ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Das Inzidentalom der Nebenniere: Schlusswort
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LNSLNS Wir bedanken uns für den Kommentar, der es erlaubt auf den kritischen Punkt der Indikationsstellung bei Inzidentalomen mit einer Größe zwischen 3 und 5 cm einzugehen. Prospektiv randomisierte Studien zur Verlaufsbeobachtung versus Operation bei Inzidentalomen dieser Größe fehlen. Das zentrale Argument für eine Verlaufsbeobachtung ist die Letalität der konventionellen Operation von einem Prozent (3). Andererseits kann an spezialisierten Zentren der Eingriff ohne Letalität und mit geringer Morbidität – insbesondere beim endoskopischen Vorgehen – durchgeführt werden, wodurch Nebennierenkarzinome in einem prognostisch günstigen Stadium operiert werden und dem Patienten längerfristige Verlaufskontrollen erspart bleiben. Im eigenen Patientenkollektiv konnte ein 4 cm großes Nebennierenkarzinom, welches unter der Diagnose eines hormoninaktiven Inzidentaloms operiert wurde, frühzeitig entfernt werden. Der Begriff „hormoninaktiv“ ist relativ, aus endokrinologischer Sicht haben Patienten mit hormoninaktiven Inzidentalomen gehäuft eine Hypertonie (55,8 Prozent), eine Hyperlipidämie (51,6 Prozent), Übergewicht (33,5 Prozent) und einen Diabetes mellitus (27,7 Prozent) (3). Daten aus neuerer Zeit weisen darauf hin, dass bei kleinen Nebennierenadenomen mit einer durchschnittlichen Größe von 2 cm eine Mehrsekretion selte-
ner Aldosteron-Metaboliten vorliegen kann (1). Mit der Entfernung dieser kleinen Adenome normalisiert sich in der Regel der vorher erhöhte Blutdruck. Eine Diagnostik dieser Metaboliten ist nur in wenigen Zentren möglich und wird nicht routinemäßig eingesetzt. Daneben weisen Inzidentalome weitere hormonelle Abnormalitäten auf. Nach i.v. Glucosegabe kommt es bei Patienten mit Nebennierenadenomen im Vergleich zu Normalpersonen zu einer signifikant höheren ACTH- und Cortisol-Sekretion, was möglicherweise klinisch relevant ist (2). Die Operation von Inzidentalomen mit einer Größe zwischen 3 und 5 cm ist somit nicht eine „Therapie ohne Indikation“, sondern eine durch überzeugende Argumente begründete Empfehlung.
Literatur
1. Abdelhamid S et al.: A new subset of mineralcorticoid hypertension with excess of 21-Desoxyaldosterone and Kelly’s-M1 Steroid: Clinical and morphological findings. Endocrinol Metab 1995; 80: 737–744.
2. Beuschlein F et al.: Oral glucose tolerance testing but not intravenous glucose administration uncovers hyper-responsives of hypothalamo-pituitary-adrenal axis in patients with adrenal incidentalomas. Clin Endocrinol 2000; 52: 617–623.
3. Reincke M et al.: Das Nebenniereninzidentalom. Die Kunst der Beschränkung in Diagnostik und Therapie. Dt Ärztebl 1995; 92: A-764–770 [Heft 11].

Für die Verfasser:
Prof. Dr. med. Achim Heintz
Klinik und Poliklinik für
Allgemein- und Abdominalchirurgie
Johannes Gutenberg-Universität
Langenbeckstraße 1
55131 Mainz

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