BÜCHER

Somatoforme Störungen

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): A-3034 / B-2583 / C-2392

Morschitzky, Hans

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Somatoforme Störung
Weiter Unklarheit
Hans Morschitzky: Somatoforme Störungen. Diagnostik, Konzepte und Therapie bei Körpersymptomen ohne Organbefund. Springer-Verlag, Wien, New York, 2000, XII, 267 Seiten, 68 DM
Unter „somatoformen Störungen“ werden seit ICD-10 und DSM-IV die Erkrankungen von Patienten zusammengefasst, bei denen keine organische Ursache vorliegt. Der Begriff ersetzt Bezeichnungen wie vegetative Dystonie oder Dysregulation, Neurose, psychovegetative Labilität, funktionelle Störung, Hypochondrie oder larvierte Depression. Diese Vielzahl war bezeichnend für eine konzeptionelle Unklarheit.
Doch die Hoffnung, dass die neue Bezeichnung „somatoforme Störung“ auf ein neues Einheitskonzept hindeutet, das für die Kommunikation mit dem Patienten umsetzbar ist, wird enttäuscht. Begriffe wie Konversion, Somatisierung, somatisierte Depression, Alexithymie zeigen, dass weiter Unklarheit darüber besteht, was den Patienten fehlt. Daran ändern auch „Meta-Modelle“ nichts, in denen verschiedene Ansätze zusammengefasst werden. Derzeit beliebt sind das „biopsychosoziale Erklärungsmodell“ und das „Diathese-Stress-Modell“.
Deshalb überrascht es nicht, dass keine einheitliche Behandlungsmethode angeboten wird. Neben Körpertherapien (Entspannungsübungen, Biofeedback) wird heute die kognitive Verhaltenstherapie von vielen Psychologen bevorzugt. Ob sie wirkt, sollte man besser nicht hinterfragen, denn echte kontrollierte Studien sind selten, wie Morschitzky auf Seite 238 einräumt. Den meisten Gewinn bringt die Lektüre des Kapitels „Historische Aspekte“. Hier wird deutlich, dass die Erklärungsmuster (Stichwort: Hysterie) häufig mehr über den jeweils herrschenden Zeitgeist aussagen als über die Erkrankung selbst. Es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass dies heute anders wäre als früher (Stichwort: multiple Chemikalienüberempfindlichkeit). Rüdiger Meyer
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema