ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Psychotherapie: Fruchtlose Debatte

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Psychotherapie: Fruchtlose Debatte

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3030 / B-2581 / C-2390

Ploeger, Andreas

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LNSLNS Als ärztlicher Psychotherapeut und zugleich auch als Diplom-Psychologe halte ich eine polemische Debatte betreffend ärztliche versus psychologische Psychotherapie, wie sie in dem Artikel von Petra Bühring wiedergegeben wird, für fruchtlos. Entscheidend ist jedoch, dass Psychosyndrome Epiphänomene organischer oder endogener Erkrankungen sein können. Eine Psychotherapie ist dann sinnlos und sogar gefährlich. So kann ein Frontalhirntumor an der Konvexität mit Antriebsarmut, psychischer Verlangsamung, emotionaler Abstumpfung und Einengung des Interesses eine Depression, ein basaler Frontalhirntumor mit gegensätzlicher Symptomatik ein manisches Syndrom vortäuschen. Eine „Untergrunddepression“, also eine endogen determinierte doch nicht massiv ausgebildete depressive Verstimmung kann als Folge eines belastenden Geschehens im Umfeld und damit als „reaktive Depression“ erscheinen. Auch ein urämisches Präkoma kann als depressive Verstimmung verkannt werden. Die Beispiele ließen sich vermehren. In all diesen Fällen ist ärztliche Kompetenz gefordert, um sowohl an der spezifischen Ausprägung des Syndroms im Einzelfall als auch an möglicherweise hinzukommenden diskreten neurologischen oder internistischen Hinweisen die eigentliche Ursache des Psychosyndroms zu erkennen und organmedizinisch vorzugehen. Psychologische Psychotherapeuten sind gerade dazu einfach nicht befähigt. Ob ein Psychologischer Psychotherapeut einen Arzt hinzuzieht, wie das Psychotherapeutengesetz es nahe legt, bleibt Sache seiner Entscheidung. Zur Katastrophe muss die Forderung psychologischer Verbände führen, vollkommen frei von ärztlicher Intervention Psychotherapie nach eigenem Gutdünken durchzuführen. Fälle, bei denen der Patient nicht mehr zur Therapie kam, weil er am Hirndruck oder an der Urämie verstorben war oder sich infolge endogener Depression umgebracht hatte, sind geschehen! Das durch das Psychotherapeutengesetz verdrängte Delegationsprinzip, welches die medizinisch-ärztliche Kontrolle einschloss, wurde durch das Psychotherapeutengesetz zum Nachteil der Patienten leider eliminiert.
Prof. Dr. med. Dipl.-Psych. Andreas Ploeger, Lemierser Berg 119, 52074 Aachen
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