ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Mammographie: Wiederholte Kritik

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Mammographie: Wiederholte Kritik

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3029 / B-2580 / C-2389

Junkermann, H.; Reichel, M.; Hecht

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LNSLNS Der am 20. Oktober 2001veröffentlichte Review zur Brustkrebsfrüherkennung mit Mammographie wiederholt die Kritik, die dessen Autoren im Januar 2000 in ihrer Publikation im Lancet veröffentlicht hatten. Die Autoren finden in den vor 20 bis 40 Jahren begonnenen randomisierten Studien zum Mammographie-Screening methodische Fehler in Design und Durchführung, die die Aussagekraft infrage stellen. Aus prinzipiellen Erwägungen berücksichtigt die Cochrane-Review-Gruppe nur Ergebnisse randomisierter Studien und lässt andere Evidenz bei ihren Bewertungen außer Acht. Die biologisch gut begründete Tatsache, dass frühere Behandlung die Heilungschancen verbessert, wurde durch die jetzt infrage gestellten Studien untermauert, die zum Zeitpunkt ihrer Planung und Durchführung nach den damals gültigen epidemiologischen Erkenntnissen durchgeführt wurden. Aufgrund der Aussage dieser Studien, die durch weitere nicht randomisierte Studien bestätigt worden sind, führten Schweden, Finnland, England und Holland in der zweiten Hälfte der Achtzigerjahre flächendeckende Screeningprogramme mit Mammographie ein. Die aktuellen Ergebnisse dieser flächendeckenden Screeningprogramme entsprechen vollständig den aus diesen Studien abgeleiteten Voraussagen. Deshalb besteht kein Grund, davon abzugehen, dass Früherkennung die Heilungschancen verbessert, und auf jegliche Brustkrebsfrüherkennung zu verzichten. Brustkrebsfrüherkennung sollte allerdings nur innerhalb eines qualitätsgesicherten, organisierten Mammographieprogramms erfolgen, um Vor- und Nachteile der Teilnahme in einem angemessenen Verhältnis zu halten. Es ist ethisch fragwürdig, angesichts der vorliegenden Ergebnisse aus der flächendeckenden Versorgung in unseren Nachbarländern, den Frauen ein qualitätsgesichertes mammographisches Früherkennungsprogramm zu verweigern, zumal keinerlei wissenschaftliche Grundlagen dafür vorliegen, dass andere Verfahren (Palpation, Ultraschall) in der Lage sind, die Heilungschancen bei Brustkrebs zu verbessern.
Dr. med. M. Reichel, Modellprojekt Wiesbaden, Dr. med. Hecht, Modellprojekt Weser-Ems, Dr. med. H. Junkermann, Modellprojekt Bremen, Frauenklinik, Zentralkrankenhaus St.-Jürgen-Straße, 28205 Bremen
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