ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Aktien: Geduldig zum Erfolg

VARIA: Schlusspunkt

Aktien: Geduldig zum Erfolg

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): [96]

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Anfang November avancierte die Degussa AG zum Börsenschreck par excellence. Nur innerhalb eines Tages verlor die Aktie glatte zehn Prozent ihres Wertes. Seitdem versucht sie sich auf einem Niveau um 25 Euro zu halten.
Die harsche Reaktion des Marktes war letztendlich die Quittung für eine völlig überraschende Gewinnwarnung. Lange genug hatte nämlich der Düsseldorfer Spezialchemiekonzern versucht, die Anleger bei Laune zu halten und auf die im Vergleich zur Konkurrenz geringere Konjunkturabhängigkeit hingewiesen. Selbst nach den Terroranschlägen des 11. September änderte die Degussa ihre positive Einschätzung der Lage nicht. Die Gewinnwarnung war also ein richtiger Schlag ins Kontor. Eine Fortschreibung des Betriebsgewinnes sei nicht mehr drin, meldete der Vorstand locker, vielmehr müsse sich die Börse auf einen Rückgang von 20 bis 30 Prozent einstellen.
Was jetzt? Reihenweise (natürlich erst nach der schlechten Kunde) haben die Experten bundesweit die Aktie der Degussa heruntergestuft und vertreten dabei unisono die Meinung, dass aus der Branche auch in Zukunft mit schlechten Nachrichten gerechnet werden müsse. Die Profis raten unter dem Strich eher zu einem Verkauf der Aktie. Meine Meinung ist das nicht. Zwar hat Degussa in dieser einen Woche gezeigt, dass sie doch konjunkturabhängiger sind als bislang vermutet. Auf der anderen Seite ist das Düsseldorfer Unternehmen in vielen Vorproduktbereichen Weltmarktführer und dürfte daher von einem Aufschwung der Wirtschaft recht zeitnah profitieren. Kaufen und geduldig abwarten wäre hier also vielleicht doch sinnvoller.
Ein ähnliches Debakel erlebten die Fans der Heidelberger Druckmaschinen AG, sogar noch um einige Nuancen schlimmer. Seit Jahren gelten die Produkte der „Heideldruck“ in aller Welt quasi als Mercedes dieser Branche. Gleichwohl musste das Unternehmen jüngst Rückgänge im zweistelligen Bereich vermelden.
Als die erste Prognose – Umsatzrückgang von zehn Prozent, Nettoergebnis nur noch 200 statt 283 Millionen Euro – über die Ticker lief, purzelte der Börsenkurs binnen Stunden um 17 Prozent auf unter 40 Euro.
Diese Bestrafung durch die Börse halte ich für klar übertrieben. Heidelberger Druck wird als eines der ersten Unternehmen von einer Erholung der Wirtschaft in den USA profitieren und steht auch sonst weltweit nach wie vor gut da. Allerdings ist auch bei dieser Aktie Geduld allererste Bürgerpflicht.
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