ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Mammographie: Unfundierte Aussagen

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Mammographie: Unfundierte Aussagen

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3029 / B-2580 / C-2389

Perleth, Matthias; Schmacke, Norbert

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LNSLNS In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren wurden große Anstrengungen von Klinikern, Methodikern und Ökonomen unternommen, eine Kultur der evidenzbasierten Medizin in verschiedenen Bereichen und auf verschiedenen Ebenen der medizinischen Versorgung zu etablieren. Insbesondere die seit 1992 existierende Cochrane Collaboration als weltweites Netzwerk engagierter Ärzte und Methodenexperten hat unschätzbare Beiträge geliefert, systematische Übersichtsarbeiten methodisch fundiert zu erstellen und durch die Identifizierung randomisierter kontrollierter Studien einen Beitrag zur Kartierung der Wissensdefizite in der Medizin geleistet. Ohne diese grundlegenden Arbeiten wären die systematische Erstellung evidenzbasierter Leitlinien oder die wissenschaftlich fundierte Beratung von Entscheidungen im Gesundheitswesen durch Health Technology Assessment kaum denkbar.
In diesem Zusammenhang ist es mehr als ärgerlich, dass durch das DÄ unkritisch selbst ernannte Experten zitiert werden, die unwidersprochen behaupten dürfen, „solche Arbeiten (gemeint ist der Cochrane-Review zur Mammographie, einsehbar unter www.cochranelibrary.net/Cochrane/issues.htm) können nicht die Basis einer evidenzbasierten Brustkrebsversorgung sein“. Mit solchen unfundierten Aussagen wird die auch zunehmend im Sozialgesetzbuch V verankerte Rolle der evidenzbasierten Medizin unterminiert und die jahrelange Entwicklungsarbeit infrage gestellt. Aus der Sicht der medizinischen Technologiebewertung ist die Herabwürdigung systematischer Analysen klinischer Studien, wie sie im Cochrane-Review zur Mammographie vorgenommen wurden, nicht hinzunehmen. Schon gar nicht, wenn dem ein Expertenkonsens gegenübergestellt wird. Die Diskriminierung des Cochrane-Reviews ist einer sachlichen Diskussion, insbesondere der Entwicklung eines qualitätsgesicherten Mammographie-Screenings, nicht dienlich.
Dr. med. Matthias Perleth, MPH, Ahrweilerstraße 32, 14197 Berlin, Prof. Norbert Schmacke, Friedenstraße 18, 40219 Düsseldorf
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