechselte er zum jungen Gentechnik-Unternehmen Genentech, heute eine der wenigen Biotech-Firmen, die Gewinne abwirft. Dort übernahm er Projekte, in denen es um Wachstumsfaktoren ging – Hormone, mit denen Zellen Signale zu Teilung und Wachstum austauschen. Aus der Zeit stammt die Erkenntnis, dass Krebs eine Störung der Kommunikationswege in der Zelle ist, ein Problem der Signalverarbeitung. Der Robert-Koch-Preis wird jährlich unter der Schirmherrschaft des Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ters an Forscher verliehen für hervorragende, international anerkannte wissenschaftliche Leistungen. Die Träger des Robert-Koch-Preises genießen hohe internationale Wertschätzung. Dazu hat auch beigetragen, dass seit 1977 fünf Preisträger nach der Verleihung des Robert-Koch-Preises mit dem Nobel-Preis ausgezeichnet wurden.
Klaus Koch

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