ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Humaner ist die Prävention

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Humaner ist die Prävention

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3025 / B-2576 / C-2385

Jachertz, Norbert

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LNSLNS Regelmäßig erscheinen im Deutschen Ärzte-blatt Artikel, in denen von ärztlichen Einsätzen in Krisenregionen berichtet wird. Durchweg sind die armen und ärmsten Länder dieser Welt betroffen, und die Leidenden sind vielfach Frauen, Kinder und Alte, die hilflos Terror und Krieg ausgesetzt sind, die verwundet wurden, geschändet wurden, an Mangelkrankheiten leiden oder vor dem Hungertod stehen. Ihnen gilt ärztliche Hilfe, entsprechend dem ärztlichen Auftrag, Krankheit zu heilen, Leid zu lindern und Sterbenden beizustehen.
Ärzte sind hier oftmals in und nach Katastrophen tätig, die hätten verhindert werden können oder die gar mutwillig herbeigeführt wurden. Hilfe gleicht dann einer „Reparatur“ von Schäden, die andere angerichtet haben. Wirkungsvoller und humaner wäre Kriegsprävention. Die freilich gehört nicht zu den spezifisch ärztlichen Aufgaben, doch es verwundert nicht, dass sich gerade Ärzte immer wieder dafür einsetzen und dafür plädieren, den Frieden zu sichern.
In diesem Sinne veröffentlicht unsere Zeitschrift nachfolgend einen Artikel, der „unsere“ – die westliche – Kriegführung, angeführt von der westlichen Vormacht, in Afghanistan in Zweifel setzt und stattdessen zur Ursachenforschung aufruft, um sodann Terrorismus ursächlich zu bekämpfen. Die Auffassungen in der Redaktion über die Veröffentlichungen eines solchen Beitrages, der über das rein Fachliche hinausgeht, sind geteilt, wir haben uns aber schließlich dazu entschlossen.
Der Krieg in Afghanistan trifft ein armes Land und geschundene Menschen; sie haben genauso wie wir im Westen Anrecht auf Einhaltung der Menschenrechte, auf Leben und Gesundheit, und es erscheint zynisch, darüber mit Achselzucken und dem Hinweis auf die unvermeidlichen Kollateralschäden hinwegzugehen. Je weniger den Ursachen nachgegangen wird und je unklarer die Kriegsziele erscheinen, desto unverantwortlicher ist es, menschliche Opfer in Kauf zu nehmen.
Unser Land wird sich voraussichtlich nunmehr auch militärisch beteiligen. Unter den den USA angedienten Einheiten sind solche, die Verwundete bergen und technisch hoch qualifiziert behandeln können. Solches ist aller Ehren wert. Gemeint sind freilich verwundete Soldaten der „westlichen“ Streitmacht. Die verwundeten Frauen, Kinder und Alten im Lande müssen einstweilen sehen, wo sie bleiben. Norbert Jachertz
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