ArchivDeutsches Ärzteblatt46/2001Ärztliche Maßnahmen am Computer

VARIA: Schlusspunkt

Ärztliche Maßnahmen am Computer

Dtsch Arztebl 2001; 98(46): [96]

Kolitzus, Helmut

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„Die ganze Welt ist gegen mich. Sogar mein Computer verweigert sich mir!“ Zeichnung: Reinhold Löffler
„Die ganze Welt ist gegen mich. Sogar mein Computer verweigert sich mir!“ Zeichnung: Reinhold Löffler
Haben Sie auch mal geglaubt, dass der Computer eine unbestechliche, sachliche und zuverlässige Instanz sei, die sich durch nichts aus dem Konzept bringen lässt?
Wahrscheinlich haben Sie längst gemerkt, dass es keinen schlimmeren Irrtum gibt. Ich bin inzwischen der festen Überzeugung, dass viele Computer eingebaute hysterische Software-Komponenten haben, die jederzeit unvermittelt die sorgfältig bearbeiteten Programme durcheinander bringen oder direkt auf den Bildschirm springen können. Therapeutischen Bemühungen gegenüber ist die Hysterie resistent. Auch aggressive Gegenübertragungen bis hin zu offenen Wutanfällen nutzen nichts.
Der Datengigant hat natürlich auch Komplizen, zum Beispiel den Drucker, der, wenn es besonders schnell gehen sollte, Massen völlig wahnwitziger, nie gesehener Schriftzeichen liefert.
Vielleicht ist uns der Computer ja auch vom Big Brother geschickt, um uns auf unsere Charakterzüge zu testen? Reagieren wir mit ohnmächtiger Depression – oder schlagen wir womöglich auf unschuldige Tastaturen ein, um diese zur Vernunft zu bringen?
„Die ganze Welt ist gegen mich. Sogar mein Computer verweigert sich mir!“
Haben Sie auch schon von der guten alten Schreibmaschine geträumt, die Sie erst neulich zum Sperrmüll getragen haben?! Die gehorchte wenigstens den Gesetzen der Mechanik: Nach Wutanfällen ließen sich Typenhebel wieder entwirren . . .
Für ärztliche Maßnahmen am Computer müssen wir Summen hinlegen, für die wir am Patienten lange arbeiten dürfen. Ein Hausbesuch des Computer-Notarztes – fast unbezahlbar! Was nützt mir der Aldi-Computer mit dem guten Testergebnis, wenn er dann doch kränkelt und die Kuren immer teurer werden? Der gute Rat eines Computer-„Fachmanns“ nach einer Stunde Diagnose-Suche und nachdem er ihn endgültig lahm gelegt hatte: „Am besten, Sie kaufen sich einen neuen!“ Das hätte ich mir kostenlos auch selbst sagen können. Trotz der versuchten Sterbehilfe läuft mein altes stationäres Gerät weiter – mit verbessertem Arbeitsspeicher. Dass mein neuer Laptop mit angeblich vielfach höherer Geschwindigkeit echt schneller läuft, halte ich nach wie vor für ein Gerücht.
Dr. med. Helmut Kolitzus
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